17.10.2019 - 14:53 Uhr
AmbergOberpfalz

Mehr Sicherheit für Ambergs Synagoge

Das Attentat von Halle bringt eine neue Dimension in die Pläne zur Renovierung der Amberger Synagoge. Rabbiner Elias Dray ist bezüglich des Umbaus in Kontakt mit dem Zentralrat der Juden. Eine Sicherheitsschleuse muss her.

Die CSU-Fraktion informierte sich über die geplante Renovierung in der Synagoge mit Rabbiner Elias Dray (links) und OB Michael Cerny.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Zusätzlich wird das Gebäude in der Salzgasse mit schusssicheren Fenstern aufgerüstet. Über den Umbau informierte sich die CSU-Fraktion am Mittwochabend in der Israelitischen Kultusgemeinde. Eine Rückschau auf den Terrorangriff war unvermeidlich.

Der offene Brief des Rabbiners

Amberg

"Wir hatten Jom Kippur auch in Amberg", sagte Dray. "In diesem Fall war es so, dass zehn Freunde von mir in Halle waren. Und in gewisser Weise bekommt es eine andere Dimension, wenn man so etwas in Deutschland hat und die Leute auch noch kennt." In einem offenen Brief an Innenminister Joachim Hermann (CSU) hatte er beklagt, die Polizei habe die Synagoge an diesem Tag in Amberg nicht ausreichend geschützt. Daraufhin habe es Gespräche mit dem Polizeipräsidium Oberpfalz gegeben. "Es tut ihnen leid und sie können verstehen, dass es wichtig ist."

Auch Oberbürgermeister Michael Cerny äußerte seine Betroffenheit: "Jeder von uns war mehr als entsetzt von den Ereignissen in Halle." Und er verdeutlichte die Bemühungen um Sicherheit bei der Ausübung des Glaubens mit einem Gedankenspiel: "Man stelle sich vor, wir würden in St. Martin eine Sicherheitsschleuse einbauen müssen."

Synagoge unter Denkmalschutz

CSU-Fraktion vor Ort: Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg

Grundsätzlich geht es bei der Renovierung der Synagoge in der Salzgasse natürlich um weit mehr als die reine Sicherheit. Es ist ein spätbarockes Gebäude, das seit 1896 als jüdisches Gebetshaus genutzt wird. Es steht unter Denkmalschutz und brannte nicht in der Reichspogromnacht. Die geplanten nächsten Schritte stellte Architekt Peter Wagner aus Hahnbach vor. Die Renovierung umfasst eine rekonstruierende Fassadenerneuerung, die Rundumerneuerung des Gebetshauses und mehrere Umbauten in dem als Gemeindehaus genutzt Teil. Doch nicht nur das Innere soll auf einen aktuellen Stand gebracht werden, auch die Außenanlagen müssen auf Vordermann werden, dazu gehört auch eine Laube, die anlässlich des Laubhüttenfestes genutzt wird.

Der Architekt schätzt die Gesamtkosten auf rund 800 000 Euro. Davon sind bereits 50 Prozent durch Förderung gedeckt, hinzu kommen Töpfe aus dem Bezirk, der Regierung der Oberpfalz und etwaige Mittel der Stadt. Hier hoffte Dray auf die Zusage von 100 000 Euro, die ihm die Stadträte nicht spontan geben konnten. Fraktionsvorsitzender Dieter Mußemann versprach, das Thema mit in die Klausursitzung zu nehmen. Für das Fassadenprogramm wären zunächst rund 30 000 Euro drin, so Mußemann. "Aber wir finden Wege, wie wir helfen könenn", sagte Cerny.

Für die 130 Mitglieder zählende Kultusgemeinde wirft ein überregional bedeutendes Ereignis schon jetzt ihre Schatten voraus: 2021 wird "1700 Jahre jüdisches Leben" gefeiert. Zu diesem Zweck soll die älteste koschere Thorarolle Süddeutschlands in Amberg ausgestellt werden.

Reaktion:

Cerny: Ein Angriff auf die Demokratie

„Wir sind tief erschüttert und stehen voll und ganz hinter unseren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern.“ Dieses Bekenntnis legte Oberbürgermeister Michael Cerny gegenüber der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg und ihrem Rabbiner Elias Dray ab. Zum großen Bedauern Cernys lässt sich bereits seit einiger Zeit eine Zunahme an diskriminierenden Äußerungen und Vorfällen feststellen, denen die Anhänger des jüdischen Glaubens ausgesetzt sind. Eine Entwicklung, die für den Oberbürgermeister zu großer Sorge Anlass gibt und es dringend erforderlich macht, sich an die Seite der jüdischen Mitbürger zu stellen und sich mit ihnen zu solidarisieren.

„Antisemitismus ist menschenverachtend und ein Angriff auf die Grundsätze unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung“, betonte er und versprach Elias Dray, alles ihm Mögliche zu tun, um gegen die Anfeindungen und Übergriffe vorzugehen und sich für den Schutz der Mitglieder der jüdischen Gemeinde einzusetzen. Dankenswerterweise sei Amberg bislang weitestgehend von gewaltsamen Handlungen verschont geblieben. „Und ich hoffe sehr, dass dies auch in Zukunft so bleibt.“

CSU-Fraktion vor Ort: Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg mit Rabbiner Elias Dray (links) und Architekt Peter Wagner.

Pressekonferenz zur Sanierung der Synagoge

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