Amberg
06.07.2026 - 15:22 Uhr

Podiumsdiskussion beim Amberger Bergfest: Bauern zwischen Klimawandel und Subventionen

In Amberg diskutierten Experten über die Zukunft der Landwirtschaft. Themen waren Subventionen, Klimawandel und regionale Wirtschaft. Ein spannender Austausch mit klaren Forderungen.

"Landkultur! Wie abhängig ist der Bauer heute?", war Thema einer Podiumsdiskussion, die im Rahmen des Amberger Bergfestes auf dem Mariahilfberg im Kloster stattgefunden hat. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Regensburger Bistumsblatts in Kooperation mit dem Bayerischen Bauernverband (BBV) und der Katholischen Landvolkbewegung Regensburg (KLB).

Ely Eibisch, stellvertretender BBV-Präsident Oberpfalz, erklärte die Problematik mit der geplanten Kappung von Subventionen für die Landwirtschaft. Insbesondere in Bayern gebe es ein großes Interesse an der Kappung sowie an den Zuschlägen für die ersten 70 Hektare Betriebsfläche. Von den aktuellen Betriebsprämien würden vor allem die flächenmäßig großen Betriebe profitieren. In Bayern dagegen gebe es zahlreiche Familienbetriebe, die mit den Großen nicht mithalten könnten.

"Die Leute müssen auch kaufen"

Angesichts des massiven Hereindrängens chinesischer und saudischer Unternehmen auf den Landwirtschaftsmarkt in Europa sowie angesichts des Freihandelsabkommens Mercosur gab Eibisch zu bedenken, dass ein Land wie Bayern in wirtschaftlicher Hinsicht mit sehr hoher Exportorientierung alle daraus hervorgehenden wirtschaftlichen Notwendigkeiten zum Wohl des Landes im Blick haben müsse.

David Kugler, Unternehmer am Hutzelhof in Weißenberg stellte sein Modell des saisonal und regional geprägten Wirtschaftens dar. „Das ist der Versuch, ein System wachsen zu lassen, das zu uns passt.“ Dabei sei man allerdings auch abhängig davon, dass „die Leute bei uns kaufen“. Deshalb unterhält der Hutzelhof ein eigenes Schaufenster und bietet Felder- und Bäckereiführungen an, ebenfalls einen Frühlingsmarkt und das Hoffest, zu dem rund 3000 Leute kommen.

Problemfeld CO2

Bei aller Sympathie für Kuglers Wirtschaften gab Ely Eibisch zu bedenken, dass nur sieben Prozent der Verbraucher bereit sind, „etwas mehr auszugeben“, 93 Prozent dagegen „schauen auf die Preise“. Diskutantin auf dem Podium war auch Christine Reitinger, Vorsitzende der Katholischen Landvolkbewegung in der Diözese Regensburg. Reitinger erklärte, bei „unserem“ derzeitigen Lebensstil würden 9,8 Tonnen CO₂ jährlich pro Person erzeugt. Um den Klimawandel wenigstens zu bremsen, müsste dies auf eine Tonne reduziert werden. Sie drückte ihr Bedauern darüber aus, dass jährlich weltweit 1,2 Milliarden Tonnen Lebensmittel „in den Müll wandern“, rund 40 Prozent der jährlich produzierten Lebensmittel.

Harald Staudinger, Leiter der Bäuerlichen Familienberatung in der Diözese Regensburg, berichtete jenseits wiederholt auftretender Generationenkonflikte in Familien, die in der Landwirtschaft tätig sind, von weiteren Problembereichen. So hätten Verbraucher hätten ausgeprägte Meinungen mit Blick auf Landwirtschaft und Bauern; allerdings werde mit den Bauern wenig gesprochen. Die Bauern ihrerseits fühlten sich angesichts politischer Vorgaben und Subventionspolitik am „Gängelband der Politik“.

Klimaanpassung wahrscheinlich

Realistischerweise sprach Ely Eibisch nicht zuletzt davon, dass es Aufgabe der Landwirtschaft sei, die Nahrungsmittelversorgung der Gesellschaft sicherzustellen. Ebenfalls hohe Bedeutung komme der Energie zu: „Die Gesellschaft ist gewohnt, dass Energie einfach immer vorhanden ist.“ Strom werde die Energie der Zukunft sein; wobei es bei diesem zentralen Punkt darauf ankomme, dass die Wertschöpfung bei uns im Land bleibe. Überhaupt sei die Landwirtschaft der einzige Sektor, in dem Kohlenstoffe gebunden werden könnten. Die damit verbundenen Ziele werde aber die Landwirtschaft durch die Klimaerwärmung bei bestem Willen nicht erreichen. Im Raum stehe die Tatsache der Klimaanpassung.

Christine Reitinger antwortete auf die abschließende Rundfrage von Moderator Veit Neumann, wie die Landwirtschaft in 50 Jahren aussehen werde: Nötig sei eine höhere Wertschätzung der Nahrungsmittel. Was Kugler mit der rhetorischen Frage ergänzte: „Wie sollte die Landwirtschaft in 50 Jahren anders sein als regional und saisonal?“.

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