16.07.2021 - 14:22 Uhr
AmbergOberpfalz

Oper "Insomnia" in Amberg uraufgeführt

Der zweite Anlauf für das erste Oberpfälzer Opernfestival ist geglückt. Die Uraufführung von "Insomnia" begeisterte in Amberg das Publikum.

von Marielouise ScharfProfil

„Wir feiern Oper“ steht auf dem Doppelprogrammheft des ersten Oberpfälzer Opernfestivals zu lesen. Start ist in Amberg. Corona-bedingt musste er um ein Jahr verschoben werden. Am Donnerstagabend fand nun im Ringlokschuppen die begeistert beklatschte Uraufführung von "Insomnia", der eigens für das Festival komponierten Oper, statt.

Also irgendwie alles neu: der Veranstaltungsort, die Oper, das Ensemble. Altbekannt sind nur die Protagonisten des Spiels: der Oberpfälzer Märchen- und Sagensammler Franz Xaver Schönwerth (Zitat: „schön wie hübsch und werth mit te ha“). Dazu die fantasievollen Figuren aus seinen Niederschriften: Wasserfrau, Holzmännlein und -weiblein, Bilmesschneider und Feuriger Mann.

Ringlokschuppen bietet besondere Kulisse

Der Weg zum morbiden Gebäude ist holprig, Bahnschienen sind zwischen hohem Unkrautbewuchs gerade noch zu erkennen und durch die milde Abendluft schwingt eine Sopranstimme. Opernbesucher lehnen an Stehtischen vor dem Eingang. Alles mit dem gehörigen Abstand. Genauso wie drinnen, wo Stühle in unterschiedlicher Gruppierung bereitstehen. Ein Podest in der Mitte, viele Scheinwerfer, einige alte Maschinen und Loks in den Ecken unter schwerem Gebälk. Rechts der Flügel für Komponist und Dirigent Raphael Fusco. Dahinter beleuchtete Notenständer für das fünfzehnköpfige Festivalorchester. Mit Bravour und großem Können erzeugen sie die passende musikalische Kulisse, bringen Gefühle zum Aufwallen und sanfte Melodien zum Dahinschmelzen. Die personalisierten Motive, von melancholisch bis aggressiv, von sehnsuchtsvoll bis brennend wütend, Fusco wechselt zwischen dissonanten Harmonien und fließenden Akkorden und seine hochmotivierten Musiker lassen die unterschiedlichen Charaktere lebendig werden. Die Musik schmiegt sich wie ein Handschuh an das märchenhafte Geschehen.

„Durst“ ruft der Mann auf der Bühne. Giftgrüne Stühle und eine sterile Topfpflanze markieren einen nüchternen Therapieraum. Hier also soll der Patient Schönwerth (Sprechrolle: Alessandro Scheuerer) von seiner Schlaflosigkeit geheilt werden. Verursacht wird das Problem durch Fantasiegestalten aus seinen Märchen. Diese piesacken ihn und turnen und tanzen voller Energie und Temperament durch seine Träume.

Famose Sänger

Schon das Eingangsterzett mit Sheila Damghani (Sopran – Wasserfrau) , Daniel Ochoa (Bariton – Bilmesschneider/Holzmännlein) und Eva Maria Summerer (Mezzosopran – Feuriger Mann/Holzweiblein) nimmt gefangen. Harmonisch ausgewogen und meisterlich gesungen betreten sie mit Leuchtstäben in den Händen die Bühne. Alle drei gehen in ihren Rollen auf, stimmlich wie darstellerisch. Einfühlsam und voller Schwung rappen sie die Bühne, erklimmen Leitern und allerhöchste Töne, um schließlich im Zwiefachen ihre Heimat zu finden. Eine famose Sängertruppe mischte diese Uraufführung stimmlich wundervoll auf.

Schade nur, dass die gespenstisch-mystische Seite weder in den Kostümen, noch in der Regie auch nur irgendwie zur Geltung kam. Natürlich legt das Libretto (Ruth Zapf) sehr eigenwillig Spuren zu aktuellen Figuren, wie Arzt, Pfleger oder Hausmeister, aber sowohl der Spielort, als auch die Originalcharaktere sind weder in den „Hybrid-Kostümen“ (lt. Programmheft) noch im kühl-modernen Regiekonzept (Regie: Evi Eiberger; Bühne/Kostüm: Maria Preschel) zur Geltung gekommen. Ohne den Blick ins wirklich sehr gut erläuternde Programmheft wären Zusammenhänge kaum erkennbar gewesen. Nach gut einer Stunde mit turbulenten Auftritten des Märchensammlers und seiner Oberpfälzer Fantasiewesen öffnen sich die rückwärtigen Tore. Der Blick geht in die Weite und verliert sich im rostigen Schienenstrang auf der Suche nach Traum und Wirklichkeit, Märchen und Realität …

Ein kulturelles Highlight

Oper ist Musik, Libretto, Regie, Kostüme – bei einer Oper greift vieles ineinander und viele Ideen, technische Finessen und helfende Hände sind notwendig, um so ein kulturelles Highlight zu realisieren. Hier darf man allen Mitwirkenden vor, auf und hinter der Bühne gratulieren. Der nicht enden wollende Schlussapplaus des Publikums spiegelte die große Begeisterung wieder.

Ein Probenbesuch bei "Insomnia" im Ringlokschuppen

Amberg
Hintergrund:

Über die Oper "Insomnia"

  • "Insomnia" wird als Kammeroper inszeniert.
  • Die Musik hat Raphael Fusco komponiert.
  • Weitere Aufführungen sind am Freitag, 16. Juli, und Samstag, 17. Juli. Beginn ist jeweils um 20 Uhr.
  • Aufgeführt wird "Insomnia" im alten Ringlokschuppen am Galgenbergweg in Amberg.
  • Die Tickets kosten 29 Euro auf allen Plätzen (freie Platzwahl).
  • Karten gibt es in der Tourist-Information am Hallplatz (Telefon 09621/10-1233).

 

 

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