02.04.2020 - 16:23 Uhr
AmbergOberpfalz

Neuer Alltag in Seniorenheimen in Amberg-Sulzbach: Technik als Tröster

Seit über zwei Wochen gibt es in bayerischen Seniorenheimen ein Besuchsverbot. Es fehlt außerdem an Personal und Schutzkleidung – aber nicht an guter Laune bei den Bewohnern. Zwei Heimleiterinnen berichten.

Schwestern im Caritas-Seniorenheim St. Barbara in Sulzbach-Rosenberg mit selbstgenähtem Mund-und-Nasen-Schutz einer Maßschneiderei.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Sehnsucht nach Angehörigen und die Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus bestimmen seit dem Besuchsverbot, das Mitte März von der bayerischen Regierung verhängt wurde, den Alltag in Seniorenheimen. Wie hat sich der Alltag in den Einrichtungen im Landkreis verändert und wie geht es den Bewohnern?

Rätselrunden und Bingo-Abend

Im Clementine-von-Wallmenich Haus am Haager Weg in Amberg wurde kürzlich die Tagespflege aus hygienischen Gründen geschlossen. Für Heimleiterin Tatjana Richter bringt das auch Vorteile mit sich: "In der restlichen Pflegeeinrichtung haben wir dadurch viel mehr Personal als sonst, worüber sich auch die Bewohner freuen." Überhaupt sei die Stimmung in den Seniorenheimen nicht so negativ, wie es oft erscheine: "Bingo-Abend, Gymnastik, Rätselrunden – unser Programm ist an sich gleich geblieben. Statt in einer großen Gruppe kommen die Bewohner nun in vielen kleinen Runden zusammen." Es werde eben darauf geachtet, die einzelnen Wohngruppen nicht zu vermischen. Über Videoanrufe können die Bewohner Kontakt zu ihren Angehörigen halten.

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In den beiden ambulant betreuten Wohngemeinschaften entsteht im Moment eine besonders starke Gemeinschaft. "Viele lernen sich dadurch erst richtig kennen und man merkt, wie sich die Bewohner zu einer kleinen Familie entwickeln, die sich gegenseitig stützt." Ein Problem sei allerdings das Beschaffen von Schutzkleidung: "Einfache Mund-und-Nasen-Gesichtsmasken bekommen wir von fleißigen Näherinnen gespendet. Falls sich aber jemand infizieren sollte, kann ich mein Personal nicht ausreichend schützen." Die speziellen FFP2-Atemmasken bekäme das Heim nämlich seit Wochen, auch auf mehrfache Nachfrage bei der Katastrophenbehörde, nicht.

Schutzausrüstung zu Horrorpreisen

Dem Caritas-Seniorenheim St. Barbara in Sulzbach-Rosenberg geht es ähnlich, wie Leiterin Marina Fink erklärt: "Wir kriegen nichts, das ist wirklich katastrophal. Und wenn, dann zu Horrorpreisen. Oft um das zehnfache teurer als normalerweise." Auch sie wären auf selbstgenähten Mund-und-Nasen-Schutz angewiesen. Die Stimmung unter den 131 Bewohnern sei trotzdem gut: "Alle sind sehr verständnisvoll. Einzig für die Menschen mit Demenz ist die Situation schwierig zu verstehen."

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Trotzdem vermissen alle ihre Angehörigen. Auch im Seniorenheim St. Barbara gibt es deshalb seit einigen Tagen die Möglichkeit zum Videoanruf: "Die Bewohner sind im ersten Moment irritiert, aber gewöhnen sich bald daran. Natürlich ist das nicht das gleiche wie ein persönlicher Kontakt, aber zumindest eine Alternative." Auch Geschenke oder Briefe könnten am Empfang abgegeben werden.

Per Videoanruf können die Bewohner im Caritas-Seniorenheim St. Barbara in Sulzbach-Rosenberg Kontakt zu ihren Familien halten.

Viele Krankheitsfälle beim Personal

Obwohl viele Mitarbeiter auch Überstunden machen und auf ihren Urlaub verzichten, muss Fink aktuell krankheitsbedingte Ausfälle beim Personal kompensieren: "Es dürfen ja auch keine Ehrenamtlichen bei uns arbeiten. Die vielen Krankschreibungen der Mitarbeiter im Moment führen schnell zu Problemen. Schließlich brauchen die Bewohner im Moment noch mehr Pflege, Fürsorge und Gespräche als sonst." Es sind oft die kleinen Gesten von außen, die das am Limit arbeitende Personal nicht aufgeben lassen: "Letztens hing eine Tüte mit Schokoeiern und Gebasteltem an unserem Gartenzaun. Das hat uns und die Bewohner wirklich sehr gefreut." Tatjana Richter vom Wallenich-Haus würde sich über ein bisschen Musik freuen: "Wenn ein paar Musiker der Knappschaftskapelle mal in unserem Innenhof spielen würden, dann könnten die Bewohner von den Fenstern aus zuhören."

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