07.06.2018 - 13:58 Uhr
AmbergOberpfalz

Servus, Feldjäger!

Mit dem Großen Zapfenstreich hat sich die Panzerbrigade 12 kürzlich verabschiedet. Nun sagen auch die Feldjäger leise und nahezu unbemerkt servus. Von der Leopoldkaserne geht es kommende Woche ins mittelfränkische Roth.

Als letzte Amtshandlung am alten Dienstort entfernt Oberstabsfeldwebel Werner Hutzler, der Spieß der Kompanie, das Dienstellenemblem vom Kompaniegebäude.
von Hans BernreutherProfil

(hbe) "Ich habe mich in Amberg sehr wohl gefühlt und die Zeit sehr genossen", sagt Hauptmann Anne Ryan, Chefin der 9. Kompanie. Es sei aber eine typische Situation, wenn man aus dienstlichen Gründen umziehen müsse. Die Zusammenarbeit mit der amerikanischen Militärpolizei und den örtlichen Polizeidienststellen war sehr gut, man pflegte enge Kontakte.

Stabsfeldwebel Christian Helin, seit 1994 in Amberg stationiert, kann von vielen, nicht alltäglichen Ereignissen während seines Dienstes berichten: Vom Flugzeugabsturz über Hubschraubernotlandungen bis hin zu Ermittlungen wegen privater Sondermüllablagerungen auf Standortübungsplätzen.

1956 in der KWK

Schmunzelnd erzählt der Feldjäger von einem untypischen Einsatz während einer öffentlichen Bundeswehrveranstaltung auf dem Marktplatz. "Wir mussten einen Ruhestörer zu seinem eigenen Schutz vor den aufgebrachten zivilen Zuhörern in Sicherheit bringen". Zu Zeiten der allgemeinen Wehrpflicht chauffierte man auch so manchen Wehrpflichtigen nach einigen Tagen unerlaubten Fernbleibens von der Truppe persönlich an seinen Dienstort zurück.

Die ersten Feldjägerkräfte traten bereits am 1. April 1956 in der Kaiser-Wilhelm-Kaserne ihren Dienst an. Es war der 1. Zug der Feldjägerkompanie 4 aus Regensburg, ihre Dienststelle führte noch die Bezeichnung Feldjägerwachkommando. Mit ihren weißen Koppeln und Schulterriemen und den ebenfalls weißen Schirmmützen waren sie schon von Weitem erkennbar. Fußstreifen in der Amberger Innenstadt oder auf der Dult waren keine Seltenheit.

Bei dem regen Militärverkehr zwischen den großen Übungsplätzen und den zahlreichen Manövern in der Zeit des Kalten Kriegs sorgten sie auf den Oberpfälzer Straßen für sicheres Geleit der Kolonnen. Wie in der Bundeswehr üblich, gab es auch für die Feldjäger in den mehr als 60 Jahren ihrer Präsenz in Amberg Unterstellungswechsel und Umgliederungen. Bis zu 140 Soldaten zählte eine Feldjägerkompanie. Heute waren es knapp mehr als die Hälfte. Aufgrund ihrer besonderen Vorgesetztenfunktion gegenüber allen Soldaten ("Vorgesetzte mit besonderem Aufgabenbereich") tragen die meisten Soldaten einen Dienstgrad ab Feldwebel aufwärts.

Seit 2004 Hunde im Einsatz

Diensthunde als zuverlässige und inzwischen unentbehrliche Begleiter kamen erstmals 2004 in die Leopoldkaserne. Bis zu zwölf Vierbeiner waren in Spitzenzeiten hier untergebracht. Neben einer allgemeinen Ausbildung als Schutzhunde gab es unter ihnen auch Spezialisten für das Aufspüren von Sprengstoffen oder Betäubungsmitteln.

Das Amberger Feldjägerdienstkommando, so der heutige Name, hatte die offizielle Bezeichnung 9. Kompanie des Feldjägerregiments 3. Mit mehreren Fahrzeugstreifen waren die militärischen Ordnungshüter während der Woche in ihrem Einsatzraum zwischen Hof, Rothenburg, Beilngries und Weiden unterwegs. Unter dem Rufnamen Aurora beorderte sie die Einsatzleitung zu den jeweiligen Vorfällen. Ihre Einsatzbereitschaft betrug stets 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche.

Am 30. Juni nun stellt auch der letzte Nutzer der militärischen Liegenschaft, die Bundeswehr-Fuhrpark-Service GmbH, seinen Betrieb in der Leopoldkaserne ein. Es handelt sich um eine bundeseigene Vermietungsgesellschaft für ungepanzerte Radfahrzeuge vom Mini bis zum geländegängigen Lkw. Der weiß-rote Schlagbaum an der Kaserneneinfahrt senkt sich dann zum letzten Mal.

Info:

Hintergrundinfo

Die Feldjäger sind heute ein vielseitiger Dienstleister für deutsche und verbündete Streitkräfte. Zu ihren Aufgaben im In- und Ausland zählen militärischer Ordnungs- und Verkehrsdienst, Absicherung von Veranstaltungen der Bundeswehr, und als Schwerpunkt Erhebungen und Ermittlungen, zum Beispiel bei schweren Unfällen. Sie übernehmen auch Aufgaben als Personenschützer.

So ein Bild wird es in Amberg wohl nicht mehr geben.
Hauptfeldwebel Vicente Garcia, Diensthundeführer in der Kompanie, mit seinen beiden Arbeitskollegen Nelly (12 Jahre) und Woody (3 Jahre). Nelly (links) war mehrere Male mit Garcia im Auslandseinsatz und blickt auf eine erfolgreiche Karriere als Spezialistin im Aufspüren von Betäubungsmitteln zurück. Woody ist für das Auffinden von Sprengstoffen ausgebildet.
Mit der materiellen Ausstattung waren die Soldaten sehr zufrieden.
Die Dienstunterlagen der Kompaniechefin, Hauptmann Anne Ryan, sind mittlerweile auf dem Weg nach Roth.
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