Amberg
01.02.2021 - 13:55 Uhr

Missbrauchsprozess vor dem Amberger Schöffengericht

Er sitzt wie versteinert auf der Anklagebank und sagt: "Ich kann mir das alles im Nachhinein nicht erklären." Die Amberger Justiz hat den 55-Jährigen geholt, weil er ein Kind sexuell missbrauchte.

Ein Prozess gegen einen 55-Jährigen wegen Kindesmissbrauchs endete vor dem Amberger Schöffengericht für den Angeklagten in einer Bewährungsstrafe. Bild: Volker Hartmann/dpa
Ein Prozess gegen einen 55-Jährigen wegen Kindesmissbrauchs endete vor dem Amberger Schöffengericht für den Angeklagten in einer Bewährungsstrafe.

Der Prozess vor dem Amberger Schöffengericht begann mit einem Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen. Als sie sich wieder öffneten, wurde deutlich: Die Richter hatten auf ein lückenloses Geständnis bestanden, um dem Opfer nach Vernehmungen bei der Polizei eine weitere Aussage zu ersparen. Dafür wurde dem Beschuldigten, der zuvor nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, eine zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe zwischen eineinhalb und zwei Jahren zugesichert.

Über seinen Anwalt Patrick Schmidt (Nürnberg) ließ der 55-Jährige eine Erklärung abgeben. Darin wurden drei Fälle des Kindesmissbrauchs zugegeben. Versehen war das mit einem Satz des Angeklagten. "Ich kann mir das alles im Nachhinein nicht erklären", erfuhren die Richter und vernahmen weiter, dass da ein Mann mit abgeschlossenem Hochschulstudium vor ihnen saß, der wohl auch - doch das wurde nur angedeutet - das familiäre Umfeld verlor, als seine Verfehlungen ruchbar wurden.

Was Staatsanwältin Barbara Tutsch dem 55-Jährigen zur Last legte, geschah 2018 im nördlichen Kreis Amberg-Sulzbach. Der Mann sollte damals immer mal wieder auf eine Freundin seiner Tochter aufpassen. Das tat er dann auch. Allerdings in einer Weise, die später zu umfangreichen Ermittlungen der Amberger Kriminalpolizei führten.

Die Eltern des Opfers hatten Anzeige erstattet und damit Nachforschungen in Gang gebracht. Dabei stellte sich heraus: Die damals zehnjährige Schülerin sah sich mehrfach sexuellen Übergriffen des 55-Jährigen ausgesetzt. Zwei Mal wurde der Mann in einer ihm gehörenden Werkstatt zudringlich, ein weiteres Mal geschahen die Übergriffe bei einem Spaziergang.

Der Prozess dauerte nur eineinhalb Stunden. Staatsanwältin Tutsch verlangte in ihrem Schlussvortrag ein Jahr und zehn Monate Haft mit Bewährung und kreidete dem 55-Jährigen an: "Sie haben Ihre Betreuungsfunktion missbraucht, um sich an dem Kind zu vergehen."

Verteidiger Schmidt führte das lückenlose Geständnis seines Mandanten ins Feld und empfahl dem unter Vorsitz von Kathrin Rieger tagenden Schöffengericht: "18 Monate mit Bewährung reichen aus." Das Urteil lag genau in der Mitte beider gestellten Strafanträge. Der 55-Jährige bekam ein Jahr und acht Monate Gefängnis, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Er muss außerdem 3000 Euro an den Amberger Kinderschutzbund bezahlen. 4000 Euro hatte er zuvor schon quasi als Schmerzensgeld an das Opfer seiner sexuellen Übergriffe entrichtet. Im Prozess hatte sich das Mädchen durch Anwältin Selina Riemer als Nebenklägerin vertreten lassen.

Amberg28.12.2020
 
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