Es ist, als ob da ein Film läuft, dessen Inhalt so abstrus ist, das man ihn nicht für möglich hält. Der Mann auf der Anklagebank, 36 Jahre alt, mit elf Vorstrafen wegen Gewalttaten vor die Erste Strafkammer des Landgerichts geführt, knasterfahren und zeitlebens nicht gewillt, zu arbeiten, schwieg zunächst. Irgendwann sagte er: "Sie hat diese Verletzungen mit nach Hause gebracht. Jetzt macht sie mich zum Monster".
Diese Worte stellten den von Polizei und Staatsanwaltschaft geklärten Sachverhalt auf den Kopf. Man hörte: Der Mann hatte sich im August 2017 mit einer 33-Jährigen angefreundet. Bald zog er in deren Wohnung am westlichen Stadtrand. Dann begannen Eifersüchteleien, die am 11. Oktober in ein Drama mündeten. Die Strafkammer bekam zum Prozessauftakt eine lückenlose Schilderung der gepeinigten Frau. Sie kehrte gegen 17.30 Uhr von ihrer Arbeitsstelle heim, wollte Abendbrot essen und sah sich grundlosen Vorwürfen ausgesetzt. Die Verbalattacken wurden zunehmend aggressiver. Dann ging es los, brachen alle Dämme.
Zwei Stunden lang berichtete die junge Frau von dem, was sich zwischen 18 und 22 Uhr in der Dachgeschosswohnung zutrug. Der 36-Jährige ließ seine Freundin ihre Oberbekleidung ablegen und startete dann Angriffe, die wellenanartig vonstatten gingen. Erst Schläge mit Fäusten, dann Tritte mit den Füßen. Das war erst der Anfang des Horrorszenarios.
Das Opfer wurde durchs Wohnzimmner getrieben und dann mit Schlaginstrumenten traktiert. Der Mann griff im Verlauf der Attacken zu drei Mehrfachsteckdosen, wickelte deren Kabel um seine Hand und drosch mit einer Wucht zu, dass die Kunststoffschalungen zersprangen. Danach musste die hölzerne Scheide eines Samuraischwerts als Hiebwaffe herhalten. Auch sie zerbrach. Spät abends schleppte sich das Opfer zum Bett, schlief ein, erwachte anderntags und wurde auch dann nicht aus der Wohnung gelassen. Wieder verging eine Nacht, bis die 33-Jährige aus dem Haus gelangte. Sie ging zu einer Ärztin, verbarg schamhaft den Großteil ihrer Wunden, wurde krankgeschrieben. Später kam es zum Kontakt mit ihrem Vater. Der holte die Polizei. Am 14. Oktober wurde der 36-Jährige von einer SEK-Einheit der Polizei vor der Wohnung festgenommen. Nur beklagte der Mann, er sei "dabei geschlagen worden".
Fest steht: Der Angeklagte war zur Tatzeit Drogenkonsument. Doch seine malträtierte Freundin will davon nichts bemerkt haben. Nun wäre dem Mann offenbar eine Rauschgifttherapie willkommen. Doch es könnte auch sein, dass er stattdessen in die Sicherungsverwahrung wandert. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.














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