02.03.2020 - 13:38 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Liebe und Feuerstuhl führen Michael Rischke Richtung Landratssessel

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Er kommt ursprünglich aus Niedersachsen. Aus dem rotesten aller Bundesländer, in dem man das SPD-Gen schon mit der Muttermilch aufsaugt. Das glauben viele von Michael Rischke. Doch der Mann aus dem hohen Norden ist kein "gebürtiger SPDler".

Von wegen dauernd in Anzug und Krawatte: Auch das ist Michael Rischke, in Motorradkluft auf seiner 1200er-Yamaha, die ihn einst in die Region brachte.
von Thomas Amann Kontakt Profil

Seit 19 Jahren lebt der SPD-Landratskandidat in der aufstrebenden 3800-Einwohner-Gemeinde mit ihrem starken Wirtschaftsschwerpunkt westlich von Amberg. Klar, es war die Liebe, die ihn hierher verschlagen hat. Im Frühjahr 2000 lernte Michael Rischke seine zweite Ehefrau Sigrid, eine waschechte Ambergerin mit damaligem Wohnsitz an der Crayerstraße, kennen. Beruflich war der 57-Jährige damals längst in Bayern angekommen: Beim renommierten Automobilzulieferer Schaeffler in Herzogenaurach fing er 1989 als studierter Maschinenbauer an, stieg dann in verschiedenen Funktionen, bald als Materialwirtschaftsleiter im Zweigwerk Hirschaid, und durch Auslandseinsätze in immer höhere Positionen auf.

Zentrale Position bei Schaeffler

Heute ist Michael Rischke wieder am Hauptsitz in Herzogenaurach tätig, und zwar als zentraler Supply-Chain-Leiter. Das bedeutet in dem weltweit 89 000 Mitarbeiter zählenden Konzern eine Menge, auch wenn er es selbst bescheiden so beschreibt: "Alles, was sich in der Fabrik bewegt und wo Material fließt, da bin ich dabei." Tatsächlich hat der Ursensollener von Auftragseingang und Planung bis zur Auslieferung der Produkte in 65 Fertigungssegmenten alles im Blick. Dazu ist neben der beruflichen Qualifikation vor allem zweierlei nötig: Weitsicht und Organisationstalent.

Beides erkannten von Anfang an auch seine Parteifreunde in Ursensollen. "Wenn jemand in einer so großen Firma arbeitet und so viel Verantwortung für Prozesse trägt, dann kann man das bestimmt auch auf ihn als Person übertragen", war sich die Ursensollener SPD schon 2004 über den Menschen und Macher Michael Rischke sicher. Klar, dass sie den Mann aus Peine nur ein Jahr danach zum Organisationsleiter machte, ihn drei Jahre später zum Ortsvereinsvorsitzenden beförderte, der er bis heute geblieben ist. Obwohl solche Ämter - in der Kreis-SPD ist der Landratskandidat seit elf Jahren auch Kassier - "nicht unbedingt erstrebenswert sind, weil viel Arbeit damit verbunden ist", hat sich der 57-Jährige davor nie gedrückt. Denn die Mitarbeit in der Partei in seiner Wahlheimat hat ihm von Beginn an "Spaß gemacht".

"Was machst du denn hier?"

Dass er dazu kam, hat auch wieder mit seiner Ehefrau zu tun. Als die zwei 2001 gemeinsam nach Ursen-sollen zogen, traf Sigrid Rischke den in unmittelbarer Nachbarschaft wohnenden Norbert Schmid wieder, der ein Schulfreund aus Kinder- und Jugendtagen war. "Was machst du denn hier?", erinnert sich "Sissi" Rischke schmunzelnd an die überraschte Frage von Schmid, als sich die beiden zum ersten Mal in Ursensollen begegneten. Ihre Antwort, "Ich wohne jetzt hier", führte zu ersten Einladungen zu SPD-Treffen, wodurch sich die Neuzugezogenen schnell heimisch und angenommen fühlten in der Gemeinde.

