08.05.2019 - 18:11 Uhr
AmbergOberpfalz

Prozess um Prügel-Attacke: Erste Opfer sagen aus

Die junge Frau steht am Bahnhof und will ihrem mit Schlägen attackierten Freund helfen. Da hebt sie einer der Angreifer hoch und lässt die 18-Jährige mit dem Rücken auf den Asphalt krachen. Szene aus einem Prozess um die Prügel-Attacke.

Rund um den Bahnhof hat sich die Prügel-Attacke kurz vor Silvester 2018 zugetragen.
von Autor HWOProfil

Es waren Situations- und Lagebeschreibungen, die den dritten Verhandlungstag um den Schlägerexzess von vier 17- und 18-jährigen Asylbewerbern vor dem Jugendschöffengericht prägten. Dort hat mit Peter Jung ein Vorsitzender Platz genommen, der bestrebt ist, die Vorfälle nun aufzuklären. Souverän, ohne Hektik und mit dem erkennbaren Willen des Nachvollziehens einer üblen Tour. Ja, die Flüchtlinge aus fernen Ländern waren betrunken. Doch was hat dann am 29. Dezember 2018 eine solche Gruppendynamik ausgelöst?

Bericht über den Prozessauftakt

Amberg

Fausthiebe und Tritte

Einer der ins Visier genommenen Zeuge erklärte am Mittwoch: "Ich war froh, dass sie kein Messer dabei hatten." Was ihm widerfuhr, war ohnehin schlimm genug: Fausthiebe, Tritte - dabei hatte der Mann nur beruhigend eingreifen wollen, als er samt einem Freund mit dem Auto am Bahnhof vorüberkam und beobachtete, wie Raufbolde Passanten angriffen. Als der 38-Jährige Einhalt gebot, war er an der Reihe. "Ich hab' noch gedacht, das kann nicht deren Ernst sein", berichtete er. Doch dann wurden erst er und danach sein mit aus dem Auto gestiegener Freund zur Zielscheibe der Prügler.

Es gab noch etliche andere, die am Abend dieses 29. Dezember zufällig beim Bahnhof des Weges kamen. Eine Gruppe junger Männer mit "ihren Mädels", wie ein 18-Jähriger erzählte. Plötzlich wurden sie von den Asylbewerbern an der Ampel beim Bürgerplatz ins Visier genommen. Erst hagelte es für einen aus dieser Clique wegen seiner Hautfarbe Beleidigungen und dann Schläge. Augenblicke später war der 18-Jährige an der Reihe: Ansatzlos gesetzte Hiebe gegen Kopf und Oberkörper, dann auch noch Fußtritte. Keine Chance zur Gegenwehr. Das Opfer musste, wie mehrere andere, ins Klinikum. Die meisten konnten nach erster Behandlung entlassen werden. Der 18-Jährige hatte drei Tage zu bleiben. Vor Gericht zeigte sich nun, dass er Kavalierstugend besaß. Denn man hörte: "Wir wollten nur die Mädels vor diesen Leuten schützen."

Auto beschädigt

Da war noch einer, der zufällig mit dem Auto vorüberkam. Er legte eine Vollbremsung hin, als die Schläger in Höhe des Busbahnhofs über die Straße stürmten. Sein abrupter Haltevorgang wurde übel belohnt: Einer der Asylbewerber trat ihm gegen das Fahrzeug - 1100 Euro Schaden, von dem unklar ist, wer ihn nun bezahlt.

Im Verlauf dieses dritten Verhandlungstages formte sich das Bild: Da waren vier, die keine Grenzen kannten. Wahllos auf Gegnersuche und dann endlich gestoppt von der Polizei. Die war mehrfach über Handy von Opfern verständigt worden. Einer der anrufenden Männer musste während diverser Rückfragen seitens der Einsatzzentrale seinen Alarmruf abbrechen. "Ich musste meinem attackierten Freund helfen", ließ er wissen. Der Prozess wird heute, Donnerstag, fortgesetzt.

Dossier zum Thema

Amberg

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.