13.09.2021 - 16:15 Uhr
AmbergOberpfalz

Oberpfälzer Kulturschaffende gratulieren Autor Eckhard Henscheid

Der Amberger Schriftsteller und Satiriker Eckhard Henscheid feiert an diesem Dienstag 80. Geburtstag. Zu diesem Anlass überreicht die Oberpfalz-Medien-Kulturredaktion ein paar besondere Glückwünsche aus der Region.

Eckhard Henscheid am Steuer seines alten Fiat Punto.
von Anke SchäferProfil

Fabian Kern, Kulturreferent der Stadt Amberg

Unumstritten hat Eckhard Henscheid seinen festen Platz in der deutschen Nachkriegsliteratur-Geschichte. Als grandios polarisierender Schilderer und kritisch humorvoller Beobachter der alten Bundesrepublik gehört er zu den großen Fabuliermeistern, Romanciers, Schriftstellern und Satirikern unseres Landes. Manchem wird aber weniger geläufig sein, dass Eckhard Henscheid ein ebenso wunderbarer Musik- und Partiturkenner sowie leidenschaftlicher Liebhaber der Oper und klassischen Musik ist. Mit seiner enormen Werkvertrautheit und starken Urteilskraft verfasste er mit spitzer Feder über viele Jahrzehnte zahlreiche Texte, Glossen und Kolumnen zur Musik und legte 1979 mit seinem Opernführer für Versierte und Versehrte "Verdi ist der Mozart Wagners" ein Meisterwerk vor, das von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" als fabelhaft und von der "Zeit" mit der Güteklasse A bezeichnet wurde. Wir wünschen Ihnen, werter Herr Henscheid, alles Gute zu Ihrem Ehrentag und hoffen, dass Sie Ihrer Heimatstadt wohlgesonnen bleiben und es Ihnen hier weiterhin gefällt. Ad multos annos!

Manfred Wilhelm, Verleger/Büro Wilhelm Verlag

Es muss wohl irgendwann Anfang der 1980er Jahre gewesen sein, als ich zum ersten Mal ein Buch von Eckhard Henscheid in Händen hielt: "Geht in Ordnung - sowieso - - genau - - -“, ein Roman, den ich unglaublich amüsant und unterhaltsam fand. Der Schriftsteller beschreibt darin die eher trostlose Provinz (der Roman spielt in „Seelburg", das als Synonym für seine Heimatstadt Amberg gelten darf) und ist damit erfolgreich! Für mich war das eine einschneidende und prägende Leseerfahrung! Als sich dann noch zeigte, dass der Autor auch noch ein Faible für Fußball hatte, war ich endgültig ein „Henscheid-Fan“. Lesetipp: Eines meiner Lieblingsbücher von E.H. – „Unser liebes Amberg“ (Büro Wilhelm Verlag) – scheint nach 30 Jahren der Erstveröffentlichung zudem kaum an Aktualität verloren zu haben. Glückwunsch - sowieso - - genau.

Stefan Voit, Kulturjournalist

Schon allein die Titel begeisterten uns als junge Leser Ende der 70er Jahre: "Trilogie des laufenden Schwachsinns (Die Vollidioten, Geht in Ordnung – sowieso – – genau – – –, Die Mätresse des Bischofs)" oder "Maria Schnee" oder "Beim Fressen beim Fernsehen fällt der Vater dem Kartoffel aus dem Mund". Da schreibt einer - noch dazu aus Amberg - humorvoll, kritisch, süffisant, tiefgründig. Das war eine Entdeckung für uns damals ... Und das ganze erschien noch dazu im legendären Verlag Zweitausendeins, der auch immer literarische Außenseiter im Programm hatte. Doch so einer war Henscheid nicht: Er war fest im Literaturbetrieb etabliert, kritisierte, eckte an, arbeitete für Zeitschriften wie "pardon" oder "Titanic". Seine Ausflüge in die Musik oder klassische Literatur sind fundiert, eloquent: da schreibt einer, der sein Handwerk meisterlich versteht. Henscheid bekam 2009 den Jean-Paul-Preis und hätte längst auch andere Auszeichnungen verdient. 2003 würdigte ihn Zweitausendeins immerhin mit einer umfangreichen Werkausgabe. Und wir Leser würdigen ihn als einen der ganz großen deutschsprachigen Dichter und meinen, dass es dringend an der Zeit ist, ihn wieder einmal zu lesen. Nicht nur, weil er einen runden Geburtstag hat!

