Amberg
26.09.2022 - 18:21 Uhr
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Skate-Halle mitten in der Stadt: Verein Kulturfabrik Amberg hofft auf Unterstützung

In Eigenregie hat der Verein Kulturfabrik Amberg eine gigantische Skate-Halle mitten in der Stadt gebaut. Nun hoffen die Mitglieder auf Unterstützung aus dem Rathaus, um daraus ein öffentliches Kulturzentrum für junge Erwachsene zu machen.

Ein gängiges Klischee lautet, dass es in der Stadt Amberg wenig kulturelle Angebote für junge Erwachsene gibt. Ein weiteres Gerede, das sich ähnlich hartnäckig hält, ist, dass viele junge Erwachsene überhaupt kein Interesse daran haben, an dieser Situation etwas zu ändern.

Im Amberger Milchhofviertel steht eine unscheinbare ehemalige Industriehalle. Wer sie betritt, wird sofort eines Besseren belehrt, was die eingangs angesprochenen Klischees betrifft. Dort nämlich haben die Mitglieder des Vereins Kulturfabrik Amberg zusammen mit dem Skateboardbauer Christoph Schubert eine riesige Skate-Halle hineingebaut. Alles in Eigenregie, ebenfalls alles mit eigenen finanziellen Mitteln, wie der Vereinsvorsitzende Josh Eichermüller erklärt. Dank des handwerklichen Fachwissens Schuberts und seines elterlichen Betriebs, Amberger Werkzeugbau, über den Schubert Holzmaterial zur Verfügung gestellt bekommen hat, wurde aus einer normalen Halle ein Paradies für Skater. "Ohne die Hilfe meiner Eltern hätte die Skate-Bahn noch mal rund 10.000 Euro mehr gekostet", sagt Schubert.

Noch ist die Halle privat und hat eine Genehmigung als Testparcours für die dort produzierten Skateboards. Eichermüller hofft aber, dass sich das eines Tages ändern wird und daraus ein öffentliches Kulturzentrum für Jugendliche und junge Erwachsene werden wird. Neben der 250 Quadratmeter großen Skate-Strecke gibt es eine Bar und eine zweite Ebene auf einer Lagerbühne mit einem Sitzbereich, der an ein Wohnzimmer erinnert. In einem abgetrennten Teil entwirft und baut Schubert seine Boards.

So geht es für Verein nicht weiter

Was nach der Erfüllung eines Lebenstraums klingt, war nicht nur ein handwerklicher Kraftakt, sondern stellte für die Vereinsmitglieder auch eine große finanzielle Herausforderung dar. "Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir privat nicht mehr weiterkommen", sagt Eichermüller.

Alleine die monatlichen Mietkosten für das Gebäude, das sich die Skater mit Schubert teilten, um die Halle gemeinsam zu nutzen, überstiegen die Mitgliedsbeiträge bei Weitem. "Bei unseren Mitgliedern ist es aktuell so, dass sie nicht nur ihren Mitgliedsbeitrag zahlen, sondern auch sehr viel Geld an den Verein spenden müssen, damit wir die Halle überhaupt stemmen können."

Den Verein hätten die Mitglieder aber nicht nur gegründet, um skaten zu können, sondern mit einer anderen Absicht: "Wir wollen ein kulturelles Zentrum in Amberg schaffen, in dem man auch andere Veranstaltungen machen kann. Uns schwebt ein gewisser Barbetrieb am Abend vor, aber auch Lesungen, Videoabende und Workshops, die in den Rahmen passen", erklärt Vereinsmitglied Max Hohlheimer. "Eventuell könnten wir uns auch vorstellen, Konzerte zu veranstalten, die Rahmenbedingungen und der Standort müssen passen."

Das aber ist auch der Haken an der Sache. Um das Zentrum öffentlich machen zu können, muss der Verein nicht nur hohe behördliche, sondern auch finanzielle Hürden nehmen. Schubert erklärt: "Im Laufe der Zeit sind rahmentechnische Probleme aufgetreten, die wir nicht erwartet hatten. Lärmgutachten, Brandschutzwände, behördliche Genehmigungsverfahren sind einige Schlagwörter." Eichermüller fügt hinzu: "Das kostet jede Menge Geld. Das sind Sachen, bei denen es uns als Verein schlicht an den Finanzen mangelt."

