Amberg
13.02.2019 - 08:51 Uhr

Milde Strafen für schweren Raub

Bauchlandung für Staatsanwaltschaft und Erfolg für die Verteidiger: Es gibt milde Strafen für drei syrische Asylbewerber, die in Amberg einen Landsmann überfallen und beraubt haben.

Symbolbild Bild: Markus Scholz/dpa
Symbolbild

Vier Prozesstage vor der Großen Jugendstrafkammer des Landgerichts: Sie haben tiefe Einblicke in die kriminellen Machenschaften von Syrern ermöglicht, die offenbar in ganz Deutschland größere Geldbeträge bei Landsleuten einsammeln, um sie dann auf verworrenen Wegen und mit eigenem Gewinn nach Arabien zu transferieren. Zu welchen Zwecken? Woher stammen die Beträge, die nach Darlegung eines Zeugen "in Millionenhöhe" nach Syrien fließen? In dem Verfahren, das geprägt war von den erkennbaren Lügen syrischer Geldeintreiber, blieben viele Fragen offen.

Drei Asylbewerber saßen auf der Anklagebank. Gerade einmal 21, 22 und 24 Jahre alt. Sie waren von einem Auftraggeber von Oberbayern aus nach Amberg geschickt worden, um bei einem 28 Jahre alten syrischen Landsmann im vergangenen Jahr Geld abzuholen. Bis zu 200 000 Euro sollten sie beim Anstifter abliefern. Beizutreiben notfalls mit Gewalt.

Bei dem Opfer handelte es sich um einen quasi als Unterverwalter eingesetzten Finanzmittelbeschaffer. Der Familienvater, mit Frau und Kindern am westlichen Stadtrand ansässig und von deutscher Unterstützung lebend, hatte wohl größere Summen in die eigene Tasche gewirtschaftet. Das mochten die Bosse nicht dulden. Sie schickten ein, wie es die Staatsanwältin nannte, "Rollkommando".

"Keine illegalen Geschäfte"

Die drei jungen Syrer rückten an und taten wie ihnen geheißen. Sie stürmten nachts mit Messern in die Wohnung, drohten, schlugen zu und wollten viel Geld. Das gestanden sie und ließen im Prozessverlauf wissen, dass letztlich nur 1050 Euro vorhanden gewesen seien. Bevor sie damit türmen konnten, kam die Polizei.

Viele Zeugen, eine Mauer des Schweigens und gelegentlich faustdicke Lügen: zum Beispiel aus dem Mund des Überfallenen. Der 28-Jährige beschwor, nie etwas mit illegalen Geldgeschäften zu tun gehabt zu haben. Eine glatte Lüge. Gegen ihn wird wohl nun ein Verfahren wegen Meineids eingeleitet.

Ähnlich zweifelhaft äußerte sich der in Franken lebende Anstifter zu dem Verbrechen. Er, der mutmaßlich eine tragende Rolle in dem kriminellen Gefüge spielt, hatte mitgeteilt, die drei jungen Männer niemals nach Amberg zum Geldeintreiben geschickt zu haben. Auch er konnte unbehelligt gehen. Staatsanwältin Jennifer Jäger hielt den gewaltsamen Übergriff für erwiesen. Sie sprach in ihrem Plädoyer von schwerem Raub, versuchter schwerer Nötigung und Freiheitsberaubung. Dafür verlangte sie Haftstrafen von vier, fünf und sechs Jahren für die Angeklagten. Doch damit stieß sie bei der Jugendkammer voll ins Leere, wie sich zeigen sollte.

Erfolg für Anwälte

Die Verteidiger Jörg Jendricke, Reinhard Zinkl und Andreas Lösche hielten weitaus niedrigere Ahndungen für angemessen. Sie brachten die Tatbestände des Diebstahls, der Nötigung und der Körperverletzung ins Spiel. Ein schweres Raubverbrechen, so waren sie sich einig, sei das nicht gewesen. Zumindest diese Auffassung teilten die Richter nicht. Sie gingen in ihrer strafrechtlichen Bewertung von schwerem Raub, Nötigung und Freiheitsberaubung aus. Allerdings in einer Art minderschwerem Fall.

Die vom Vorsitzenden Richter Harald Riedl verkündeten Urteile lauteten auf zweieinhalb Jahre Haft bei zwei Tätern. Der dritte bekam zwei Jahre und drei Monate. Ein Erfolg für die Anwälte und eine krachende Niederlage für die Staatsanwaltschaft.

Sie muss sich nun überlegen, ob Revision eingelegt wird. In eine Drogenentzugstherapie muss keiner der Syrer. Auch das war in dem Verfahren zur Debatte gestanden. Die jungen Männer nahmen das mit einem Grinsen zur Kenntnis.

Amberg15.01.2019
 
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