(ads) "Schon als Kind habe ich Märchen sehr gemocht und das habe ich meiner Oma und meiner Mutter zu verdanken, die sich sehr oft die Zeit nahmen, sie mir vorzulesen und zu erzählen", erinnert sich Sabine Kreiner. Die Faszination, die Märchen auf sie als Kind ausübten, hat sie nach ihrem Studium der Sozialpädagogik wieder eingeholt. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Märchenerzählerin und machte ihre Leidenschaft zum zweiten beruflichen Standbein.
Heuer sind es zwölf Jahre, dass sie als Märchenerzählerin in der Region und darüber hinaus erfolgreich unterwegs ist. Weder bei den Märchennachmittagen für Kinder, noch bei jenen für Erwachsene darf Musik fehlen. Sie greift selbst zum Instrument oder lädt sich dazu Freunde ein. Abende, die die Seele streicheln. Warum das so ist, erzählt Sabine Kreiner im OWZ-Interview.
Wie sind Sie zum Erzählen gekommen?
Als Sozialpädagogin war ich nach einigen Jahren in der Jugendarbeit auf der Suche nach einer Weiterbildung und erinnerte mich an die "DornRosen", damals ein Verein in Nürnberg, der Erzähler und Puppenspieler ausbildete. Ich habe ein Wochenende zum Schnuppern ausprobiert und bin hängengeblieben. Die Ausbildung zur Märchenerzählerin hat gute zwei Jahre gedauert. Danach habe ich ganz klein angefangen. Erst im Rahmen meiner Arbeit, in Kursen mal ein Märchen, eher kurze, klassische Geschichten und dann bald immer mehr und immer längere Geschichten - von Anfang an in Verbindung mit Bewegung und Musik, was ich beides auch sehr mag.
Was hat Sie am Märchenerzählen fasziniert?
Die verschiedenen Ebenen. Auf den ersten Blick hat man mit einem Märchen eine Geschichte mit einer bestimmten Handlung. Hier an dieser Stelle bietet das Märchen gute Unterhaltung. Auf den zweiten Blick haben Märchen eine unglaubliche Tiefe und viele Symbole, die uns auf einer anderen Ebene erreichen und unsere Herzen bewegen.
Sie erzählen Märchen für Kinder und Erwachsene. Worin liegen die Schwerpunkte beim Erzählen von Märchen für Kinder einerseits und für Erwachsene andererseits?
Kinder kann man mit Märchen Mut machen, in denen es jemand schafft, das Problem zu lösen, obwohl er klein, schwach oder vermeintlich dumm erscheint. Hier ist die zentrale Aussage: Jeder kann es schaffen - mit Köpfchen, mit viel Vertrauen in sich selbst und natürlich auch mit einer Portion Glück. Vieles ist grade in den internationalen Märchen mit Humor beschrieben und schenkt dadurch Leichtigkeit und Zuversicht.
In Märchen für Erwachsene werden Lebensthemen aufgegriffen und durch die Bildersprache dem Leser oder Zuhörer nähergebracht. Mit Märchen kann man sich fallen lassen in ganz alte Geschichten, die immer wieder anders berühren und für jeden eine andere Bedeutung haben können. In Märchen steckt ein tiefes Wissen um das, was Menschen schon immer bewegt und jeden betrifft - Freude, Liebe, Leidenschaft, Leid, Schmerz und Tod. Für alle, egal welche Altersgruppe, sind Märchen Seelennahrung und können heilen, weil es fast immer darum geht, einen Weg zu gehen, einen Prozess zu durchlaufen und dass alles, das Gute wie das Böse, zum Leben und Sterben dazu gehört.
In vielen Märchen geht es brutal und blutrünstig zu. Sind aus diesem Grund Märchen nicht zu grausam für Kinder?
Im Märchen sind alle Themen des Lebens verpackt und dazu gehört auch das Dunkle, Böse und Brutale. Kinder können sehr wohl unterscheiden, ob etwas ein Buch oder die Wirklichkeit ist. Und dass die Welt brutal sein kann, erfahren Kinder früher oder später sowieso. Gut ist, dass es im Märchen nicht zentral um den Schrecken geht, sondern dass das Böse und Grausame in eine Geschichte eingebettet ist. Wenn man sich mit den Bösen aus der Geschichte beschäftigt, bieten Märchen die wunderbare Möglichkeit, das Dunkle, Böse und Grausame im eigenen Leben zu verstehen und aufzuarbeiten.
Grundsätzlich ist es für Eltern wichtig, dass sie ihrem Kind das Märchen erzählen oder vorlesen und somit ganz nah beim Kind sind. Ich rate ab, dass Kinder alleine im Fernsehen Märchen ansehen oder auf CD anhören. Märchen sollten auch nicht von den Erwachsenen interpretiert werden, denn dann nimmt man Kindern die Möglichkeit, ihre eigene Fantasie zu entfalten. Deshalb rate ich auch von Bilderbüchern ab. Für mich ist es ein wahres Geschenk, Märchen vorlesen oder erzählen zu können.
