28.06.2021 - 12:07 Uhr
AmbergOberpfalz

Moderne Architektur in der Oberpfalz: "Schönheit im Alltag"

Auch wenn viele Neubaugebiete einen anderen Eindruck vermitteln – innovatives, ästhetisches Bauen ist kein Hexenwerk. Der vierte Band der viel beachteten Reihe „Aktuelle Architektur der Oberpfalz“ aus dem Büro Wilhelm Verlag gibt Beispiele.

Schöner Arbeiten im Amt für Ländliche Entwicklung in Tirschenreuth.
von Anke SchäferProfil

Schon der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Walter Höllerer wusste: "Provinz ist eine Möglichkeit". Dieser Satz bewahrheitet sich auch bei moderner Baukunst, mit der die Oberpfalz sich längst über die regionalen Grenzen sehen lassen kann. Und es sind bei weitem nicht nur Villen, die zum Renommee beitragen.

Insgesamt 69 Bauvorhaben vom Wohnen in der historischen Scheune in Kemnath (Kreis Tirschenreuth) bis zum Jüdischen Gemeindezentrum mit Synagoge in Regensburg, von der Städtischen Wirtschaftsschule Friedrich Arnold in Amberg bis zum Amt für Ländliche Entwicklung in Tirschenreuth oder gar Bienenbeuten in Neusath-Perschen haben die siebenköpfige Fach-Jury überzeugt und Eingang in die mittlerweile bereits zweite, erweiterte Auflage gefunden.

Ein Erfolg für den Amberger Büro Wilhelm Verlag, der sich aber nicht nur mit Architektur-Büchern einen hervorragenden Namen gemacht hat und sich ganz aktuell über den Deutschen Verlagspreis 2021 freut. Damit findet laut Ausschreibung das überzeugende Verlagsprogramm ebenso Würdigung wie das kulturelle Engagement, die Umsetzung innovativer Projekte und die außerordentlich hohe Qualität der verlegerischen Arbeit.

"Ein Gesamtkunstwerk"

Einer der drei Verleger ist Wilhelm Koch, der Amberg und Etsdorf auch zu Luft- und Tempel-Museum verhalf. Koch ist darüber hinaus schon seit Studententagen ein wahrer Architektur-Begeisterter: "Architektur bringt Schönheit in den Alltag, eine gute Architektur ist ein Gesamtkunstwerk", konstatiert er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

Dem ist nur zuzustimmen, wenn man den Blick durch das passend zu den abgebildeten Objekten geradlinig, schlicht, aber effektvoll konzipierte Buch schweifen lässt. Trotzdem macht der Verleger sich nichts vor, was die tatsächlichen Gegebenheiten betrifft: "Manchmal muss man stundenlang fahren, bis man ein schönes Haus findet".

Nicht zwingend teurer

Dabei ist ein durchdacht geplantes, innovatives und ästhetisch ansprechendes Gebäude nicht zwingend teurer als so mancher Nullacht-fünfzehn- oder Protzbau. Dass eine gute Architektin oder ein guter Architekt natürlich kosten, liegt auf der Hand. Aber dieses Geld ist in jedem Fall gut angelegt, sehen und beachten Fachleute doch von vornherein vieles, was sich andernfalls später als - mitunter teures - Problem entpuppen könnte.

Dass aber zu kurz greift, wer beim Thema nur das Häuschen im Grünen vor Augen hat, zeigt das Buch eindrucksvoll. Und neu muss es auch nicht zwingend sein: Eine umsichtige Revitalisierung wie die der Burganlage Falkenberg durch Brückner & Brückner Architekten oder der behutsame Umbau des ehemaligen Offiziers-Casinos in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg durch Juretzka Architekten beweist, was weit darüber hinaus alles möglich ist.

Sogar Lernen und Arbeiten kann in einem gut gestalteten Umfeld nur gewinnen, wie sich etwa am Beispiel der generalsanierten Ganztagsschule Napoleonstein in Regensburg (Gutthan HIW Architekten) oder dem Verwaltungsgebäude Fit AG in Lupburg (Berschneider + Berschneider) manifestiert. Vom weit über die Oberpfalz hinausgehenden Aufsehen gar nicht zu reden, das Peter Haimerls kühnes wie spektakuläres Konzerthaus Blaibach erregt.

Bauen ein Zukunftsthema

Die im Buch präsentierte Auswahl bildet im Übrigen nur einen winzigen Teil des Schaffens der Architektinnen und Architekten ab. So hat jeder Teilnehmer im Vorfeld bis zu vier Bauvorhaben zur Begutachtung eingereicht. Und auch Wilhelm Koch sieht sich mit dem vierten Architektur-Band längst noch nicht am Ende der Fahnenstange: "Das Thema Bauen ist eines, das die Menschen am meisten betrifft. Und es wird in Zukunft vielleicht sogar noch wichtiger werden".

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Schickes Designer-Heim statt schnödem Holzkasten: Auch Bienenbeuten wie hier im Oberpfälzer Freilandmuseum eignen sich als Architektur-Objekte.
Der behutsame Umbau des ehemaligen Offiziers-Casinos in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg zählt zu den gelungenen Architekturen der Oberpfalz.
Buchcover
Hintergrund:

Buch und Wanderausstellung zum Thema

  • Das Buch „Aktuelle Architektur der Oberpfalz – Band IV“, 216 Seiten, ist erschienen im Büro Wilhelm Verlag, 22,80 Euro
  • Wanderausstellung „Aktuelle Architektur der Oberpfalz“ vom 3. bis 23. Juli im Haus des Gastes in Bad Kötzting
  • Büro Wilhelm Verlag, Amberg, hat die Schwerpunkte Kunst, Fotografie und Literatur
  • Mehrfach ausgezeichnet: Bayerischer Kleinverlagspreis 2018, Deutscher Fotobuchpreis 2019/2020 und Deutscher Verlagspreis 2021
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