Amberg
18.10.2018 - 14:55 Uhr

Eine Mauer der Ahnungslosigkeit

Kann jemand, so lautet die Frage, innerhalb von acht Monaten so ziemlich alles vergessen haben, was sich im Zusammenhang mit einem mutmaßlichen Verbrechen ereignet hat?

Symbolbild Bild: dpa
Symbolbild

Die Ignoranz ist mit Händen zu greifen. Doch wenn sich Leute ahnungslos geben, kann ein Gericht wenig machen.

Zweiter Tag im Prozess gegen drei junge Amberger, die im Verdacht stehen, am Abend des 22. Januar dieses Jahres unweit des Johanna-Decker-Gymnasiums einen 26-Jährigen angegriffen, mit einem Elektroschocker traktiert und Geld gefordert zu haben. Die Richter der Großen Jugendkammer wissen unterdessen, dass es um Rauschgiftangelegenheiten ging, die wohl geregelt werden sollten.

Schon das Opfer hatte sich als junger Mensch mit großen Erinnerungslücken gezeigt. Im weiteren Verlauf der Verhandlung offenbarte sich nun: Zur Tatzeit waren auch andere Männer anwesend. Sie griffen zwar nicht ein und beobachten alles aus der Distanz. Aber es drängte sich die Frage auf: Weshalb kamen sie?

Hatte ihnen jemand den Auftrag gegeben, in dieser Winternacht dort zu erscheinen? Der Kammervorsitzende Harald Riedl stieß auf eine Mauer der Ahnungslosigkeit. Die Augenzeugen marschierten zwar auf, doch dass dort ein Gerangel stattfand und welchem Zweck diese Auseinandersetzung diente, wollten sie nicht wissen. Daraus formte sich der Eindruck: Höchst seltsam, dass dieses Zusammentreffen von mutmaßlichen Tätern und Augenzeugen rein zufällig in nachtdunkler Gasse über die Bühne ging.

Die Jugendkammer weiß unterdessen, dass die drei Beschuldigten als Drogenkonsumenten gelten können. Der Toxikologe Bernd Schwarze aus Erlangen hatte Haarproben analysiert und kam zu der Erkenntnis, dass alle drei Angeklagten mehr oder weniger regelmäßig Rauschgift zu sich nahmen. Das könnte nun in den am Freitag zu erwartenden Urteilen zu einer gerichtlich angeordneten Entzugstherapie führen. Doch in die geschlossene Drogenklinik möchten die Beschuldigten eher nicht. Ihnen wäre eine ambulante Entzugsmaßnahme lieber.

Noch eines beschäftigt die Richter. Einer der Angeklagten (23) hat gesagt, er wäre eigentlich nur deshalb mitgegangen, um den des Weges kommenden und dann gestoppten 26-Jährigen dazu aufzufordern, künftig keine Drogen mehr an Minderjährige in Amberg abzugeben.

Amberg16.10.2018
 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.