17.09.2021 - 13:23 Uhr
AmbergOberpfalz

Mediziner sind sich einig: „Mehr Tote durch Klimawandel“

Die meisten Plätze im Ringtheater Amberg blieben leer, obwohl die von den Grünen initiierte Podiumsdiskussion „Klimawandel und unsere Gesundheit“ gerade jetzt Aufmerksamkeit genießt. Die Meinung der Mediziner war eindeutig.

Kompetente Runde bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Klimawandel und unsere Gesundheit“ im Amberger Ringtheater. Von links: Dr. Andreas Redel, Tina Winklmann, Dr. Günther Edenharter, Sinan Türkay und Dr. Thomas Bein.
von Gerd SpiesProfil

Mit Dr. Andreas Redel, Chefarzt am Klinikum St. Marien Amberg, Prof. Dr. Thomas Bein (ehemaliger Leiter der Intensivstation an der Uniklinik Regensburg) und Dr. Günther Edenharter, Anästhesist und Hausarzt, als Diskussionsleiter hatten die Grünen als Veranstalter bei ihrer Podiumsdiskussion hochkarätige Diskutanten aufgeboten. Neben Tina Winklmann, Bundestagskandidatin der Grünen im Wahlkreis Schwandorf/Cham, vervollständigte noch Klimaaktivist Sinan Türkay, von Beruf Wirtschaftsinformatiker bei Grammer AG, den Kreis der Fachleute.

Türkay skizzierte gleich zu Beginn die wissenschaftlich nachgewiesenen Auswirkungen des weltweiten CO2-Anstiegs in der Atmosphäre auf. Neben einem globalen Temperaturanstieg würden zusätzlich die Jet-Streams in der oberen Atmosphäre auf der Nordhalbkugel beeinflusst. Diese würden so die zunehmende Zahl von Unwetterkatastrophen verursachen.

"In Europa angekommen"

„Der Klimawandel ist auch in Europa angekommen“, ist sich auch Thomas Bein sicher. Die Unwetterkatastrophe im Ahrtal habe gezeigt: „Der abstrakte Klimawandel ist konkret geworden." Ebenso sei die Hitzewelle in Südeuropa in diesem Jahr, die in Italien zu mehr Hitzetoten geführt habe als in der Vergangenheit, auf den Klimawandel zurückzuführen. Hitzeperioden würden auch, so Bein, zu mehr Viruserkrankungen und Nierenversagen besonders bei älteren Menschen führen.

Die Mediziner müssten sich darauf einstellen, dass die veränderten Klimabedingungen einen Dauerstress beim Menschen verursachen könnten, was wiederum zur Schwächung des Immunsystems und damit zum Beispiel zu Hauterkrankungen führen könne. Dass das Gesundheitssystem in Deutschland nur teilweise auf die veränderten Belastungen vorbereitet sei, habe die Corona-Pandemie gezeigt, meint Bein.

"Waren am Limit"

Dies sieht auch Andreas Redel so. Der Chefarzt am Amberger Klinikum war während der Pandemie auch Mitglied des Krisenstabs der Stadt. „Die Pandemie hat unser Gesundheitssystem an seine Grenzen gebracht. Wir haben uns immer nur um die materiellen Ressourcen wie Intensiv-Betten oder Beatmungsgeräte gekümmert, aber nicht um die menschlichen Ressourcen. Diese waren am Limit.“

Klimaaktivist Sinan Türkay und die Grünen-Politikerin Tina Winklmann fordern daher auch einen schnelleren Ausstieg aus der Kohle als das von CDU/CSU und SPD anvisierte Jahr 2038. „Das ist mir zu spät. Wir müssen sofort aussteigen“, sagt Türkay. „Wir müssen endlich Zukunftspolitik machen, wie die Grünen seit langem fordern“, ergänzt Winklmann.

Am Ende der von Günther Edenharter souverän moderierten Diskussionsrunde waren sich alle Teilnehmer darüber einig: Die Gefährdung der Gesundheit durch den Klimawandel müsse in die politischen Entscheidungen der Politik in Zukunft noch viel mehr einfließen.

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