13.09.2019 - 15:15 Uhr
AmbergOberpfalz

Am Mariahilfberg soll größte Transparenz herrschen

Die Stimmung am Berg brodelt, die Nerven bei den Beteiligten liegen blank. Höchste Zeit für eine öffentliche Erklärung und einen Paradigmenwechsel, was die Planung für die Bergwirtschaft angeht.

Die Bergkirche mit der Gastwirtschaft im Vordergrund. Die geplante Sanierung und Erweiterung schlägt derzeit sehr hohe Wellen. Stadt und Investor setzen jetzt mit einer formalen Bauleitplanung auf allerhöchste Transparenz.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Oberbürgermeister Michael Cerny versteht es einfach nicht. Bis in den August hinein war alles Friede, Freude, Eierkuchen, was die Sanierung und Erweiterung der Bergwirtschaft durch Michael Fellner angeht. Und dann brach plötzlich der "Shitstorm" über Investor und Stadt herein, der im Start eines Bürgerbegehrens gegen das Vorhaben gipfelte. "Das hat mir ein bisschen den Urlaub verhagelt, was da passiert", gab er am Freitag bei einer Pressekonferenz im Rathaus zu.

Mit von der Partie war auch Investor Michael Fellner, der seinen Architekten Georg Zunner als wortgewaltige Unterstützung mitgebracht hatte. Außerdem Baureferent Markus Kühne und Thomas Helm, der Pfarrer von St. Martin, der den 99-jährigen Pachtvertrag der Kirche mit Fellner in Sachen Bergwirtschaft noch eingefädelt hatte. "Alle wesentlichen Informationen waren zugänglich", sagte Michael Cerny im Hinblick auf die Vorwürfe der Projekt-Gegner, die Stadt lasse hier - quasi im Hinterzimmer - ein gastronomisches Monster auf dem Mariahilfberg entstehen.

Jetzt Bauleitplanung

"Das, was jetzt passiert, ist nicht in Ordnung", sagte Cerny mit Blick auf das kürzlich gestartete Bürgerbegehren, dem er die Legitimität durchaus nicht absprach. "Wer das initiiert, hat aber auch eine Verantwortung", ergänzte er. "Man kann nicht einfach was in den Raum stellen und konfrontiert dann die Stadt damit." Die Stadt Amberg hat es laut Michael Cerny aber nicht bei Worten gelassen, es folgen Taten. Denn die Genehmigung für die Sanierung und den Umbau der Bergwirtschaft wird nun in einer formellen Bauleitplanung erteilt, in der alle Fragen schriftlich gestellt und beantwortet werden müssen.

Um jeden Zweifel auszuräumen und wirklich jede Eventualität abzuwägen. Das Verfahren dauert laut OB rund ein Jahr, vor September 2020 sei demnach mit einem Baubeginn nicht zu rechnen. "Dabei haben wir doch ohnehin sehr frühzeitig informiert", flankierte Baureferent Markus Kühne. Das Projekt sei erstmals im Oktober 2018 umfangreich im Bauausschuss und Stadtrat vorgestellt worden, im Mai 2019 sei dem Bauausschuss ein neues, ergänztes Modell vorgestellt worden. Das übrigens hält nicht nur Kühne für plakativer und effizienter zur Darstellung als nur die Pläne, wie er ausführte.

Faktencheck rund um die Bergkirche

Amberg
Sie sehen alle Klärungsbedarf in Sachen Bergwirtschaft (von links): Oberbürgermeister Michael Cerny, Pfarrer Thomas Helm (St. Martin), Investor Michael Fellner, Architekt Georg Zunner und Baureferent Markus Kühne.

"Wir wollen nichts kaputt machen", beteuerte wiederholt Architekt Georg Zunner, dem der Widerstand - wie auch Michael Fellner - sichtlich nahe geht. Er schilderte detailliert das sehr genaue Herangehen der Planer an das Objekt, das basierend auf dem ursprünglichen Mesnerhaus, vor allem in den 50er und 60er Jahren und in den 90ern in den heutigen Zustand gebracht wurde. "Das ist alles in die Jahre gekommen", machte Zunner deutlich, der erzählte, dass er wegen der Kampagnen der Gegner auch via Internet sogar von seinen internationalen Kunden ständig angesprochen wird.

"Man sieht, dass man gar nichts sieht", sagte Zunner mit Verweis auf die Pläne, die er mitgebracht hatte. Der neue Anbau verschwinde vollständig unterhalb der Ebene der Treppenanlage der Bergkirche und sei auch dank der Dachbegrünung von oben nicht als solcher zu erkennen. Ja, es müssten für den Anbau zwei oder drei Bäume gefällt werden, sagte Zunner. Es erfolgten dafür aber natürlich Ersatzpflanzungen auf dem benachbarten Grundstück von Michael Fellner. Und bei der durch die Kirche dringend fälligen Renovierung der Stützmauer der Freitreppe sei ein kleiner Eingriff in die Natur ohnehin nicht zu vermeiden.

Baukörper im Berg

Man sieht, dass man nichts sieht. Von der Seite aus wird - wie hier auf dem Plan - vom Anbau der Bergwirtschaft überhaupt nicht zu sehen sein. Im Gegensatz zum jetzigen Zustand, bei dem der Anbau (im Vordergrund des Luftbildes links) deutlich von der Kirchenseite her zu erkennen ist.

"Wir schieben den Baukörper rein, dass man ihn nicht sieht", sagte Zunner. Aber selbst auf den sonst üblichen Baumschutzradius verzichte man beim Neubau. Der sei so geplant, dass er einen umfallenden Baum locker aushalte. Investor Michael Fellner war anzumerken, wie schwer ihm das Thema Bergwirtschaft inzwischen im Magen liegt. Das eine Jahr Verzögerung für die Bauleitplanung gehe er mit, sagte er. Er verheimlichte aber auch nicht, dass er nicht alles mitmachen und ewige Geduld haben würde. "Dann soll es eben ein anderer machen."

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