18.05.2021 - 11:49 Uhr
AmbergOberpfalz

Als Rennen eingestuft: Mit Tempo 244 auf der Landstraße bei Ensdorf

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Dieses Urteil ist eine Warnung an alle, die über die Landstraße brettern. Mit Tempo 244 nahe Ensdorf geblitzt, musste ich ein 38-Jähriger vor Gericht verantworten..

Viel zu schnell unterwegs. Tempo 244 statt der erlaubten 100. Deshalb stand nun ein 38-Jähriger vor Gericht.
von Autor HWOProfil

Der junge Familienvater kam mit seinem Anwalt aus Hessen angereist. Anfangs noch guter Dinge, weil wohl beide meinten, was sich an einem Septembertag letzten Jahres in der Oberpfalz abspielte, sei allenfalls eine mit Bußgeld bedrohte Ordnungswidrigkeit gewesen. Ein Temposünder eben, wie er immer wieder einmal durch die Lichtschranke von aufgebauten Radaranlagen fährt.

Die Vorgeschichte: Drei Männer aus dem Raum Fulda hatten im Herbst 2020 mit ihren Motorrädern eine Tour in Ostbayern geplant. Sie übernachteten in Regensburg, starteten am anderen Tag in Richtung Amberg. Das Trio geriet, weil der Verkehr es so wollte, weit auseinander.

Fassungslosikeit bei Angeklagten

Bei Ensdorf hatte die Amberger Verkehrspolizei an diesem Morgen eine Radarkontrollstelle neben der Vilstalstraße aufgebaut. 100 Stundenkilometer galten dort als erlaubte Höchstgrenze. Der erste Kradfahrer passierte sie ohne Beanstandung. Dann kam der zweite. Mit 152 km/h fegte er an der Lichtschranke vorbei. Das brachte ihm ein Bußgeld ein. Er zahlte später.

Der dritte Teilnehmer an dieser Ausflugsfahrt hatte seine Kumpel aus den Augen verloren. Auf der 150-PS-Maschine gab er Gas, wollte zu seinen Freunden aufschließen und wurde mit schier unglaublichen 244 Stundenkilometern gemessen. In Haselmühl holten ihn später zwei Uniformierte an einer roten Ampel vom Krad.

Vor Amtsrichterin Nadine Sand stellte sich nun die Frage: War auch das eine Ordnungswidrigkeit? Der 38-Jährige hatte zwar beim Stopp durch die Polizei keine Angaben gemacht, im Gerichtssaal aber gab er die Wahnsinnfahrt zu. Gemeinsam mit seinem Verteidiger schränkte der Mann allerdings ein: "Aber ein verbotenes Rennen war es keinesfalls."

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Amberg

Exakt mit diesem Tatbestand war der Zwischenfall bei Ensdorf angeklagt. Dazu wurde im Rahmen des Prozesses erläutert, dass der Gesetzgeber die Regeln vor wenigen Jahren verschärft hatte und ein illegales Rennen auch dann stattfinden kann, wenn es nur einen Teilnehmer gibt. Eben das, so argumentierte der Staatsanwalt, liege hier vor.

Eine Ordnungswidrigkeit hätte dem 38-Jährigen mehrere Hundert Euro Geldbuße gekostet und ein Fahrverbot eingebracht. Doch darüber ließ die Richterin nicht mit sich reden. "Es war ein verbotenes Rennen und genau das, was hier vorgefallen ist, hat der Gesetzgeber damit gemeint", stellte sie fest und sorgte für Fassungslosigkeit beim Angeklagten.

Drei Monate ohne Führerschein

Der Mann aus dem Raum Fulda muss 55 Tagessätze zu je 45 Euro (2475 Euro) Geldstrafe für seinen Tempo-Ausraster bezahlen und drei Monate auf den Führerschein verzichten. Das deckte sich weitgehend mit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Vom Verteidiger kam ein Freispruchsantrag. Er war verbunden mit dem Hinweis, dass nach diesem Freispruch die Bußgeldbehörde einen Bescheid erlassen könne. Doch damit stieß er auf komplett taube Ohren.

Info:

In ihrer Urteilbegründung erläuterte Amtsrichterin Nadine Sand sehr genau, warum es sich um ein verbotenes Kfz-Rennen handelte, als ein Motorradfahrer auf der Vilstalstraße mit 244 gemessenen Stundenkilometern an einer Radaranlage der Polizei vorbeiraste. Sie führte auf:

"Es war grob verkehrswidrig und außerdem rücksichtslos." Der Gesetzgeber habe ferner verfügt, dass der Teilnehmer an einem illegalen Rennen die auf das Fahrzeug eingetragene Höchstgeschwindigkeit erreichen wolle. Im vorliegenden Fall seien dies 270 Stundenkilometer gewesen. "Das", so die Richterin, "war nicht weit entfernt vom gemessenen Tempo."

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