Ab wann empfehlen Sie welche Märchen für Kinder und welche für Erwachsene?
Kindern kann man gut und gerne mit fünf Jahren schon die Märchen der Gebrüder Grimm erzählen oder vorlesen. Ich empfehle, mit kurzen Märchen anzufangen und die Länge dann mit zunehmendem Alter zu steigern. Erwachsene können alle Märchen lesen. Im deutschsprachigen Raum sind es die Märchen der Gebrüder Grimm und die der Gebrüder Anderson, aber wir haben auch eine Fülle an wunderschönen internationalen Märchen.
Wie beeinflussen Märchen die Entwicklung der Kinder und das Leben der Erwachsenen?
Märchen gehören zu unserem Kulturgut und wir wachsen mit ihnen auf. Deshalb sind sie uns auch sehr vertraut. In Märchen werden Grundsituationen beschrieben, die damals wie heute gültig sind. Märchen sind somit wie Gebrauchsanweisungen für das Leben, weil sie auch das Urvertrauen in uns selbst stärken. Viele Grundsätze im Märchen vermitteln auch Glauben als gutes Werkzeug zum Meistern des Lebens.
Ich treffe vor dem Erzählen eine gezielte Auswahl der Märchen, die ich sensibel auf die Zuhörer und das Thema des Abends oder den Veranstaltungsort abstimme, um das Interesse der kleinen wie großen Zuhörer zu und deren Gemüt zu bewegen. Ich kommentiere die Märchen nicht, so dass sich jeder aus dem Märchen nehmen kann, was er gerade braucht. Damit können Märchen zu wahren Seelenstreichlern für Kinder und Erwachsene werden.
Was sollen Sie mit dem Erzählen von Märchen grundsätzlich vermitteln und bewirken?
Unterhaltung, Anregung zum Nachdenken, Entspannung und eine Ahnung vermitteln, dass es immer noch mehr gibt, als wir glauben zu wissen! Manche nennen es Magie ...
Zu Ihren Erzählabenden für Erwachsene laden Sie sich stets auch Musiker ein. Was steckt dahinter?
Musik bedient sich einer universellen, weltweiten Sprache. Sie wird auch die Sprache der Gefühle genannt. Musik untermalt nicht nur die Märchen, sondern breitet einen Teppich aus, auf dem sich die Worte bewegen: sanft, bunt, schmeichelhaft, aber auch wirr und leidenschaftlich, manchmal auch polternd und zornig. Musik soll die Geschichten verbinden zu einem großen Ganzen, soll mit der Moderation der Rote Faden in einem Programm sein und die Zuhörer mit auf eine Stimmungsreise nehmen. Das ganz Fantastische daran ist, dass jeder Musiker und jedes Instrument etwas völlig Neues erzeugt und die Möglichkeit bietet, immer wieder andere Seiten beim Publikum anklingen zu lassen. Langweilig wird’s so auch nie!
Was ist Ihr Wunsch für die Zukunft?
Es mögen mich immer wieder Geschichten, Märchen, Orte und Menschen finden, die mich inspirieren, zum Träumen bringen und zum Erzählen anregen. Das Märchenerzählen ist für mich ein großes Geschenk und es ist ein Glück, dass ich das immer wieder teilen kann. Ich bin sehr neugierig, was nach den ersten zwölf Jahren noch kommt. Das Motto meiner Jubiläumsveranstaltung war ja "War das schon alles?!". Und nun denke ich: Nein.
Die gebürtige Vohenstraußerin ist Mutter von zwei Kindern und lebt in Amberg. Die studierte Sozialpädagogin singt in verschiedenen Kirchenbands und bei dem A-Capella-Ensemble „Sunny Songdays“. Seit 2007 ist sie beim Sozialdienst katholischer Frauen im Bereich Adoptionsdienst und Notruf für Frauen tätig. Ihre Ausbildung zur Märchenerzählerin machte sie 2005.
Auftritt: Die nächste Gelegenheit Sabine Kreiner zu erleben, ist bereits am Samstag, 20. Oktober, um 20 Uhr im Schulmuseum in Sulzbach-Rosenberg. Der Eintritt kostet zehn Euro. Karten gibt es im Vorverkauf bei der Buchhandlung Volkert in Sulzbach-Rosenberg (E-Mail info[at]buchhandlung-volkert[dot] de, Telefon 09661/812373).
Weitere Informationen und Termine gibt es auf der Homepage von Sabine Kreiner: www.maerchenbohne. de.
Mehr zum Märchenzentrum „DornRosen e.V“ (Tannenweg 50, 90571 Schwaig bei Nürnberg) unter Telefon 0911/533911 oder auf www.maerchenzentrum.de. (ads/nd)
















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