10.10.2019 - 13:26 Uhr
AmbergOberpfalz

Nach Terror in Halle: Sorge auch in der jüdischen Gemeinde in Amberg

Mit Bestürzung und Mitgefühl reagierten die Mitglieder der israelitischen Kulturgemeinde auf den Terroranschlag in Halle. Die Geschehnisse werfen auch in Amberg Fragen nach dem Schutz auf.

In Amberg ist die Sorge nach dem rechtsextremistisch motivierten Terroranschlag auf eine Synagoge groß. Rabbiner Elias Dray hat einen offenen Brief an den bayerischen Innenminister geschrieben.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

"Wir sind sehr bestürzt über das was passiert ist", sagte der Rabbiner der israelitischen Kulturgemeinde Amberg, Elias Dray, über die Terror-Attacke in Halle am Donnerstagvormittag. Die Menschen in der jüdischen Gemeinde in Amberg seien schockiert und die Angst vor einem Anschlag sei größer als zuvor. Vor allem weil der Polizeischutz in Amberg, ausgerechnet am Tag des Anschlags, nicht so funktionierte, wie sich Dray das vorgestellt hat: "Die üblichen Sicherheitsvorgänge haben gestern nicht optimal funktioniert", blickt Dray zurück.

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Normalerweise ist an hohen jüdischen Feiertagen Polizei vor der Gemeinde postiert, wie das Polizeipräsidium Oberpfalz auf Nachfrage bestätigt. Am Mittwoch - dem höchsten jüdischen Feiertag und dem Tag des Anschlags in Halle - soll es zu Fehlzeiten, vor allem während des Morgengebets, gekommen sein. "Für uns war es eine heikle Situation, die uns zeigt, wie wichtig es ist, dass der Schutz an Feiertagen gewährleistet sein muss." Dray sprach von einem internen Fehler der Polizei, der in Zukunft nicht mehr passieren dürfe. "Es müssen noch viele Gespräche geführt und die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt werden", erklärte der Rabbiner gegenüber Oberpfalz-Medien.

Der Rabbiner hat am Donnerstag einen offenen Brief an den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU) geschrieben, in dem es heißt: "Wir wollen nicht warten bis es einen Terroranschlag mit Todesopfern bei uns in der Gemeinde gibt". Der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberpfalz war allerdings nicht klar, was den Unmut in Amberg verursacht hatte: "Wir waren vor Ort. Wo es gezwickt hat, muss sich in Gesprächen erst noch herausstellen. Wir werden auf jeden Fall Kontakt aufnehmen", sagte Florian Beck, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz. Grundsätzlich passe die Polizei ihre Maßnahmen an die aktuelle Gefährdungslage an. Seit Bekanntwerden des Vorfalls in Halle seien auch die Schutzmaßnahmen für die jüdischen Gemeinden in der Oberpfalz verstärkt worden.

Info:

Der offene Brief im Wortlaut

Sehr geehrter Herr Innenminister Herrmann,

wir sind sehr bestürzt über die Ereignisse in Halle und unsere Gebete sind mit den Hinterbliebenen der Opfer des Terroranschlages. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass an Jom Kippur, gegen die ausdrückliche Zusage es zu gegebenen Zeiten, am (8.10.2019 in den Zeiten 18:20-19:30 Uhr beim Abendgebet und am Morgengebet 09:00 Uhr-13:00 Uhr) keinen Polizeiposten gab. Nur nach einem Anruf unsererseits wurde dann am Nachmittag eine Polizeistreife geschickt.

Wir bitten Sie sich einzusetzen, dass die Sicherheitsvorkehrungen von der Polizei Amberg ernst genommen werden. Wir wollen nicht warten bis es einen Terroranschlag mit Todesopfern bei uns in der Gemeinde gibt. Ich stehe gerne für Gespräche zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Elias Dray

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