Thomas Geiger, Literarisches Colloquium Berlin

Eckhard Henscheid ist ein Amberger, der ein großes Herz für Sulzbach-Rosenberg, zumindest für Sulzbach hat. Meine ersten Erinnerungen reichen weit zurück in die siebziger Jahre als das sogenannte Merkheft vom Versandhändler 2001 in juvenilen, sich für aufgeklärt haltenden Kreisen einen Ruf hatte wie sonst nur der Quelle- oder Ottokatalog bei den wirtschaftswunderverblendeten Hausfrauen der sechziger Jahre. Dieser Henscheid also, der einen einsamen, erfolglosen Kampf zum Erhalt des Sulzbacher Stadtbades führte und den Gasthof Sperber schon früh in die Hochliteratur einschrieb, vertrieb seine legendäre Trilogie des laufenden Schwachsinns über jenen Versandhändler mit dem einst weit in die Zukunft weisenden Firmennamen 2001. Und auf diesem Weg erreichten auch mich die drei Bände. Vor allem „Geht in Ordnung –, sowieso – –, genau – – – “, ein Heimatroman der besonderen Art, nämlich ein Roman über meine Heimat, ist mir im Gedächtnis geblieben. Der Teppichbodeneinzelhandel in Verbindung mit Fußball (der Clubb, der Clubb), die Wirrnisse der Liebe, respektive der Erotik, oder wie man das hier Verhandelte nennen soll, sowie der sehr zwanglose Umgang mit dem Alkohol bilden einen einzigartigen Resonanzraum meiner Herkunftsgegend. Ich setze „Geht in Ordnung“ hiermit sofort auf meine Wiederleseliste und empfehle den Roman mit Nachdruck (um eine Floskel zu benutzen, die mir der Sprachpolizist H. um die Ohren hauen würde). Später, im übrigen, verfolgte ich E. H. als Kolumnist in der "Titanic" und im Literaturmagazin "Der Rabe", las nicht alle, aber die meisten seiner Romane. Persönlich erinnere ich mich gerne und immer wieder an ein weit in die Nacht reichendes Gespräch auf der Terrasse des Literarischen Colloquiums in Berlin, das sich aber vor allem um die Personage des ersten Bandes der Trilogie, „Die Vollidioten“, drehte. Als Kritisches soll hier und heute nur eingeworfen werden, dass, so heißt es, der Jubilar Schafkopf in seiner kurzen Variante spielen soll. But nobody is perfect! Lieber Eckhard Henscheid, ad multos annos!

Wolfgang Dersch, ehemaliger Kulturreferent der Stadt Amberg, jetzt Kulturreferent der Stadt Regensburg

Ich gratuliere dem Schriftsteller, Satiriker und Amberger Kulturpreisträger Eckhard Henscheid von Herzen zu seinem 80. Geburtstag und wünsche, dass ihm weiterhin noch viele literarische Sprachjonglagen gelingen. Sehr gerne erinnere ich mich an unsere gemeinsamen Gespräche in meinem Büro, die fast ausschließlich mit Richard Wagner und Christian Gerhaher begannen und stets bei einem möglichen Einspringen von mir bei einem der nächsten legendären Schafkopfrunden endeten. Noch immer halte ich mich deshalb fit, damit ich bei einem plötzlichen Anruf jederzeit parat wäre. Stolz bin ich, dass ich mit ihm die Veröffentlichung der Biographie „Denkwürdigkeiten“ im Amberger Rathaussaal vereinbaren konnte und eine unvergessliche Lesung im Stadttheater der bayerischen Literatur-Grandseigneurs Gerhard Polt und Eckhard Henscheid initiieren durfte. Ich bin sehr gespannt auf das, was noch kommt und wünsche dazu alles erdenklich Gute!

Ralf Volkert, Buchhändler Sulzbach-Rosenberg

Irgendwann in den frühen 90ern fuhren wir – drei ledige, junge Erwachsene und ein Ehepaar – nach Kallmünz zu einer Lesung von Eckhard Henscheid. Als wir den Veranstaltungssaal im „Goldenen Löwen“ betraten, begrüßte uns Henscheid mit den Worten „Das passt! Ich brauch nach der Lesung noch eine Fahrgelegenheit nach Amberg, ihr habt doch noch einen Platz im Auto frei?“ Unser Fahrer – der Ehemann – antwortete: „Sowieso“. Und an seine Frau gewandt: „Du kommst schon irgendwie heim, oder?“ Für den weiteren Verlauf der Ehe sicherlich diskutabel war das Angebot doch ein deutlicher Ausdruck der Hochachtung. Ich will nicht ausschließen, dass ich damals, wäre ich der verheiratete Fahrer gewesen, ein ähnliches Angebot unterbreitet hätte. Eckhard Henscheid und seine Texte haben uns beigebracht, große Autoren hoch und nobelpreisprämierte Wichtigkeitskasper und Dummdeutsch daherschreibende gering zu schätzen (und uns über diese allenfalls lustig zu machen). Damals war er schon, wie auch heute noch: Weltbester lebender Autor deutscher Zunge, unbestechlicher Musik- und Literaturkritiker, knallharter Schafkopfspieler und dickköpfiger Kulturpessimist. Und auch wenn er es einem – insbesondere beim Schafkopf – nicht immer leicht gemacht hat, für all das Wahre, Schöne und Gute in seinem Schaffen kann ihm nicht genug gedankt werden.

Besuch bei Eckhard Henscheid vor seinem 80. Geburtstag

Amberg
Hintergrund:

Zur Person

Eckhard Henscheid kam am 14. September 1941 in Amberg zur Welt und wurde ausgezeichnet mit

  • Eckhard Henscheid kam am 14. September 1941 in Amberg zur Welt
  • wurde 2004 mit dem Italo-Svevo-Preis, 2005 mit dem Kulturpreis der Stadt Amberg, 2009 mit dem Jean-Paul-Preis des Freistaates Bayern und 2018 mit dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor ausgezeichnet

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.