14.10.2021 - 12:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Nora von Collande und Herbert Herrmann, ein Glücksfall - auf der Bühne und im Leben

In „Alles was Sie wollen“ geht es turbulent zu. Ideal für das Komödien-Traumpaar Nora von Collande und Herbert Herrmann. Dass die beiden auch privat perfekt eingespielt sind, wird beim Telefonat vor dem Auftritt in Amberg schnell klar.

Nora von Collande und Herbert Herrmann kommen mit der Zwei-Personen-Komödie "Alles was Sie wollen" nach Amberg.
von Anke SchäferProfil

ONETZ: Frau von Collande, Herr Herrmann, endlich wieder Theater, endlich wieder Tournee – wie hoch ist das Lampenfieber zum Neustart?

Nora von Collande: Das Glücksgefühl überwog. Ich kam gar nicht dazu, Lampenfieber zu haben. Ich war eher glücklich.

Herbert Herrmann: Es war ja so gut probiert. Nervosität höchstens wegen der neuen Technik. Ansonsten eine gesunde Nervosität, kein Lampenfieber.

ONETZ: Eigentlich hätten Sie beide die erzwungene Pandemie-Pause auch als Auftakt zu einem entspannten Dasein als Privatiers nehmen können. War das nie ein Thema?

Nora von Collande: Das ist völlig richtig, das hätten wir tun können. Einen kleinen Vorgeschmack hatten wir ja durch die Pandemie. Wir haben so viel gearbeitet, unser Leben lang, da war die erzwungene Pause etwas völlig Neues. Wir haben endlich mal losgelassen und gemacht, wozu wir sonst nicht gekommen sind. Aber Fortführen war kein Thema. Wir haben so großen Spaß an unserem Beruf und daran, Projekte zusammen zu entwickeln. Nach Paris zu fahren, ein Stück zu entdecken, das dann zu entwickeln – da steckt so viel Liebe, Kreativität und Fantasie drin. Das ist unabhängig vom Alter oder andersherum: Das hält uns jung.

Herbert Herrmann: Nein überhaupt nicht. Wir haben noch so viel vor, wir müssen noch so viel sehen. Das andere kann man machen, wenn man alt ist.

ONETZ: Sie leben und arbeiten seit fast 20 Jahren zusammen. Das halten nur wenige Beziehungen durch – haben Sie ein Rezept fürs Gelingen?

Nora von Collande: Wir arbeiten sogar schon seit 30 Jahren zusammen! Nein, Rezept gibt es keines. Liebe und Respekt stehen an erster Stelle, wir arbeiten gemeinsam, haben gemeinsame Interessen. Es funktioniert einfach.

Herbert Herrmann: Das ist ein Glücksfall, dafür gibt es kein Rezept. Viele Paare brauchen eine Auszeit voneinander, wir nicht – im Gegenteil. Da gab es nie eine Diskussion.

ONETZ: Aber bei der Arbeit könnte es ja schon Reibungspunkte geben.

Nora von Collade: Wie ich schon sagte, Respekt steht an erster Stelle. Wir trennen das komplett vom Privatleben. Das Gute ist, dass wir uns so genau kennen.

ONETZ: Frau von Collande, Theater liegt Ihnen schon von Hause aus im Blut. Hätten Sie sich jemals einen ganz anderen Beruf vorstellen können?

Nora von Collande: Ja. Ich war Schriftstellerin und Autorin und mit meinem ersten Buch ("Turbolenzo", Anmerk.d. Red.) relativ erfolgreich. Der Ullstein Verlag hätte auch ein zweites genommen, aber dafür braucht man Zeit und ich musste mich entscheiden. Dann begegnete ich Herbert und musste mich nicht mehr entscheiden. Als Jugendliche hätte ich mir aber auch etwas Soziales, etwas mit Menschen vorstellen können, ich kann gut zuhören, habe viel Mitgefühl.

ONETZ: Was ist für Sie das Schöne daran, Abend für Abend vor Publikum zu stehen?

Nora von Collande: Es ist einfach toll, mit Herbert Theater zu spielen. Wir liegen gleich, es geht sehr viel mit Präzision, keine Tageslaunen. Es ist schön, wenn ein Projekt aufgeht und man das mit dem Publikum teilt. Das ist ja ein Dialog. Das sind Glücksgefühle.

ONETZ: Und was mögen Sie an der Arbeit fürs Fernsehen?

