24.07.2020 - 18:59 Uhr
AmbergOberpfalz

Nachfolger für Alois Karl gibt es nicht so schnell

Amtsmüdigkeit war es nicht, was den CSU-Abgeordneten Alois Karl zu dem Entschluss brachte, bei der Wahl 2021 nicht mehr für den Bundestag zu kandidieren. Eher eine Art Überlegungs- und Reifungsprozess.

Alois Karl, CSU.
von Markus Müller Kontakt Profil

Alois Karl (69) war Oberbürgermeister in Neumarkt, ehe er sich 2005 entschied, ein Mandat im Bundestag anzustreben. Seither vertrat er den Wahlkreis Amberg/Amberg-Sulzbach/Neumarkt als direkt gewählter Abgeordneter. Damit ist im nächsten Jahr Schluss, schenkte Karl am Donnerstag seinen Parteifreunden bei der Bundeswahlkreiskonferenz der CSU in Kastl reinen Wein ein. Zuvor hatte er sich auf Mediennachfragen in dieser Angelegenheit nicht eindeutig festgelegt.

Noch im Juni wollte Alois Karl eine erneute Kandidatur nicht ausschließen

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„Einige waren etwas überrascht“, beschrieb Karl am Freitag gegenüber der AZ die Reaktionen in Kastl. Aber natürlich muss man bei jemand, der heuer noch 70 wird, mit so einer Entscheidung rechnen. Er habe sie den Vorsitzenden der betroffenen CSU-Verbände gleichzeitig und gemeinschaftlich mitteilen wollen, sagte Karl zur Wahl seines Vorgehens. Für ihn bedeutet sie spätestens ab dem nächsten Jahr mehr Freiheit und Freizeit, mehr gemeinsame Zeit mit der Familie und den Enkeln. Darauf freue er sich schon.

"Viele tüchtige Leute"

Die drei Kreisverbände hätten jetzt Gelegenheit, sich zu sortieren, sagt Karl. Sie müssen sich über seinen Nachfolger als Bundestagskandidat der CSU Gedanken machen. „Wir haben viele tüchtige Leute“, sieht der Noch-Abgeordnete kein Problem, den Richtigen zu finden. Dass das zu einer unerquicklichen Frontstellung zwischen den Neumarktern und den Christsozialen aus dem Amberg-Sulzbacher Raum führt, glaubt Karl nicht. Er als Neumarkter habe sehr viel Zeit in Amberg-Sulzbach verbracht, „und das haben die Leute dort auch honoriert“. Diesen guten Rat könne er jedem Nachfolger geben: keinen Raum bevorzugen.

Wie Alois Karl seine Entscheidung kundtat

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Wobei die Bundeswahlkreis-Delegiertenversammlung, die (wohl frühestens Anfang 2021) über den Direktkandidaten der CSU entscheidet, ein Neumarkter Übergewicht hat. Die den Kreisverbänden zustehenden Delegierten richten sich nämlich nach den Zweitstimmen bei der letzten Bundestagswahl. Das bedeutet: Neumarkt stellt 83, Amberg-Sulzbach 59 und Amberg 18 der insgesamt 160 Abstimmenden.

Ihre personelle Zusammensetzung ist durch die Auswirkungen der Coronakrise noch unklar. Die Ortsverbände konnten bisher nicht nominieren. „Außerdem herrscht auch noch keine finale Klarheit über die Wahlkreise“, sagt Patrick Fröhlich. Der Sulzbach-Rosenberger, Vorsitzender der Bundeswahlkreiskonferenz Amberg/Amberg-Sulzbach/Neumarkt, spielt damit auf die Diskussionen um die Wahlrechtsreform für den Bundestag an. Sie könnte immer noch zu einem veränderten Zuschnitt der Wahlkreise bereits 2021 führen. „Und das muss ich erst abwarten. Vorher darf ich gar nicht einladen.“

Fröhlich leitete am Donnerstag auch das Treffen in Kastl. Da seien bewusst keine Namen möglicher Karl-Nachfolger genannt worden, sagt er. „Mit ist es wichtig, dass der Abstimmungsprozess maximal kollegial abläuft.“ Man werde sich dazu intern zusammensetzen.

Mögliche Nachfolger

Natürlich werden aber schon Namen gehandelt, und in einer Zeit, in der Parteivorsitzender Markus Söder eine jüngere und weiblichere CSU will, verwundert die Zusammensetzung der Gruppe, der man Ambitionen nachsagt, nicht. Michaela Frauendorfer, die Amberger Kreisvorsitzende, soll nach Informationen aus dem Umfeld von Alois Karl dabei sein, ebenso die Bezirksvorsitzende der Frauenunion, Barbara Gerl, deren Vater Hermann Fellner bereits im Bundestag saß. Der Kastler Andreas Otterbein wird genannt, Vorsitzender des CSU-Arbeitskreises Außen- und Sicherheitspolitik (ASP) in Amberg-Sulzbach, ferner der stellvertretende Landrat und Kastler Bürgermeister Stefan Braun sowie der stellvertretende Amberg-Sulzbacher CSU-Kreisvorsitzende Patrick Fröhlich. Im Landkreis Neumarkt gilt CSU-Kreisvorsitzende Susanne Hierl als mögliche Kandidatin.

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