Damit aus der Idee vielleicht doch Realität werden kann, haben sich die Mitglieder um Eichermüller vorgenommen, direkt auf die Stadt Amberg zuzugehen. "Wir werden anfragen, ob es Unterstützungsmöglichkeiten gibt und welche Schritte notwendig sind, das Kulturzentrum für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen."

Gespräch mit OB vor Corona

Eichermüller hat auch Ambergs OB Michael Cerny als Ansprechpartner im Visier, um ihn an eine alte Unterredung zu erinnern. Cerny hatte Eichermüller zufolge bereits vor der Coronapandemie ein Gespräch mit ihm. "Dabei zeigte er sich unserer Sache gegenüber nicht abgeneigt. Er hat uns Vorschläge gemacht und besorgte auch einen Termin für uns im Bauamt, um die Rahmenbedingungen zu klären." Die Pandemie machte dem Plan einen Strich durch die Rechnung, der Termin platzte. Weil die Halle bereits gemietet war, machte sich der Verein an den Bau der Skate-Strecke.

Verein für Alternativen offen

Hohlheimer erinnert sich an ein gewisses Misstrauen vonseiten der Stadt, ob die Vereinsmitglieder auch tatsächlich dazu in der Lage wären, ihre Pläne umzusetzen. Eichermüller: "Dazu muss man aber sagen, dass es völlig klar ist, dass ein Bürgermeister erst Mal zweifelt. Er kannte uns ja nicht. Dass wir dazu in der Lage sind, zum Beispiel eine Skate-Halle zu bauen, das haben wir jetzt bewiesen. Wenn wir das bauen können, können wir es auch managen." Eichermüller betont, dass der derzeitige Standpunkt der Halle kein Muss für den Verein ist. "Wenn die Stadt beispielsweise auf uns zukommen würde und sagen würde, dass es die Möglichkeit an einem anderen Ort gibt, da etwas zu pachten, wären wir natürlich dabei."

Eichermüller und Hohlheimer sind davon überzeugt, dass mehr als genügend Interesse in Amberg an einer Skatehalle, die man auch in Herbst und Winter nutzen kann, besteht. Dennoch hebt der Vereinsvorsitzende noch einmal hervor, geht es ihm nicht nur um eine Skate-Strecke. "Wir hatten zum Beispiel kurzzeitig ein Trampolin vor der Halle stehen. Das mussten wir wieder abbauen, weil da auf einmal täglich 20 Kinder aus der Nachbarschaft zum Spielen kamen und wir uns nicht sicher waren, wie es rechtlich wäre, sollte sich jemand verletzen."

Eichermüller zufolge besteht in Amberg dringender Bedarf an einem Kultur- und Freizeitzentrum auch für Jugendliche und junge Erwachsene, der nicht allein mit der Existenz und dem Angebot des Klärwerk-Jugendzentrums gedeckt werden kann. Gerade junge Erwachsene seien oftmals schon zu alt für das klassische JUZ-Angebot. "Schon die Erfahrung mit dem Trampolin hat mir gezeigt, dass es allein im Milchhofviertel so viele Kinder und Jugendliche gibt, die Lust auf einen Ort haben, an dem sie sich einfach treffen können."

Schon vorher eine Skate-Garage

Noch vor Vereinsgründung hatten Eichermüller und Schubert mit ihren Freunden in der Alten Hutfabrik eine Mini-Skate-Rampe gebaut. "Damals waren wir ein loser Haufen", erinnert sich Eichermüller. Die Freunde hatten Blut geleckt. "Wir haben uns vorgenommen, das groß aufzuziehen, und haben erst mal einen Verein gegründet."

Zugute kam den Vereinsmitgliedern Schuberts Handwerksbetrieb, der potenziellen Vermietern die finanzielle Sicherheit vermittelte, die bei einem gemeinnützigen Verein alleine vermutlich auf mehr Skepsis gestoßen wäre.

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Amberg26.09.2022
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