05.12.2021 - 10:36 Uhr
AmbergOberpfalz

Sexualisierte Gewalt in Amberg kein Tabuthema

Rund um den "Tag gegen Gewalt an Frauen" fand in Amberg eine Themenwoche gegen sexualisierte Gewalt statt. Ziel war es, auf das Thema aufmerksam zu machen. Die Vorträge und Workshops kamen bei den Teilnehmern gut an. Eine Bilanz.

Das Rosenverteilen durch den SkF war Teil der Aktionswoche gegen sexualisierte Gewalt. "Rosen statt Veilchen" hieß es auf der Krambrücke in Amberg.
von Celina Rieß Kontakt Profil

Sexualisierte Gewalt soll in Amberg kein Tabuthema mehr sein. Um den Fokus darauf zu richten, veranstaltete der Arbeitskreis gegen sexualisierte Gewalt Amberg/Amberg-Sulzbach in Kooperation mit der Kommunalen Jugendarbeit eine Themenwoche. Es gab digitale Angebote für Kinder und Jugendliche, Eltern, Fachkräfte und Interessierte. Dabei gestalteten die Organisatoren Workshops, Vorträge und Kurse zu verschiedenen Bereichen.

Im Großen und Ganzen ist die Themenwoche laut Marianna Neugirg und Alina Benedikt sehr positiv verlaufen. Die beiden arbeiten in der Fachstelle für sexuelle Gewalt beim Sozialdienst katholischer Frauen in Amberg und haben die Themenwoche mit organisiert. Allerdings habe es nicht so viel Andrang gegeben wie erhofft. Außerdem mussten zwei Veranstaltungen aufgrund der aktuellen Corona-Lage abgesagt werden. Meistens waren es zwischen 8 und 10 Teilnehmer pro Veranstaltung. Insgesamt haben 89 Personen teilgenommen. Besonders viel Resonanz gab es für den Workshop "Ist das eigentlich normal? Zwischen Doktorspiel und sexuellem Übergriff". Allerdings sei bei diesem Thema die Verunsicherung auch häufig sehr groß, denn gerade in der Sexualität von Kindern käme oft die Frage auf, was normal ist und wann man sich Gedanken machen sollte. „Ich glaube, dass die Veranstaltung auch deswegen so viel Aufsehen erregt hat“, sagte Benedikt in ihrer Bilanz gegenüber Oberpfalz-Medien.

Vielfalt an Themen

Auch selbst hätten die beiden Pädagoginnen viel für ihre eigene Beratung aus der Themenwoche mitgenommen. Durch das praktische Wissen der Dozenten und die Infos aus erster Hand hätten auch die beiden mehr Sicherheit bekommen für den Umgang in gewissen Situationen. „Es gibt immer Einzelfälle und Individuen, aber die Vorträge haben eine grobe Richtlinie für viele Punkte gegeben", erklärte Neugirg. Ihre Kollegin Benedikt ergänzte: „Natürlich wären die Veranstaltungen in Präsenz wahrscheinlich noch eindrucksvoller gewesen, aber der große Vorteil war, dass es so möglich war, mit Dozenten von weiter weg zu arbeiten.“ Außerdem sei die große Vielfalt der Vorträge in Präsenz wahrscheinlich nicht so möglich gewesen. Der Arbeitskreis hatte die Veranstaltungen aufgrund der Pandemie ohnehin hauptsächlich online geplant.

"Hilfe suchen ist okay"

Was die Inhalte angeht, sei aber nichts verloren gegangen. Denn der Sinn der Veranstaltungsreihe war es, das Thema an die Öffentlichkeit zu tragen und Interessierte zu informieren. „Ich denke, das ist uns ganz gut gelungen, wir haben auch durchweg positives Feedback bekommen. Vor allem waren die Leute froh, dass dieses Thema aufgegriffen wurde", sagte Alina Benedikt.

Auch persönlich liege den beiden viel daran, das Thema in den Vordergrund zu rücken. Denn es sei noch viel zu oft tabuisiert und schambehaftet. Viele Geschädigte hätten das Gefühl, eine Teilschuld zu haben und würden sich deshalb nicht trauen, darüber zu sprechen. Den beiden Organisatoren ist es ein Anliegen in die Öffentlichkeit zu bringen, dass es sexualisierte Gewalt gibt, diese ganz unterschiedlich ausfallen kann – und es okay ist, sich Hilfe zu holen. Natürlich sei es auch eine gute „Werbung“ für die Fachstelle, wenn mehr Menschen darauf aufmerksam werden, dass sie sich an den Arbeitskreis wenden können und dort jemand für sie da ist. Neugirg ergänzte abschließend: „Wir wollen darauf aufmerksam machen, hinzuschauen und lieber einmal öfter anzurufen, als einmal zu wenig.“

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„Natürlich wären die Veranstaltungen in Präsenz wahrscheinlich noch eindrucksvoller gewesen, aber der große Vorteil war, dass es so möglich war mit Dozenten von weiter weg zu arbeiten."

Alina Benedikt

Alina Benedikt

„Wir wollen darauf aufmerksam machen, hinzuschauen und lieber einmal öfter anzurufen, als einmal zu wenig.“

Marianna Neugirg

Marianna Neugirg

 

 

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