08.11.2019 - 15:54 Uhr
AmbergOberpfalz

Spezialmörtel für Ambergs Radfahrer

Für Ambergs Radler ist der Weg über Mühl- und Franziskanergasse zum Schrannenplatz eine der gefürchtetsten Holperstrecken. Noch. Denn hier tut sich was mit dem Wundermörtel einer Amberger Firma.

Begeisterung beim Oberbürgermeister über den neuen Fahrradstreifen in der Franziskanergasse. Johannes Heckmann (vorne), der Chef von Korodur sieht es mit Freude, dass der Spezialmörtel aus seinem Haus einen Beitrag zur Fahrradfreundlichkeit der Stadt leistet.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Wer keine Federung oder Bandscheiben aus Stahl besitzt, machte bisher mit seinem Fahrrad einen großen Bogen um die Bereiche der Altstadt, die mit dem großen Granitpflaster, den sogenannten Katzenköpfen bedeckt sind. Der Granit aus dem Bayerwald ist nur etwas für harte Naturen - oder Touristen, die sich hierher verirrt haben. Diese Tatsache fiel auch den Macherinnen des Amberger Radverkehrskonzeptes auf, die unter Punkt 65 eine Verbesserung in diesem Bereich forderten.

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Nun fügte es sich, dass Johannes Heckmann, der Eigentümer von Korodur, einem Amberger Spezialisten in Sachen Beton und Mörtel, einen Artikel in der Amberger Zeitung las, in dem davon die Rede war, hier eine Art Teststrecke zu bauen. Um zu sehen, ob es möglich wäre, die Fugen zwischen den Katzenköpfen zu füllen und das Pflaster selbst abzufräsen. Daraufhin meldete sich Johannes Heckmann beim städtischen Tiefbauamt und bot seinen Spezialmörtel namens Rapid Set sowie dessen Einbau an.

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Seit einigen Tagen nun machen die Spezialisten der Firma Blessing aus dem Baden-Württembergischen Notzingen genau dieses Arbeiten - zur Überraschung der Amberger. Korodur-Chef Johannes Heckmann erläuterte am Donnerstag vor Ort Oberbürgermeister Michael Cerny und Teilen der CSU-Fraktion bei einem eilends einberufenen Ortstermin das Besondere an Mörtel und Verfahren. So wurde Rapid Set ursprünglich vor knapp 40 Jahren für das amerikanische Militär entwickelt, um etwaige Bombentrichter schnell füllen und wieder befahren zu können.

Rapid bedeutet schnell - und das ist laut Heckmann ein Vorteil des Spezialmörtels, den es in Deutschland nur bei Korodur gibt. Er bindet sehr schnell ab, die Straße muss nicht extra gesperrt werden für den Einbau. "Außerdem ist er wesentlich klimaneutraler als normaler Mörtel", sagte Heckmann. Ein "grüner" Zement, zu 100 Prozent mineralisch und absolut unverwüstlich. Normalerweise setzt Korodur ihn unter anderem bei der Sanierung von Startbahnen von Flughäfen ein, wo es ebenfalls sehr schnell gehen muss.

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Spezialist für den Einbau und das Abfräsen des Pflasters mit einer patentierten Schleifmaschine ist Manfred Blessing, der bisher vor allem in Baden-Württemberg einige Referenzflächen geschaffen hat. Amberg ist der erste Auftrag in Bayern. "Der erste Interessent aus Nürnberg hat sich bereits angemeldet und will sich den Radweg demnächst anschauen", erzählte Johannes Heckmann.

Der Oberbürgermeister samt CSU-Fraktion wollte es dann aber wissen und den Praxistest machen. Zwar dauerte es ziemlich, bis die zahllosen Autos endlich durchgefahren waren, doch dann herrschte durchweg Begeisterung über den angenehmen Fahrkomfort. Nicht so glatt wie ein Baby-Popo, so das Urteil, aber sehr komfortabel im Vergleich zu bisher. Der Fahrradweg, der auch für Rollstuhl- oder Rollatorfahrer vorteilhaft ist, wird links und rechts der Fahrbahn entstehen, ein Querung soll auch kommen.

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