Nora von Collande: Ich weiß gar nicht, ob mir das so viel Spaß gemacht hat. Das ist ein ganz anderes Handwerk, da ist nichts hängen geblieben.

ONETZ: Herr Herrmann, alljährliche TV-Wiederholungen halten die Erinnerungen wach: Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie bis heute immer noch auf die Erfolgsserie „Ich heirate eine Familie“ angesprochen werden?

Herbert Herrmann: Das ist ja schön. Es zeigt, dass wir gute Arbeit gemacht haben, sonst würden sich die Leute nicht erinnern. Ich habe Glück gehabt und einen guten Regisseur – und wir hatten Zeit gehabt. Heute ist alles zu schnelllebig, der Abspann läuft so schnell, dass man die Namen nicht einmal lesen kann. Das ist Ignoranz gegenüber dem Beruf. Und Peter Weck (Hauptdarsteller und Regisseur, Anmerk. d. Red.) war natürlich eine Koryphäe. Es war jeden Tag eine Freude.

ONETZ: Haben Sie zu irgendeinem Zeitpunkt mal gehadert mit dem doch recht gefestigten Image des Sunnyboys und Charmeurs?

Herbert Herrmann: Das habe ich doch längst abgesagt, das gehört nicht mehr zu meinem Leben. Damals habe ich die Zeit genossen. Ich beherrsche Komödie, ich wollte nie zeigen, dass ich auch ein böses Gesicht machen kann. Ich wollte Spaß haben und vermitteln.

ONETZ: Sie sind im Juni 80 Jahre alt geworden – wie gehen Sie mit so einer Zahl um?

Herbert Herrmann: Am besten, man lebt. Ich zerstöre mir doch nicht mein Leben mit Gedanken darüber, wie es kommt. Ich lebe jetzt. Der Geburtstag selbst war toll, es hat mir gut gefallen, dass sich so viele an mich erinnert haben, auch die Presse im deutschsprachigen Raum. Wir waren in Zürich, haben Emil Steinberger (Schweizer Kabarettist, Anmerk. d. Red.) getroffen und mit ihm den Abend verbracht.

ONETZ: So ein Geburtstag ist natürlich auch Anlass für eine Zwischenbilanz: Worauf sind Sie besonders stolz, worauf eher weniger?

Herbert Herrmann: Stolz bin ich darauf, jeden meiner Berufe, Schriftsetzer, Grafiker, Schauspieler durchgezogen zu haben, mit Leidenschaft. Ich habe viel mehr erreicht als ich wollte. Weniger stolz bin ich auf ein paar private Eskapaden, aber das ist nicht so schlimm.

ONETZ: Lassen Sie uns zum Abschluss ein bisschen vorausblicken: Was ist für die nächsten Jahre geplant? Wird es auch ein Wiedersehen auf dem TV-Bildschirm oder auf Streaming-Plattformen geben?

Herbert Herrmann: Fernsehen eher nicht. Ich denke nämlich nicht daran, noch Castings zu machen. Entweder man kennt mich oder nicht. Da müssten schon Koryphäen kommen, denen ich vertraue. Zum Streaming habe ich überhaupt keinen Zugang, das ist nicht mein Beruf.

Hintergrund:

Zur Person und Gastspiel

  • Nora von Collande, geboren in Berlin, ist die vierte Generation einer Schauspielerdynastie
  • Zu ihren TV-Erfolgen zählen die Serien "Forsthaus Falkenau", "Praxis Bülowbogen" oder "Marienhof", ihr Roman "Turbolenzo" ist 2001 im Ullstein Verlag erschienen
  • Herbert Herrmann, geboren 1941 in Bern/Schweiz, ist unter anderem durch die TV-Serien "Drei sind einer zuviel" mit Jutta Speidel und Thomas Fritsch und "Ich heirate eine Familie" mit Peter Weck und Thekla Carola Wied bekannt
  • Nora von Collande und Herbert Herrmann pendeln zwischen ihren Wohnsitzen in Freiburg, Grindelwald und St. Tropez
  • Die Komödie "Alles was Sie wollen" von Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière, mit Nora von Collande und Herbert Herrmann, Regie Herbert Herrmann, Kostüm Nora von Collande, ist am Samstag, 16. Oktober um 19.30 Uhr im Stadttheater Amberg zu sehen
  • Tickets bei der Tourist-Information Amberg, Tel. 09621/101233
  • es gelten die tagesaktuellen Corona-Bestimmungen und Hygiene-Vorschriften

Late-Night-Format im Stadttheater

Amberg

 

 

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