01.04.2019 - 16:25 Uhr
AmbergOberpfalz

In die Schlagzeilen geprügelt

Die Ermittlungsbehörden können inzwischen minuziös nachvollziehen, wie sich das abgespielt hat, was über Tage hinweg als "Prügelorgie" von vier jungen Asylbewerbern durch Amberg bezeichnet wurde. Jetzt gibt es einiges zurechtzurücken.

Gemeinsame Pressekonferenz der Amberger Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei (von links): Hauptkommissar Florian Beck, Kriminaloberrat Gerhard Huf, Leitender Oberstaatsanwalt Joachim Diesch und gruppenleitender Staatsanwalt Oliver Wagner.
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Die Anklage gegen den Iraner und die drei Afghanen, zum Tatzeitpunkt 29. Dezember 17, 18 und 19 Jahre alt, ist raus. Das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Amberg wird in den nächsten Wochen entscheiden, ob und wann es zur Hauptverhandlung kommt. Vernünftige Zweifel an der Zulassung der Anklage bestehen nicht. Ernsthaft bezweifelt kann jedoch werden, ob alles so schlimm war, wie es herbeigeredet und herbeigeschrieben wurde.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz legten am Montag die Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei ihre Ermittlungsergebnisse vor, die mit einem gehörigen personellen Aufwand binnen knapp dreier Monate zusammengetragen wurden. Fast 100 Zeugen seien zu vernehmen gewesen, unterstrich der Leiter der Kriminalpolizeiinspektion, Polizeioberrat Gerhard Huf.

Seine Beamten haben aus dem Gesamtgeschehen 25 Einzelstraftaten herausgearbeitet und in fünf Tatkomplexe unterteilt (siehe oben). Als Geschädigte werden 21 Personen geführt, 15 davon als Verletzte. Insgesamt standen 13 junge Männer in dem Verdacht, an den Übergriffen beteiligt gewesen zu sein. Es blieb jedoch bei den vier Angeschuldigten, die noch am Abend der Vorfälle festgenommen wurden und seither in Untersuchungshaft sitzen. Einem weiteren Beschuldigten wird als Randfigur eine Beleidigung vorgeworfen. Die Taten "waren weder geplant, noch gab es Vorbeziehungen zwischen Tätern und Opfern", betonte Huf.

Die 15 Verletzten trugen fast ausschließlich leichte Blessuren davon. Die Rede war von Prellungen und Hämatomen sowie Schlafstörungen. Eines der Opfer, das einen Schlag mit einer Bierflasche auf den Kopf erhalten haben soll, musste zwei Nächte zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben. Es bestand der Verdacht auf eine Gehirnerschütterung. In die Anklage der Staatsanwaltschaft sind die Vorwürfe der gefährlichen sowie einfachen Körperverletzung, Beleidigung, Sachbeschädigung und Nötigung eingeflossen.

Ein Dossier zum Thema

Amberg

Bei einem der Verdächtigen wurde eine geringe Menge an Betäubungsmitteln gefunden, auch das soll geahndet werden. Die Angeschuldigten, die in unterschiedlichen Konstellationen an den Taten beteiligt waren, standen unter Alkoholeinfluss, auch Drogen waren mit im Spiel. Gruppenleitender Staatsanwalt Oliver Wagner hob hervor, dass bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung gilt. Leitender Oberstaatsanwalt Joachim Diesch sprach zusammenfassend von einem "jugendtypischen Geschehen".

Wenn Langeweile in Übermut umschlage, zusätzlich befeuert durch Alkohol und Drogen, müsse mit solchen Vorfällen gerechnet werden. Das sei nichts Besonderes, verwies Diesch auf seine beruflichen Erfahrungen. Deshalb sei angebracht, die Schuldvorwürfe gegen die vier jungen Männer "losgelöst von deren Herkunft" zu betrachten.

Mehr zum Thema

Amberg

Damit rückten die beiden Staatsanwälte die eine oder andere reißerische Schlagzeile zurecht, die zur Jahreswende Zerrbilder der Sicherheitslage in Amberg zeichneten und eine abermalige bundesweite Diskussion über Fragen der Migrationspolitik losgetreten hatten. Denn 24 Minuten nach dem ersten Notruf und zwölf Minuten nach der letzten Tat waren die Verdächtigen gefasst.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.