Amberg
06.05.2021 - 16:58 Uhr

Neue Dienstausweise für die Amberger Polizei

Welcher Bürger weiß schon, ob ihm ein echter Polizei-Ausweis gezeigt wird? Ambergs Polizei-Sprecher Achim Kuchenbecker präsentiert ein Musterexemplar – weiß-blau, im Scheckkartenformat. Und ganz neu.

Achim Kuchenbecker, der Pressesprecher der Polizeiinspektion Amberg, zeigt ein Musterexemplar des neuen Dienstausweises der bayerischen Polizei. Auch die Amberger Beamten haben ihn inzwischen bekommen. Bild: Wolfgang Steinbacher
Achim Kuchenbecker, der Pressesprecher der Polizeiinspektion Amberg, zeigt ein Musterexemplar des neuen Dienstausweises der bayerischen Polizei. Auch die Amberger Beamten haben ihn inzwischen bekommen.

Die Einführung neuer Dienstausweise für die Polizei in Bayern nimmt die Amberger Inspektion zum Anlass, um der Öffentlichkeit detailliert zu zeigen, woran man als Laie einen echten Polizei-Ausweis erkennen kann. Auch wenn der im Fernseh-Krimi oft gezückt wird: Im echten Leben wird man so einen Dienstausweis als Bürger eher selten zu sehen bekommen. Ambergs Polizeisprecher Achim Kuchenbecker muss kurz überlegen. "Ich glaube, ich bin noch nie danach gefragt worden." Das muss man in der Regel aber auch nicht, denn normalerweise zeigen Uniform und Polizeifahrzeug schon deutlich, mit wem man es zu tun hat.

Sulzbach-Rosenberg02.03.2021

Trotzdem gibt es einen guten Grund, warum Kuchenbecker den neuen Ausweis ganz offiziell der Öffentlichkeit präsentiert: "Das Phänomen der falschen Polizeibeamten." Damit, so sagt der Pressesprecher der Polizeiinspektion (PI) Amberg, hätten er und seine Kollegen häufig zu tun. "Das ist eine fast tagtägliche Betrugs-Masche – und leider auch sehr erfolgreich." Oft nehmen diese Betrüger dabei ganz bewusst ältere Menschen ins Visier: Die Kriminellen melden sich meist oft zuerst telefonisch bei ihren Opfern, nutzen dazu eigene Callcenter und suchen in öffentlich zugänglichen Telefonbüchern gezielt nach Menschen mit "alt" klingenden Vornamen, um danach bei ihnen als falsche Zivilpolizisten vor der Tür zu stehen, einen gefälschten Polizei-Ausweis zu zücken, um dann unter einem Vorwand nach Geld oder Wertgegenständen zu fragen. Das, betont Kuchenbecker, ganz klar, "würde die Polizei nie tun".

Der Neue ist fälschungssicher

Tatsächlich seien die alten Dienstausweise nicht sehr fälschungssicher gewesen, sagt Kuchenbecker – und nennt damit einen wichtigen Grund, warum das Dokument jetzt, nach 35 Jahren, ein komplett neues Aussehen bekommen hat. Der alte, grüne Ausweis aus Papier wurde von einem neuen, hellblauen Plastik-Exemplar im Scheckkartenformat abgelöst. Rund 44.000 Beschäftigte der Bayerischen Polizei bekommen solche neuen Ausweise, die Beamten in Amberg haben sie seit dieser Woche. Auch die Verwaltungskräfte der Polizei und Beamte im Ruhestand werden damit ausgestattet.

20 besondere Merkmale machen den neuen Polizeiausweis fälschungssicher, wie Kuchenbecker erklärt. Dazu gehören Hologramm-Bilder, die erst sichtbar werden, wenn man den Ausweis kippt. Ein "Anti-Scan-Muster" sorgt dafür, dass man den Ausweis nicht einscannen kann, ein RFID-Chip ermöglicht die automatische, berührungslose Identifizierung. Ein Vorteil für die Polizeibeamten ist, dass der neue Ausweis kleiner ist und wie eine Schechkkarte gut eingesteckt werden kann. Man kann ihn mit einem Clip auch gut anstecken, wenn dies beispielsweise in einem Sicherheitsbereich erforderlich ist. "Grundsätzlich muss sich ein Polizeibeamter in zivil ausweisen", sagt Kuchenbecker – und kommt damit noch einmal auf das Thema der falschen Polizisten zurück.

Im Zweifelsfall: Polizei anrufen

Wenn jemand an der Tür klingle und behaupte, er sei von der Polizei, sollte man auf jeden Fall nach dem Dienstausweis fragen, legt Kuchenbecker den Bürgern in solchen Situationen ans Herz. Nach der Karte greifen sollte man aber nicht: "Der Dienstausweis verlässt nie die Hand des Polizeibeamten", wie Kuchenbecker betont – "aber man kann ihn sich zeigen lassen". Wer sich unsicher ist, ob er es wirklich mit einem Polizisten zu tun hat und ob ein gezeigte Dienstausweis echt ist, sollte nicht zögern, sofort die Polizei anzurufen, empfiehlt Kuchenbecker. Das könne man über die Telefonnumer der PI Amberg (09621/8900) tun, aber auch über die "110", die viele noch als frühere Notrufnummer kennen. Das sei sie inzwischen nicht mehr, "man darf die 110 auch als Servicenummer verstehen", sagt der Pressesprecher.

Auf dem neuen Ausweis sieht man auf der Vorderseite neben einem Foto des Polizeibeamten auch dessen Dienstgrad und Namen, die Aufschrift "Bayerische Polizei", dazu die Wappen der bayerischen Polizei und des Freistaats. Auf der Rückseite steht als Dienstanschrift die des Polizeipräsidiums. Die Dienstnummer ist dagegen nicht vermerkt, denn die muss der Beamte nicht preisgeben, wie der Pressesprecher erklärt. "Aber nach dem Namen darf man fragen." Unterschrieben ist der Ausweis übrigens nicht.

Im Blickpunkt:

Echte Ausweise für zwei unechte Kommissare

Die Fernseh-Kommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr aus dem Münchener „Tatort“ haben echte Dienstausweise – bislang allerdings die alten, grünen Exemplare. Vor Jahren schon hatten die Macher des Münchener „Tatorts“ die Polizei nach den Ausweisen gefragt, um möglichst nah an der Realität zu sein. Damit kein Unfug mit den Ausweisen getrieben werden kann, werden sie nur zum „Tatort“-Dreh und nur gegen Unterschrift herausgegeben. Nach Drehschluss werden sie wieder eingeschlossen. Ob Batic und Leitmayr jetzt wohl auch neue, weiß-blaue Dienstausweise bekommen?

 
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