03.03.2020 - 19:41 Uhr
AmbergOberpfalz

Der Rückkehrer: Grünen-Landratskandidat Peter Eckert

Es war im Mai 2008, als die politische Karriere von Richard Reisinger so richtig Fahrt aufnahm – er wurde Landrat von Amberg-Sulzbach. Und gleichzeitig endete die von Grünen-Kreisrat Peter Eckert aus Auerbach. Oder zumindest schien es so.

Peter Eckert, wie man ihn oft auf den Grubenfeldern Leonie antreffen kann, wenn er nach der Heckrinder-Herde schaut.
von Markus Müller Kontakt Profil

Drei Wahlperioden lang hatte er seine Partei im Kreistag vertreten. "Nach 18 Jahren war dann die Luft aber raus", sagt Eckert. 2007 war sein Sohn auf die Welt gekommen, er wollte andere Prioritäten setzen, eine politische Auszeit nehmen. "Aber jetzt juckt es mich wieder." Deshalb kandidiert der 57-Jährige für das Amt des Landrats. In einer gänzlich anderen Situation. "Die Grünen haben sich gewandelt, aber die Gesellschaft auch", bemerkt er dazu.

Nicht zuletzt die beiden sehr trockenen Sommer 2018 und 2019 hätten zu einem Umdenken geführt: "Da sind viele aufgewacht." Und in der Partei der Grünen sei vieles nicht mehr so chaotisch wie früher. Man könnte sogar davon reden, dass sie längst im Mainstream angekommen sind. Wobei Eckert das für sich selbst wohl nicht geltend machen würde. "Ich habe immer noch keinen Anzug und keinen Binder", sagt er lächelnd.

1990 jüngster Kreisrat

Genau wie 1990, als der 27 Jahre junge Finanzbeamte sich auf die Grünen-Liste für den Kreistag setzen ließ. Prompt wurde er gewählt. Die dreiköpfige Fraktion legte 1996 sogar noch um ein Mandat zu, doch in diesem Erfolg lag zugleich der Keim für den Zerfall: Alle vier Grünen-Kreisräte kamen aus Auerbach. Die Neigung der Auerbacher, ohne Ansehen der Partei vor allem ihre direkten Mitbürger anzukreuzen, schlug bei den relativ kleinen Grünen besonders durch. "Das war aber unglücklich", erinnert sich Eckert. "Wir hätten eine Flächen-Abdeckung gebraucht. Diese Einseitigkeit hat dem Grünen-Kreisverband damals nicht gutgetan."

Ab 2002 Einzelkämpfer

Es kam zu internen Auseinandersetzungen, die neue Führung des Kreisverbands wollte 2002 keine Kreistagsliste aufstellen, es fanden sich aber 25 Getreue, die als "Grüne unabhängige Kandidaten" antraten und so einen Einzelkämpfer in den Kreistag bekamen: Peter Eckert.

"Das war größtenteils ein anständiges Verhältnis zu den anderen Parteien", sagt er im Rückblick auf seine 18 Jahre im Kreistag. "Man konnte sich fetzen, aber dann auch wieder ein Bier miteinander trinken." Nach 1990 habe er sich als jüngster Kreisrat die Hörner abgestoßen, später dann einige Erfolgserlebnisse erzielt. "Etwa dass Amberg-Sulzbach im VGN drin ist, das ist von den Grünen initiiert worden." Oder auch, dass die Auerbacher Schießlärm-Aktivisten sich nach langen Jahren ohne vernünftigen Ansprechpartner erstmals mit der US-Armee und allen deutschen Stellen an einen Tisch setzen konnten. Diese Gesprächskanäle funktionierten zum Teil noch heute.

Der Mann unter der Schutzkleidung ist Peter Eckert. Imkern ist eine Leidenschaft des Auerbachers.

Der allgemeine Aufwind für die Grünen dürfte sich bei der Kreistagswahl in Stimmen auswirken, meint Eckert. Einen Sprung von vier aus sechs Kreisräte hält er für machbar, zehn dürften aber schwer werden. "Für die Grünen ist es noch schwierig, bei der Landbevölkerung Fuß zu fassen." Ihre Etikettierung als "Verbotspartei" sieht er locker: "Manchmal braucht es eine klare Ansage. Man muss nicht alles haarklein regeln, aber man muss mal vorgeben, das darf man, das nicht." Sein Beispiel dafür: "Wir erwärmen das Weltklima, und die Länder in der Sahelzone gehen dabei kaputt." Die Leute flüchteten dann nach Europa. "Unser guter Lebensstandard bedroht die in ihrer Existenz - da muss ich was verbieten."

Und woher nimmt Eckert die Motivation für seine politische Aktivität? "Wassermänner sind Weltverbesserer" hat er mal in einem Horoskop gelesen. "Und dieses Gen braucht man wohl dafür. Aber auch so was wie Pflichtbewusstsein. Und außerdem macht es auch Spaß."

Peter Eckert (links) mit Sepp Daxenberger. Von dem ehemaligen bayerischen Grünen-Landesvorsitzenden lernte Eckert das Mähen mit der Sense.
Zur Person:

Peter Eckert, 57, Finanzbeamter

Peter Eckert wuchs in Auerbach auf und besuchte hier die Realschule. An die Schwestern, die ihn unterrichteten, denkt er eher mit gemischten Gefühlen zurück, spricht auch schon mal davon, dass er die Schule "überlebte". Der Ausbildung beim Finanzamt in Bayreuth folgte dort die Tätigkeit als Finanzwirt. Nach 30 Jahren in Oberfranken wechselte er vor zehn Jahren zum Finanzamt Hersbruck, wo sich ein "interessanteres Arbeitsgebiet" bot.

In seiner Freizeit engagiert Eckert sich in der Naturschutzarbeit, etwa auf den Grubenfeldern Leonie bei Auerbach, wo eine Herde von nachgezüchteten Auerochsen lebt. Beim Landesbund für Vogelschutz ist er stellvertretender Kreisvorsitzender. Dass er die Imkerei als Hobby betreibt, "da ist mein Großvater schuld", schmunzelt Eckert. Der habe ihm die Leidenschaft für den Umgang mit Bienen vererbt. Zum Fotografieren kam er über die Rollei-Kamera seines Vaters. Damit machte der Junior so viele Naturaufnahmen, dass er sogar Diavorträge mit diesen Bildern halten konnte.

Am Herzen lag Eckert auch die Auerbacher Kulturinitiative "Kultur im Keller", deren Vorsitzender er viele Jahre war. Als einen der Höhepunkte von deren Tätigkeit betrachtet er die Lesung mit Günter Grass 2003. Grass kehrte damit an den Ort zurück, an dem er 1945 als Kriegsgefangener festgehalten worden war, im Lager Bernreuth. Der Kulturverein ist längst aufgelöst, aber Eckert blickt gern auf das Engagement der kleinen Gruppe zurück: "Das war eine schöne Zeit." (ll)

Das Porträt über Landratskandidat Michael Rischke (SPD)

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Die Herausforderer:

Drei Gegenkandidaten hat Amtsinhaber Richard Reisinger (CSU) bei der Landratswahl am 15. März. Sie kommen aus den Reihen der SPD, der Grünen und der Freien Wähler. Wir stellen die drei Herausforderer in jeweils eigenen Porträts vor. Heute geht es um Peter Eckert (Grüne).

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