06.12.2019 - 16:11 Uhr
AmbergOberpfalz

Pfefferspray-Wolke mit 16 Verletzten

Die Wolke zieht bei einer Musikveranstaltung durch den Casino-Saal. Jemand hat Reizgas versprüht. Die Rettungsleitstelle löst einen Großeinsatz aus, weil es zahlreiche Verletzte gibt. Der mutmaßliche Täter sitzt jetzt vor dem Richter.

Der Einsatz von Pfefferspray hat am 22. Juli 2018 im Casino-Saal zu 16 Verletzten geführt.
von Autor HWOProfil

Die Lage war anfangs unüberschaubar. Etwa 200 junge Leute befanden sich am 22. Juli 2018 gegen 2.30 Uhr morgens im Casino-Saal. Plötzlich sprühte jemand mit Pfefferspray. Beißende Schwaden zogen durch den Raum und riefen Verletzungen bei Menschen hervor, die im Umfeld des zunächst anonymen Täters standen. Im Prozess vor Amtsrichter Florian Meißner sprach Staatsanwältin Jasmin Hertel jetzt von 16 Personen, denen das Reizgas in die Augen und in die Atemwege geraten war.

Die Rettungsleitstelle löste Großalarm aus. Fünf Rettungswagen rückten aus, dazu auch die Feuerwehr. Bei ihrem Eintreffen standen rund 200 Gäste der Musikveranstaltung vor dem Casino am Schrannenplatz. Während sich Sanitäter und Notärzte um die Verletzten kümmerten, lüftete die Feuerwehr Amberg den Saal. Parallel dazu begannen Polizeibeamte mit ersten Ermittlungen. Sie führten erst tags darauf zu dem im Raum Sulzbach-Rosenberg wohnenden mutmaßlichen Täter. Zu diesem Zeitpunkt hatte der junge Mann 0,0 Promille.

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Zum Prozessauftakt wurde dem 24 Jahre alten Angeklagten nun gefährliche Körperverletzung in 16 Fällen vorgehalten. Er räumte zunächst ein, das Pfefferspray aus seiner Tasche geholt und damit gesprüht zu haben. Allerdings, wie er wissen ließ, in einem sehr angetrunkenen Zustand. Denn zuvor, so erfuhr Richter Meißner, hätten er und sein Begleiter (23) in mehreren Amberger Kneipen größere Mengen Alkohol konsumiert.

Der Vorsitzende war um lückenlose Aufklärung bemüht. Dazu gehörte die Frage: "Weshalb hat jemand ein Pfefferspray dabei?" Der Angeklagte konnte das nicht erklären. Nächste Frage: "Warum haben Sie es ausgepackt?" Auch die dann folgende Antwort war so nebelhaft wie die Wolke, die damals durch den Saal zog: "Es gab einen Streit und ich bin dazwischengegangen."

Wer aber stritt mit wem? Andeutungsweise formte sich im weiteren Verhandlungsverlauf der Eindruck, dass der Begleiter des Angeklagten mit einem der Gäste Zoff hatte und sein Freund daraufhin zum Pfefferspray griff. Der Begleiter, als Zeuge gehört, mochte sich vor dem Richter wegen angeblich erheblichen Alkoholgenusses an Einzelheiten nicht erinnern. Doch den Akten ließ sich entnehmen, dass er lange nach dem Ereignis gegenüber einer Bekannten sinngemäß sagte, er werde sich bei einem Prozess nicht eingehend äußern.

Im Einklang mit Verteidiger Heiko Übler brach Richter Meißner die Verhandlung anschließend ab. "Wir holen jetzt diese Frau", sagte der Vorsitzende. Denn womöglich wisse der 23-Jährige weitaus mehr, als er bisher zur Aufklärung des Geschehens im Casino-Saal beigetragen habe. Das könnte für ihn fatale Folgen haben.

Wenige Tage vor dem Weihnachtsfest wird das Verfahren fortgesetzt. Dabei geht es dann um die juristische Einordnung des Sachverhalts. Sie sieht so aus: Wäre das Pfefferspray nur gegen eine Einzelperson eingesetzt worden, würde es sich um eine gefährliche und 15 fahrlässige Körperverletzungen handeln. Hätte der Täter einfach nur so um sich gesprüht, wären es 16 gefährliche Körperverletzungen. Für den Laien schwer begreifbar. Aber von der Strafe her ein Unterschied.

Eines allerdings hat Richter Meißner bereits zu erkennen gegeben. "Sie hatten einige Stunden nach dem Vorfall 0,0 Promille", sagte er dem Angeklagten und fuhr fort: "Da kann es mit dem Alkohol zur Tatzeit nicht so heftig gewesen sein, wie Sie hier angeben." Die außergerichtlichen Kosten dürften immens ein. Denn in der Notaufnahme des Klinikums herrschte in dieser Sommernacht Großbetrieb.

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