27.02.2021 - 17:03 Uhr
AmbergOberpfalz

Spontane Kunstaktion: 400 Schmetterlinge fliegen zum Luftmuseum

Jetzt wurde auch Amberg "gebombt" - im positiven Sinne. Die "Yarnbomber" haben die Amberger Altstadt entdeckt: Sie schmückten den Baum vor dem Luftmuseum mit 400 bunt-gehäkelten Schmetterlingen.

von Uli Piehler Kontakt Profil

"Yarnbombing" - was ist das? "Eine pfiffige Idee, die aus Amerika kommt", erklärt Heike Unger. Sie hat diese Form der Straßenkunst nach Amberg gebracht. Yarn ist das englische Wort für Garn. Die "Yarnbomber" sind allesamt Freunde des Häkelns, die sich über das Internet vernetzen, austauschen und sich zu spontanen Aktionen im öffentlichen Raum verabreden. Ein aufsehenerregendes Treffen hat es erst im Januar in Stuttgart gegeben. Dort haben Häkel-Freunde aus ganz Deutschland den Eugensplatz mit 3000 wollenen Schmetterlingen geschmückt - als Lichtblick in der Corona-Pandemie, wie die Organisatoren erklärten.

Die Straßen-Aktion in Stuttgart

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Jetzt bekommt erstmals die Oberpfalz etwas von diesem Licht ab: Seit Samstag baumeln mehr als 400 pinkfarbene, froschgrüne, feuerrote, himmelblaue und "gruserlgelbe" Schmetterlinge in allen Variationen von den Ästen des Baumes, der am Eichenforstplatz vor dem Luftmuseum steht. Heike Unger steht auf einer Leiter, schaut durch die Zweige und strahlt. "Das passt so gut, weil ja gerade im Luftmuseum die Schmetterlings-Ausstellung läuft, die leider keiner sehen kann", sagt sie. Die gehäkelten Artgenossen sollen draußen an die Ausstellung erinnern und Passanten Freude machen.

Ausstellung "Schmetterlinge im Bauch"

Amberg

Video zum Yarn-Bombing in Stuttgart

Freude bereiten, für "Ah-Momente" sorgen - das will die Yarngang, der mittlerweile rund 50 Aktivisten aus dem ganzen Bundesgebiet angehören. Heike Unger ist immer noch die einzige Oberpfälzerin in der Gruppe. Sie hat am Samstag ihre Familie mit eingespannt - beim Häkeln und auch beim Aufhängen der bunten Falter. Ein Unterfangen, das sich die Ebermannsdorferin ein bisschen leichter vorgestellt hat. Sie steht auf den obersten Sprossen der ausfahrbaren Leiter und streckt sich, um die Schnur um die äußersten Zweige zu wickeln. Unten drückt Nichte Emilia Lampe sicherheitshalber gegen das Gestänge. Und Mutter Karin Scheuer reicht schon die nächste Schmetterlingskette. Kunst ist echte Arbeit.

Mit der Stadt abgesprochen

Normalerweise kommen die Yarnbomber quasi über Nacht. Die Kunstaktionen sollen die Leute überraschen. Ganz so war es in Amberg nicht. Heike Unger hat vorsichtshalber bei der Stadtverwaltung nachgefragt, ob es Probleme geben könnte. "Gibt es nicht", berichtet die Schmetterlings-Häklerin, die auf die Reaktionen der Passanten gespannt ist. "Es soll ein Hingucker sein, etwas, das beim Vorbeigehen Freude bereitet", sagt sie. Und irgendwann hängt sie die Kunststücke wieder ab.

Die Aktion in Amberg ist eine von 16 in ganz Deutschland. Acht Städten sind die gehäkelten Schmetterlinge bisher schon zugeflogen, in weitern acht werden sie demnächst noch auftauchen. Und Heike Unger mischt noch bei einem anderen Projekt mit. Die Organisatorin der Kunstaktion in Stuttgart, Elke Hahn, hat eine Einladung in die Schweiz bekommen. Dort soll sie im Juni ein ganzes Bergdorf mit Straßenkunst aus Wolle verschönern. Und die Ebermannsdorferin wird dabei sein, zusammen mit den Schmetterlingen, die gerade vor dem Luftmuseum im Wind baumeln. "Die nehm ich mit als Gruß aus der Oberpfalz." Die Yarngang würde sich freuen, wenn ihre Aktion Kreise zieht: Wenn es irgendwo Häkelfreunde gibt, die mitmachen wollen, lässt sich das jederzeit einfädeln.

Alle Infos und Anleitungen fürs Schmetterlinge-Häkeln gibts hier

Auch in Frankfurt am Main gab es eine aufsehenerregende Aktion

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