26.04.2019 - 15:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Sophia Weiß' Liebe gilt dem Porzellan

Sophia Weiß (29) will keinen Bürojob. Die junge Töpfermeisterin aus Mallersdorf in Niederbayern hat sich bewusst für einen handwerklichen Beruf entschieden - in einem Dorf am Stadtrand von Amberg.

von vfiProfil

Im Gegensatz zu vielen jungen Leuten ihrer Generation, sieht sie die Zukunft der Arbeitswelt nicht allein in der Digitalisierung und der Automation. In Zeiten, in denen fast jedes gekaufte Produkt aus asiatischen Fabriken stammt, beobachtet die junge Töpferin ein wieder wachsendes Interesse an echter Handarbeit aus der Region. An diesem Wochenende verkauft sie ihre Arbeiten auf dem Krügelmarkt am Malteserplatz.

"Meinem Vater zu verkünden, dass ich mein Studium abbreche, um etwas Handwerkliches zu erlernen, war schon nicht ganz leicht", erinnert sich Weiß. Sie studierte gerade Germanistik und Kunstgeschichte in Bamberg, als sie sich 2011 ein Herz fasste und eine Ausbildung an der Berufsfachschule für Keramik in Landshut startete. Im Gegensatz zur theoretischen Lehre im Studium, packte sie die Leidenschaft für die Arbeit an der Töpferscheibe von Anfang an. Nach vier Jahren Grundlagenarbeit wechselte sie zur Meisterschule über. Ihr Abschluss mit Auszeichnung zur besten Projektarbeit verjagte letztendlich die restlichen Zweifel, den richtigen Berufsweg eingeschlagen zu haben.

Anspruchsvoll in der Verarbeitung

Weiß besondere Liebe gilt dem Porzellan. Das Material ist in der Verarbeitung enorm anspruchsvoll und lässt sich deutlich schwieriger auf der Töpferscheibe drehen als übliche Tonarten. Genau solche Herausforderungen spornen die junge Töpferin an. Geduldig fertigt sie kleine Gebrauchsgegenstände wie Vasen, Dosen und Tassen aus dem strahlend weißen Material. Eine aufwendige Dekortechnik, bei der winzige chemisch eingefärbte Bällchen wie eine Art Blindenschrift auf die Oberfläche aufgetragen werden, entwickelte sich inzwischen zu Weiß' Markenzeichen. Entgegen der puristischen Einfachheit und der starren Geometrie im heute modernen Design, sind ihre Arbeiten von symmetrischen fließenden Formen und floralen Elementen geprägt. Die Töpfermeisterin sieht ihre Arbeit als Alltagskunst: "Ich möchte einem so kleinen und beiläufigem Gegenstand wie einer Dose oder einem Becher so viel Aufmerksamkeit widmen, dass er ein kleines Schmuckstück oder gar ein kleines Kunstwerk wird."

Amberg

Nach ihrer abgeschlossen Ausbildung machte sich Weiß schließlich selbstständig und zog mit ihrem Freund nach Amberg. Im idyllischen Ortsteil Schäflohe fanden sie eine zweistöckige Wohnung, deren Erdgeschoss sie als Werkstatt einrichteten. "Die Abgeschiedenheit hier in Schäflohe ist für mich ideal", sagt Weiß, "denn die Nähe zur Natur und die Ruhe zwingt mich automatisch, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren." Was sich förderlich auf die Kreativität auswirkt, erschwert allerdings den Umsatz. Die frischgebackene Unternehmerin kann sich noch keinen Laden in einer Einkaufslage leisten und in Schäflohe kommt niemand zufällig vorbei. Glücklicherweise kann sich Weiß in diesem Punkt auf ihren Freund Sebastian Heinrichs verlassen. Er studiert Medienproduktion an der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Amberg und hilft fleißig bei der Vermarktung der Porzellanprodukte. Was er vormittags im Hörsaal lernt, setzt er nachmittags direkt zu Hause um. So hat er extra ein kleines Fotostudio für die Vasen, Tassen und Dosen im Wohnzimmer eingerichtet. Regelmäßig knippst er die neue Ware seiner Freundin und lädt die Fotos auf eine selbst gebaute Webseite hoch.

Neuigkeiten bei Instagram und Facebook

Natürlich teilt Heinrichs alle Neuigkeiten aus der Werkstatt auch über Kanäle wie Facebook und Instagram. Vor allem Weiß' Liebe zum Detail und der enorme Zeitaufwand, der hinter jedem ihrer handgefertigten Produkte steckt, fasziniert das internationale Publikum in den sozialen Netzwerken. Durch kurze Videos gibt das Paar der wachsenden Fangemeinde einen Einblick in den täglichen Entstehungsprozess. Die Töpferin hofft, dass ihre Art der entschleunigten Herstellung den späteren Käufer zu mehr Wertschätzung anregt: "In jedem einzelnen Stück stecken viele Stunden hoch konzentrierte Arbeit und jahrelange Übung. Mit etwas Glück versinkt man auch beim Anschauen länger als nur einen Augenblick."

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