23.06.2020 - 16:23 Uhr
AmbergOberpfalz

Mußemann fürchtet Stückwerk beim Radweg

Wenn der Oberpfälzer etwas schnell und ziemlich schlampig macht, dieses Provisorium aber längere Zeit Bestand hat, redet er gerne mal von einer Bawerlatschn. Über so eine Bawerlatschn, die eigentlich ein Radweg ist, diskutiert der Stadtrat.

Dieser Radweg entlang der Regensburger Straße muss wegen der Baumaßnahme verbreitert werden. Im Stadtrat entwickelte sich wegen dieser Tatsache am Montagabend eine lebhafte Diskussion.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Die Sachlage an sich ist relativ unspektakulär: Im Zuge der Baumaßnahme hinter der Tankstelle in der Regensburger Straße und entlang der Nordgaustraße muss der Bebauungsplan noch einmal abgeändert werden. Wegen der geringen Sichtweiten an dieser Stelle, so fordert es das Staatliche Straßenbauamt, ist der Fahrradweg entlang der Regensburger Straße hier ein potenzieller Gefahrenherd und damit entsprechend auszuweiten - von 2,50 auf 3,40 Meter.

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Das Problem dabei: Die im Bebauungsplan eingezeichnete und vom Bauherrn entsprechend zu bedienende Strecke des Radwegs ist nicht einmal 100 Meter lang. Nun befürchtete am Montagabend in der Stadtratssitzung Dieter Mußemann (CSU), dass die Verbreiterung des Radwegs exakt diese Strecke betreffen wird. Vorher und danach aber werde dann wieder die alte Breite vorhanden sein, mutmaßte er: "Ich weigere mich, Fragmenten eines Radwegs zuzustimmen", sagte er und vermutete wohl, es werde an dieser Kreuzung zu einer der gefürchteten Bawerlatschn kommen.

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"Die Vorgaben des Radverkehrskonzepts sehen die Planung auch über die Kreuzung hinweg vor", argumentierte Mußemann. Er fürchtete entstehendes Stückwerk mit langer Haltbarkeit. Baureferent Markus Kühne beruhigte ihn dahingehend, dass es sich bei dem konkreten Fall ja nur um den Bereich handle, für den mit dem Bauherrn nebenan ein städtebaulicher Vertrag zu schließen sei. Doch zufriedenstellen konnte er Dieter Mußemann damit nicht.

"Wir bauen da eine Gefahrenstelle ein", wies er wiederholt auf die nur stellenweise vorgesehene Verbreiterung des Radwegs hin. Aber das sei halt die Eigenheit so eines Bebauungsplans, dass er räumlich begrenzt ist, versuchten Baureferent und Oberbürgermeister auf Dieter Mußemann einzureden. Der beharrte auf einer durchgehenden Radwegsplanung ohne Stückwerk. Unterstützung erfuhr er von Hans-Jürgen Bumes (Grüne): "Wenn das eine Autostraße wäre, würden wir das gar nicht diskutieren", sagte er und forderte zusätzlich eine farbliche Abmarkierung des Radwegs.

Letztendlich stimmte der Stadtrat für einen Zusatz zum eigentlichen Entschluss, der den Forderungen von Mußemann und Bumes gerecht werden soll.

Kommentar:

Stückwerk wäre fatales Signal

Natürlich könnte man Stadtrat Dieter Mußemann in Sachen Radweg an der Regensburger Straße der Tüpferlscheißerei bezichtigen, um einen anderen Oberpfälzer Begriff zu bringen. Doch im Prinzip hat er durchaus Recht, wenn er das Thema anspricht. Denn noch immer gilt bei Planungen in Amberg und auch anderswo: Erst kommt das Auto, dann kommt lange nichts und dann vielleicht irgendwann das Fahrrad und der Fußgänger.
Ganz anders aber sieht es das Radverkehrskonzept, das noch der alte Stadtrat beschlossen hat, hinter dem aber neue gleichermaßen steht: Das Fahrrad soll als Hauptverkehrsmittel in der Stadt und dem näheren Umland deutlich größere Bedeutung bekommen, um letztendlich das immer noch größtenteils CO2-produzierende Auto zurückzudrängen. Um das zu erreichen, sieht das Radverkehrskonzept die Schaffung von einer Art Fahrradmagistrale vor, die sich quer durch die Stadt ziehen und auf denen Arbeitnehmer, Freizeitsportler und Schulkinder schnell und sicher an ihr Ziel kommen. Flickwerk an der falschen Stelle wäre hier tatsächlich ein fatales Signal.

Andreas Ascherl

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Ulrich Kreillinger

Die Planung und Anlegung von funktionsfähigen Radwegen gewinnt in den Städten immer mehr an Bedeutung. Die modernen Verkehrkonzepte konzentrieren sich in zunehmenden Maße an einer Reduzierung des Autoverkehrs und einer Stärkung des Fahrradverkehrs, was sich in Corona-Zeiten augenfällig in vielen Bereichen zeigt. Diese Entwickung ist nicht aufzuhalten und wird sich eher noch verstärken. Wer da nicht entschlossen dabei ist, wird abgehängt. Notwendig sind gut ausgebaute, vernetzte Radwege, die für Radfahrer eine gefahrlose Benutzung darstellen. Lediglich punktuelle Lösungen führen nicht weiter, sondern allenfalls in die fahrradmäßige Sackgasse.

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