30.12.2020 - 10:21 Uhr
AmbergOberpfalz

Silvester-Feuerwerk: Hier bastelt der Staatlich geprüfte Großfeuerwerker

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Andreas Scheibl hat ein Faible für Schall und Rauch: Der gebürtige Amberger hat sich nebenberuflich zum Staatlich geprüften Großfeuerwerker ausbilden lassen. Als solcher darf er an Silvester eines der wenigen Feuerwerke in Bayern zünden.

Andreas Scheibl mit einer Abschussvorrichtung. Die Rohre werden mit den Sprengkörpern gefüllt.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Das hatte er so auch nicht erwartet: Durch die Gemeinschafts-Initiative „Feuerwerk auf Abstand“ in Freudenberg wird Andreas Scheibl einer der wenigen Pyrotechniker in ganz Bayern sein, die in der Silvesternacht ein Feuerwerk zünden. „Die Idee dazu ist ja schon lange vor dem harten Lockdown entstanden“, erzählt der 48-Jährige. „Man hat sich überlegt, was man tun kann, um Menschenansammlungen auf den Straßen zu vermeiden und auch Unfälle mit Krachern und Raketen möglichst auszuschließen.“ So sei der Appell erfolgt, an Silvester daheim zu bleiben, das Geld für Kracher lieber zu spenden und das Feuerwerk einem Profi zu überlassen.

Andreas Scheibl nimmt diese Aufgabe sehr gerne wahr. Er erinnert sich an seine Kindheit, an Silvester im Amberg der 1980er Jahre: „Da flogen die Chinaböller nur so von den Balkonen.“ Klar, er war auch unter den Jungs, die damals recht unbekümmert mit den neumodischen Krachern umgegangen sind. „Natürlich war das aufregend“, blickt er zurück. Aus heutiger Sicht gruselt es ihn, wenn er daran denkt, was da alles hätte passieren können.

Coronakonformes Gemeinschaftsfeuerwerk

Freudenberg

Die Faszination für Kracher und Raketen hat ihn sein ganzes Leben lang begleitet. Heute, mit 48 Jahren, ist er einer der wenigen Experten auf diesem Gebiet in der Oberpfalz. Scheibl hat neben seinem Beruf als Banker an der Pyrotechnikerschule im oberbayerischen Peißenberg die zweijährige Ausbildung zum Staatlich geprüften Großfeuerwerker absolviert. Und er sieht vor allem das Böllern zu Silvester aus einem professionellen Blickwinkel. "Wir liegen so nah an den Ramsch-Märkten entlang der tschechischen Grenze", sagt er. "Mir ist es echt ein Anliegen, die Leute für einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem Feuerwerk zu sensibilisieren."

20 Kilogramm Nettoexplosivmasse

An Silvester vergangenen Jahres hat Scheibl für Freudenberg ein Höhenfeuerwerk organisiert. 20 Kilogramm Nettoexplosivmasse (NEM) jagte er dabei bis 200 Meter hoch in die Luft. "Das ist schon ziemlich viel", sagt er. So viel, dass er jede Menge Vorbereitungszeit und Sicherheitsvorkehrungen investiert hat. Während andere Party machten, legte der 48-Jährige am Johannisberg die Zündschnüre und vertrieb den einen oder anderen Zaungast. "Wir sperren das Gelände rund um den Abschussort sicherheitshalber ab."

Wenn Scheibl am Feuerwerk werkelt, dann tut er das mit Hingabe. Die Licht-Effekte, die den Himmel erhellen, sind sorgfältig ausgewählt. "Da ist man quasi ein Komponist", erklärt er. Und weil das allgemeine Gekrache an Silvester da die Harmonie stören würde, wartet er am Jahreswechsel immer ein paar Minuten, bis es ruhiger wird. "Es ist ja auch viel schöner, wenn man sich die ersten fünf Minuten nach Mitternacht wirklich Zeit nimmt, um seinen Liebsten stressfrei und innig ein gutes neues Jahr zu wünschen." Danach können sie aufsteigen - Herzblume, Kokospalme, Feuerregen und wie sie alle heißen.

Geheimes Sprengstofflager

Damit er alles vorrätig hat, betreibt Scheibl ein kleines Sprengstofflager in der Gemeinde Freudenberg. Wo es liegt, verrät er natürlich nicht. Aber er hat Oberpfalz-Medien einen Einblick gewährt. Feuerwerksbomben der unterschiedlichen Sprengklassen sind da in Regalen gestapelt, Zündkabel liegen bereit und natürlich dutzende Rohre samt Abschussvorrichtungen. Das alles findet sich gut geschützt in einem Bundeswehr-Shelter. Die gepanzerte Kabine erfüllt alle sprengstoffrechtlichen Vorgaben für die Lagerung und ist gut versteckt.

Am Silvester-Nachmittag wird Scheibl den Schlüssel zücken, aufsperren und ein paar besondere Schmankerl für das Freudenberger Feuerwerk herausholen. Dann freut er sich auf Mitternacht, wenn sein Kindheitstraum wahr wird.

Das gilt beim Silvester-Feuerwerk

Amberg
Info:

Feuerwerk während der Ausgangssperre

In der Silvesternacht wird Pyrotechniker Andreas Scheibl in Freudenberg ein Höhenfeuerwerk zünden. Schon vor dem harten Lockdown hatten sich dort einige Leute zusammengetan, um ein corona-konformes „Feuerwerk auf Abstand“ zu organisieren.

  • Mit der Initiative sollte das private Abbrennen von Feuerwerk auf den Straßen mit den damit verbundenen Menschenansammlungen vermieden werden.
  • Nach dem harten Lockdown wurde das Vorhaben den Behörden zur Prüfung vorgelegt. Die amtlichen Stellen hatten keine Einwände.
  • Wichtig ist, dass auch in der Silvesternacht eine Ausgangssperre gilt. Die Menschen in Freudenberg sind ausdrücklich dazu aufgefordert, das Feuerwerk nur von ihren Wohnungen aus anzuschauen.
  • Der Pyrotechniker darf seine Wohnung ausnahmsweise verlassen, weil er einer gewerblichen Tätigkeit nachgeht.
  • Mit dem „Feuerwerk auf Abstand“ ist eine soziale Aktion verbunden. Ein Teil des zusammengelegten Geldes kommt der Nachwuchsarbeit der Feuerwehr zugute.

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