13.01.2021 - 14:24 Uhr
AmbergOberpfalz

Mehr Schnee von gestern

Derzeit herrscht Bilderbuch-Winterwetter: Aber gab es früher wirklich mehr Schnee? Wenn die Großeltern von den Wintern ihrer Kindheit erzählen, gibt es darauf eine klare Antwort. Der Deutsche Wetterdienst kann dazu exakte Angaben liefern.

Schneeberg auf dem Marktplatz in Amberg im Winter 1999. Die Zahl der Schneetage geht immer weiter zurück.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Mit Schneeschuhen zur Schule, auf dem zugefrorenen Weiher schlittschuhfahren, den ganzen Winter über rodeln: Ur- und Großeltern berichten von für Kinderohren herrlich klingenden Zuständen zu den Zeiten, als sie selbst noch Kinder waren. Auch auf größeren Seen wie am Haidweiher bei Penkhof blieb die Eisdecke oft über Wochen hinweg geschlossen. Dort wo es die Hänge zuließen, wie beispielsweise in Etzelwang, Freudenberg oder Schnaittenbach, traf man sich zum Skifahren. In Amberg, obwohl kein typisches Skigebiet, gründete sich sogar ein eigener Verein, die Skivereinigung. Über die Jahre tat man sich aber immer schwerer mit den Wintersportarten in der Region, eben auch weil der Schnee immer weniger wurde.

Belegen können das Zahlen des Deutschen Wetterdienstes, die es auch für die Region gibt. Verglichen wurden die Schneemengen zwischen zwei Zeiträumen 1951 bis 1980 und 1981 bis 2010. Die Meteorologen beobachteten von Norden bis zu Süden einen negativen Trend: Im späteren Zeitraum war seltener eine geschlossene Schneedecke vorhanden, der Schnee schmolz im Schnitt schneller wieder weg, und der Winter war insgesamt kürzer. Die Süddeutsche Zeitung entwickelte auf Basis dieser Daten einen Schnee-Check für einzelne Städte in Bayern. Auch Amberg kommt darin vor: Hier gab es im Durchschnitt in den vergangenen zehn Jahren 34 Tage im Jahr Schnee. Das sind etwa 28 Tage weniger mit Schneedecke als noch im Vergleichszeitraum 1961 bis 1990. Besonders hervor sticht in der Statistik der Winter 2010 mit über 90 Schneetage. Für Sulzbach-Rosenberg zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. In den vergangenen zehn Jahren lag dort im Schnitt an 38 Tagen im Jahr Schnee, das sind 26 Schneetage weniger als noch im früheren Vergleichszeitraum. Der Trend ist in ganz Deutschland ähnlich. Ursache ist die Erderwärmung.

Für die Skivereinigung Amberg stellte der Schneemangel Ende der 80er Jahre ein Problem dar. Während noch in den 50ern eine eigene Sprungschanze am Johannisberg in Freudenberg in Betrieb genommen wurde, musste man 1987 "aufgrund des Schneemangels" eine Laufabteilung gründen, heißt es dazu in der Chronik. "Dazu gab es dann sogar eine Satzungsänderung", sagte Vorsitzende Eveline Süß. Nach Rücksprache mit dem Gründer der Laufsparte, Wolfgang Weigl, sowie dem damaligen Vorsitzenden Richard Lobenhofer zeigte sich, dass der Schneemangel aber nicht der alleinige Grund dafür war, dass es um die Skiabteilung ruhiger geworden war. Wie oftmals in Vereinen üblich fehlten nach einiger Zeit der Nachwuchs und engagierte Trainer. "Es kamen verschiedene Faktoren zusammen. Der Schneemangel kam halt einfach erschwerend hinzu", ergänzte Süß. Auch die Konkurrenz durch andere Anbieter von Skikursen sei gewachsen. "Leider mussten aber in den vergangenen Jahren unsere Vereinsmeisterschaften in Alpin und Langlauf oft wegen Schneemangels ausfallen", sagte Eveline Süß. Heute steht der Verein unter anderem für Skigymnastik. "Das bringt uns immer wieder neue Mitglieder und wird nach wie vor sehr gut angenommen - zumindest war es vor Corona so."

Sicher ist, dass die Region derzeit mitten drin in den Schneetagen ist und viele werden sie nutzen, so lange sie noch andauern. Haben Sie (alte) Schnee-Fotografien aus Amberg oder dem Landkreis Amberg-Sulzbach? Wir freuen uns über Ihre Zuschrift per E-Mail an redaz[at]oberpfalzmedien[dot]de oder Post an Amberger Zeitung, Redaktion, Mühlgasse 2, 92224 Amberg.

Winter im Februar 1991 in Amberg: Ein Räumfahrzeug schiebt auf dem Marktplatz Schneeberge zusammen.

Aus dem Archiv: Skisprungschanze in Freudenberg

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