05.05.2021 - 16:48 Uhr
AmbergOberpfalz

Prozess wegen Kinderpornografie: Lehrer aus Kreis Schwandorf verurteilt

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Vor den Richtern liegt eine Fotosammlung. Weit über 1000 Bilder und Videos mit kinderpornografischen Darstellungen. Sie sollen einem Lehrer (57) gehört haben.

Die 3. Strafkammer am Landgericht Amberg musste sich mit einem Fall von Kinderpornografie befassen..
von Autor HOUProfil

Die Fahnder kamen am frühen Morgen. Sie hatten einen Durchsuchungsbeschluss dabei und gingen im Landkreis Schwandorf zielorientiert vor. Das Beamten-Aufgebot stellte den Computer und das Handy eines Mannes sicher, dessen Ehefrau jetzt vor dem Landgericht Amberg mitteilte: "Wir waren alle völlig geschockt."

Die Vorgeschichte: Amerikanische Ermittler stöberten im Darknet, stießen bei einer Plattform namens "Tumbler" auf üble Kinderpornografie und setzten danach das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden davon in Kenntnis, dass viele der Szenen auf elektronischen Geräten eines Oberpfälzers gespeichert wurden. Was sich anschloss, war: Die für Cybercrime-Delikte in Nordbayern zuständige Generalstaatsanwaltschaft Bamberg begann zu ermitteln. Sie schickte Amberger Kripofahnder zu der bekannt gewordenen Adresse.

Einschlägige Bilder auf Smartphone und Laptop

Auf dem im Haus gefundenen Laptop und einem Smartphone, die dem dort wohnenden Familienvater gehörten, fand eine ermittelnde Kriminalbeamtin weit über 1000 Fotos und Videos, an denen nur Menschen mit pädophiler Neigung Interesse haben konnten. Es handelte sich um Machwerke aus der untersten Schublade. Schon damals sagte der 57-Jährige, von Beruf Lehrer: "Ich habe keine Ahnung von diesem Material". Das wiederholte der Mann im Oktober letzten Jahres vor einem Schwandorfer Richter. Der glaubte diesen immer wieder vorgetragenen Beteuerungen nicht. "Das können nur Sie gespeichert haben", war er überzeugt und verurteilte den Pädagogen zu einem Jahr Haft mit Bewährung.

Der Lehrer war nach dem Bekanntwerden des Falls vom Dienstherrn suspendiert worden. Er ging mit seinem Anwalt Helmut Oertel (Regensburg) in Berufung, zog vor das Landgericht Amberg. Deshalb musste sich die 3. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Peter Hollweck jetzt erneut mit dem Fall befassen. Dabei machte Hollweck deutlich: "Wir nehmen uns Zeit. Denn bevor verurteilt oder freisprochen werden kann, muss alles genau erörtert werden." Dazu gehörte, dass sich die Richter über Stunden hinweg viele der gespeicherten Szenen ansahen.

Bestürzung in der Familie

Im Prozess prallten Fronten aufeinander. Der Angeklagte unterstrich mit Nachdruck: "Mir ist bis heute völlig unerklärlich, wie diese Bilder auf meinen PC und auf mein Handy gekommen sind." Beistand bekam er von seiner Frau. Sie erzählte den Richtern von der Bestürzung innerhalb der gesamten Familie. "Wir hätten das mitgekriegt", ließ sie wissen und ergänzte: "Unsere Familie ist damit immer offen umgegangen. Auch nach der Suspendierung."Vor der Strafkammer erhoben sich Fragen. Zum Beispiel diese: Hatten andere Personen Zugriff auf den PC? Ja, hieß es: "Alle im Haus". Zu klären war aber auch: Hätten im Anwesen tätige Handwerker etwas manipulieren können? Oder vielleicht Schüler des Lehrers? Menschen also, die ihm Übles wollten, ohne dass er es ahnte?

Sachverständige: Kein Hacker am Werk

Bei der Bamberger Generalstaatsanwaltschaft arbeitet eine IT-Forensikerin. Sie hatte die Geräte in langwieriger Arbeit ausgewertet und beschrieb den Sachverhalt aus ihrer Sicht. Von ihr und einem weiteren Sachverständigen erfuhren die Richter: Ein Hacker-Angriff auf den PC galt, weil geprüft, als ausgeschlossen. Außerdem berichtete die Spezialistin davon, dass die Dateien einzeln über einen langen Zeitraum hinweg zu den unterschiedlichsten Uhrzeiten heruntergeladen wurden. Meist in der Nacht. "Zum Beispiel um 4.06 Uhr". Da könne es wohl von bisher unbekannten Leuten kaum Einfluss gegeben haben. Denn wer, weitere Frage, setze sich schon über Monate rund um die Uhr hinweg hin, um jemandem in seiner Existenz zu schaden – direkt am Gerät und nicht von außen?

Schuldspruch bestätigt

An zwei Prozesstagen wurde verhandelt. Weitaus umfangreicher als in der ersten Instanz. Vor dem Urteil sagte der Lehrer: "Ich war es nicht" und schloss sich dem Freispruchsantrag seines Verteidigers an. Die Strafkammer stellte sich hinter die Forderung der Staatsanwaltschaft und verwarf die eingelegte Berufung. Damit blieb es beim Schuldspruch und bei einem Jahr Haft mit Bewährung. Außerdem muss der Pädagoge 4000 Euro Geldauflage bezahlen. Was sich jetzt für ihn vollziehen wird, hatte er selbst im Gerichtssaal angedeutet: "Dann werde ich endgültig aus dem Dienst entfernt." Allerdings bleibt ihm jetzt noch der Weg in die Revision zum Oberlandesgericht (OLG) Nürnberg.

In der Urteilsbegründung fragte der Vorsitzende Richter Hollweck: "Wer sollte das denn gemacht haben außer Ihnen?" Denn die Kinderporno-Szenen hätten sich nicht nur auf dem Computer befunden. "Sie waren auch auf Ihrem Handy." Eine Beteiligung anderer, so Hollweck, sei "in keiner Weise zu erkennen".

Schwandorf

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.