Sigrid Rischke übernahm rasch das Amt der Schriftführerin im Ortsverein - mit ihrem Mann als hilfreichem "Ghostwriter" an der Seite, der dann mit seiner ersten Vorstandsfunktion 2005 auch Parteimitglied wurde. Also eine hausgemachte und aus privatem Anlass entstehende Ursensollener Geschichte und keine glasklare niedersächsisch SPD-geprägte Entwicklung wie viele bei Michael Rischke vermuten. Klar fand er die Partei schon immer sympathisch, wiewohl er zu Zeiten von Bundeskanzler Gerhard Schröder auch Abstriche macht. Dessen Entschluss mit der rot-grünen Bundesregierung zur Umsetzung von Hartz IV empfand das damals gerade frisch gebackene Parteimitglied als Affront für die klassische sozialdemokratische Wählerschaft. "Warum musste das von der SPD kommen?", fragt sich der Landratskandidat noch heute kopfschüttelnd im Angesicht all der Folgen mit Vertrauens- und Wählerverlust, die dann programmiert waren. Darunter leidet die Bundes-SPD im Grunde ja noch bis dato. Dennoch duckte sich der 57-Jährige damals wie heute nicht weg, sondern machte die Partei zu seinem "Hobby". Das sagt er halb spaßhaft, halb ernst.

Als er schon bei der Kommunalwahl 2014 als neuer Herausforderer von Landrat Richard Reisinger antrat und für einen Werbeprospekt seine Hobbys angeben durfte, befragte er seine Frau, was er da an erster Stelle nennen solle. Die habe wie aus der Pistole geschossen geantwortet "Na, die SPD", weil beide damals und heute ihre meiste Zeit tatsächlich mit und für die Partei verbringen. "Stimmt tatsächlich", gab der gebürtige Niedersachse seiner 2013 gerade frisch angetrauten Frau recht. Zumal die privaten Beziehungen zu etlichen Mitgliedern dazuzählen, die längst echte Freundschaften geworden sind.

Aber weil wir gerade bei Hobbys sind: Außer Lesen und "Recherchieren" sowohl zu technischen, berufsnahen als auch tagesaktuellen Themen hat Michael Rischke eine zweite Leidenschaft: das Motorradfahren. Vor 22 Jahren hat er sich durch den gemeinsamen Besuch mit einem zweiradbegeisterten Bekannten in einer BMW-Werkstatt in ein dort stehendes Bike verliebt: eine Yamaha XJR 1200, die der Ursensollener heute noch besitzt und pflegt. Er holt sie zwar aus Zeitmangel nicht mehr so oft aus der Garage wie früher, aber die eine oder andere Tour - früher gerne mal mit Motorradfreunden ins Ausland - springt schon noch raus. Außer dem direkten Umfeld hat die Öffentlichkeit davon wenig mitbekommen: Rischke als Biker auf einer schweren Maschine ist bislang eher unbekannt gewesen. Wo es doch jenes Motorrad war - das erste und einzige -, das ihn ebenfalls in die Region Amberg geführt hat.

Per Motorrad ins neue Glück

Im Frühling 2000 machte der Automobilprodukte-Spezialist eine Spitztour hierher. Natürlich stieg er in der schönen Vilsstadt ab, schaute sich das historische Zentrum an und ging auf einen Kaffee in ein Lokal beim Marktplatz. Dort saß Sigrid am Nachbartisch, die beiden kamen ins Gespräch und verliebten sich. So hat die eine Leidenschaft zur anderen geführt. Das Motorrad brachte ihn zur neuen Liebe und späteren Frau. Jene wiederum weckte seine Begeisterung für Amberg und Ursensollen. Dass sich die zwei hier niederließen, hat zwar den direkten Autobahnanschluss an die A 6 als Grund, der für die tägliche Tour ohne Umwege nach Herzogenaurach sehr wichtig ist. Aber Rischke fährt längst genauso gerne - nein, umso lieber - in die andere Richtung: heim nach Ursensollen, wo seit 19 Jahren sein Zuhause steht. In einem Einfamilienhaus am Buchenweg gleich neben dem Rathaus. Da will der 57-Jährige nicht hin. Sondern, wie man es von ihm angesichts seines beruflichen Erfolgs fast schon erwartet, gleich in die noch höhere Position: Er würde gerne "Landrat für alle" - so sein Wahlslogan - werden.

