23.03.2020 - 17:31 Uhr
AmbergOberpfalz

Nummer 116 117 keine Corona-Hotline

Überlastete Hotlines, Labore an der Kapazitätsgrenze: Doch was kann man tun, um bei der Hotline besser durchzukommen? Und wer wird eigentlich auf das Coronavirus getestet? Experten und Mediziner klären auf.

Über 8000 Anrufe bearbeitet die Patienten-Hotline 116117 allein in Bayern derzeit täglich. Trotzdem ärgern sich viele Bürger über die langen Wartezeiten.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Über 8000 Anrufe bearbeitet die Patientenhotline 116 117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes allein in Bayern derzeit täglich. "Dies ist ein um den Faktor 8 bis 10 höheres Aufkommen als gewöhnlich", stellt Axel Heise von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) fest. Rund 500 Disponenten und Beratungsärzte seien derzeit rund um die Uhr, sieben Tage die Woche im Einsatz. Ursprünglich als Hotline für die Vermittlung von Terminen und Bereitschaftsdienst außerhalb der Sprechzeiten gedacht, entwickelt sich die Hotline in Zeiten der Krise zur Informationsquelle für besorgte Bürger. Doch was, wenn dort niemand rangeht?

Patienten-Hotline überlastet

"Bei 30 von 30 Anrufen kam ich nicht durch", erzählt Günter Suttner aus Ammerthal. Auch für Sabine Berft aus Schnaittenbach war die Erfahrung nicht positiv: "Drei Stunden hing ich in der Warteschleife. Als uns dann ein Arzt zurückrufen sollte, hat das ganze drei Tage gedauert." Dr. Andreas Gassner, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung, griff die Problematik bei einer Pressekonferenz der Kassenärtzlichen Bundesvereinigung, kurz KBV, neulich auf: "Wir wissen um die Engpässe und können nur um Geduld bitten. Die Anruferzahl ist in den vergangenen Tagen so in die Höhe geschnellt, damit hat niemand gerechnet." Unter anderem durch die Rekrutierung von Medizinstudenten soll die Überlastung abgemildert werden.

Axel Heise von der KVB rät: "Belastend für die Hotline ist, aus Ungeduld die Wahlwiederholungstaste zu drücken. Das belastet das System und den Anrufer. Wir raten, in der Hotline zu bleiben. Besser sind Randzeiten sehr früh oder spät am Abend." Es riefen zudem viele verunsicherte Bürger an, die diverse Fragen haben, aber nicht unbedingt krank sind: "Die KVB weist daher schon seit Wochen darauf hin, dass es sich bei der Rufnummer 116 117 nicht um eine Corona-Hotline handelt." Besser sei es, sich auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts oder der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu informieren.

KBV-Vorstand Dr. Stephan Hofmeister appelliert: "Gehen Sie verantwortungsvoll mit der Hotline um. Informieren Sie sich im Internet und bei vertrauensvollen Medien, bevor Sie zum Hörer greifen. Halten Sie die Hotline frei für schwer Erkrankte. Und haben sie Verständnis dafür, dass nicht jeder getestet werden kann." Zum Thema Tests auf das Coronavirus erreichten die Redaktion in den vergangenen Tagen ebenfalls einige Mitteilungen besorgter Bürger: "Trotz typischer Symptome wurden wir nicht getestet", ärgert sich eine Landkreisbewohnerin. Der Leiter des Gesundheitsamtes Amberg-Sulzbach, Roland Brey, bringt Licht ins Dunkel um die Testabläufe: "Es ist einfach so, dass es Gruppen mit Prioritäten gibt und unsere Testkapazitäten nun mal endlich sind." Zu diesen Gruppen gehörten vor allem medizinisches Personal und Menschen, bei denen mit einem schweren Verlauf der Krankheit zu rechnen sei. "Wir müssen die Arbeitsfähigkeit von Ärzten und Krankenschwestern sicherstellen, die Kontakt mit Corona-Patienten hatten." Für die meisten, ansonsten gesunden Menschen mit leichteren Symptomen, sei ein positiver Befund ohnehin unerheblich für die weitere Behandlung. "Aktuell sollten von allen Bürgern die Vorgaben der Regierung beherzigt werden, ihre sozialen Kontakte zu minimieren. Wer krank ist, sollte sich grundsätzlich selbst isolieren, egal ob Corona, Grippe oder sonst etwas." Aus diesen Gründen gebe es aktuell schließlich auch die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung über den Hausarzt.

Kein Test auf Wunsch

Dass man nicht auf Wunsch oder zur Beruhigung getestet werden könne, betonte auch Andreas Gassner bei der Pressekonferenz der kassenärztlichen Vereinigung: "Es muss eine medizinische Notwendigkeit bestehen. Die Kriterien des Robert-Koch-Instituts sind dabei ein verlässlicher Kompass, die ständig überprüft und angepasst werden." Getestet werden könne demnach, wer Kontakt zu einem Corona-Infizierten gehabt habe und Symptome zeige oder in einem vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet deklarierten Land war. Deutschland ist aktuell nicht als Risikogebiet eingestuft (Infokasten).

Fragen und Antworten zum Coronavirus

Oberpfalz

Eine reine Symptomatik mit Husten oder Fieber reicht also nicht aus, um auf das Coronavirus getestet zu werden. Brey erklärt: "Das Hauptproblem der Krankheit ist nämlich, dass Menschen mit Vorerkrankungen schwere Verläufe und Komplikationen entwickeln. Deshalb haben diese Menschen einfach Vorrang." Bei milden Krankheitszeichen ist deshalb ein Test nicht sinnvoll - so werden nur die Kapazitäten für die Risikogruppen verstopft.

Die Labore arbeiten bereits an ihren Belastungsgrenzen. Über 1000 Proben pro Tag werden allein im Synlab Labor in Weiden ausgewertet. Christian Ries, Leiter Marketing und Kommunikation der Synlab Holding, erklärt: "Im Moment haben wir zwar alle Hände voll zu tun, können aber angemessene Reaktionszeiten sicherstellen. Wir können dem zuweisenden Arzt das Testergebnis in der Regel innerhalb von zwei Tagen vorlegen. In Einzelfällen kann es aber auch länger dauern." Die Test-Kapazitäten würden laufend ausgebaut, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden - dies sei aber nicht unbegrenzt möglich.

1000 Tests pro Tag

Ausgangsbeschränkungen in Bayern

Bayern
Info:

Risikogebiete laut des Robert-Koch-Institut

Ägypten: ganzes Land

China: Provinz Hubei (inklusive der Stadt Wuhan)

Frankreich: Region Grand Est (diese Region umfasst das Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne)

Iran: ganzes Land

Italien: ganzes Land

Österreich: Bundesland Tirol

Spanien: Madrid

Südkorea: Provinz Gyeongsangbuk-do (Nord-Gyeongsang)

USA: Bundesstaaten Kalifornien, Washington und New York

Als besonders betroffenes Gebiet in Deutschland wird der Landkreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen genannt.

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