"Realist" weiß um seine Chancen

Aber bei diesem Wunsch ist er doch wieder ein Stück weit der gebürtige Niedersachse: Der Mann aus dem hohen Norden, der klug und bis auf wenige Oberpfälzer Ausdrücke astreines Hochdeutsch spricht und kühlen Kopf bewahrt. Als "Realist" weiß er, dass seine Chancen, den CSU-Amtsinhaber vom Thron zu stoßen, nicht groß sind. Da kann der SPD-Bewerber so sympathisch, noch so ehrlich und authentisch sein. All das ist Michael Rischke, den seine Parteifreunde gerade deshalb so schätzen. Wenn das andere auch so wahrnehmen, würde sich der 57-Jährige über ihre Unterstützung freuen. Diese Hoffnung hat er nämlich: Dass er im Vergleich zu seiner ersten Landratskandidatur 2014 (16 Prozent der Stimmen) mehr Voten holt, die 20-Prozent-Marke vielleicht hinter sich lässt.

Und wenn damit am Ende der amtierende Landrat doch wieder die Nase vorn hat, ist das für den gebürtigen Peiner auch keine Riesenpein. "Ich habe ein gutes Verhältnis zu Richard Reisinger", sagt Rischke, "wenn's nicht klappt, freue ich mich auf eine weitere gute Zusammenarbeit im Kreistag." Denn darum geht es nach Ansicht des Ursensollener SPD-Chefs in erster Linie: "Für Amberg-Sulzbach gemeinsam an einem Strang zu ziehen."

Abgesehen davon, dass er es hier in seinem Wohnzimmer nach stressigen Tagen in Beruf, Partei und für den Landratswahlkampf darf, sieht es nur so aus, als ob Michael Rischke die Füße hochlegt. Er hat gleichzeitig neben dem Nachrichtenschauen seine Post und SPD-Arbeit in der Hand, die er vorm TV sichtet.
Hintergrund:

Genosse der Bosse?

Gerhard Schröder war aufgrund seiner Nähe zu führenden Wirtschaftsvertretern als "Genosse der Bosse" bekannt. Auch sein Auftreten im Designer-Anzug und mit dicker Zigarre trug zu dieser Sicht bei. Michael Rischke raucht zwar keine Havannas und trägt keine Zweireiher von Brioni, aber im Anzug steckt der niedersächsische Schröder-Landsmann trotzdem oft - aus beruflichen Gründen durch seine Position beim Schaeffler-Konzern. "Auch ein Genosse der Bosse?", lautet deshalb für manchen die Frage.

Die Antwort dürfte sich nicht allein aus seiner Kritik am Ex-Kanzler ableiten lassen, sondern auch an der Art, wie der 57-Jährige seinen leitenden Job versteht und ausübt: Es gehe ihm bei allen Prozessen in seiner Zuständigkeit darum, dass sich die Arbeit nach den Menschen richtet. "Man darf nicht den Blick verlieren, was für die Leute machbar ist. Wie kann man sie zum Beispiel von stupiden Arbeiten befreien?", schildert Rischke sein Rezept und ergänzt: "Mein Anspruch ist, die Arbeitswelt an die Menschen anzupassen und nicht umgekehrt."

Porträt von Landratskandidat Hans Martin Grötsch (FW)

Königstein
Im Blickpunkt:

Die Herausforderer

Drei Gegenkandidaten hat Amtsinhaber Richard Reisinger (CSU) bei der Landratswahl am 15. März. Sie kommen aus den Reihen der SPD, der Grünen und der Freien Wähler. Wir stellen die drei Herausforderer in jeweils eigenen Porträts vor. Heute geht es um Michael Rischke (SPD).

Porträt von Landratskandidat Peter Eckert (Grüne)

Amberg

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