Sie macht "nur" Herzsport und den "nur" im Sitzen. Aber Johanna Weinzierl hat ein schwere Herzoperation überstanden und sich Schritt für Schritt ins Leben zurückgekämpft. Mit ihren heute 92 Jahren macht sie nicht den Eindruck, sie müsse unbedingt zum alten Eisen gerechnet werden. Tochter Jutta kann ein Lied davon singen, wie quirlig die Mutter immer noch ist, wie unternehmenslustig und vor allem lebenstüchtig.
Leben in Bewegung
"Ein Leben in Bewegung" hat sie den kleinen Lebenslauf überschrieben, den sie zum Gespräch vorbereitet hat. Den tatsächlich stand das Leben von Johanna Weinzierl immer unter diesem Stern. Aktiv war die 1926 geborene Ambergerin schon immer. Sie lernte den Beruf der Friseurin, für den Reichsarbeitsdienst leitete sie dann gleich zwei Friseurgeschäfte, wie sie erzählt. Nach dem Krieg half sie zusätzlich noch als Visagistin beim Theater aus. Eine große Zeit des Schauspiels, wie sie mit einem Leuchten in den Augen erzählt. Damals wurde während des Winterhalbjahres regelmäßig gespielt. Schauspiel, Operette oder Singspiel standen auf dem Spielplan. Und immer mitten drin Johanna Weinzierl. Sie änderte in wenigen Minuten, die ihr zwischen den Auftritten blieben, die Frisuren der Schauspielerinnen, schminkte nach und brachte die Garderobe der Künstler in Ordnung. Eine tolle Zeit für eine junge Frau mit Spaß am Theater und am Leben.
Das änderte sich, als sie ihren Alfons kennenlernte. 1952 wurde geheiratet, zwei Mädchen gingen aus dieser Ehe hervor. Gemeinsam mit ihm führte sie ein Groß- und Einzelhandelsgeschäft für Textilien in der Lederergasse. Alfons Weinzierl engagierte sich sehr stark in Sport und Politik, Johanna Weinzierl vertrat ihn in Familie und Geschäft. "Mich haben sie überall hinstellen können", so sagt sie heute mit Stolz. Während ihr Mann als legendärer Vorsitzender des TV 1861 oder als CSU-Stadtrat von 1972 bis 1990 im Licht der Öffentlichkeit stand, sorgte seine Frau dafür, dass hinter den Kulissen alles reibungslos über die Bühne ging.
Mit der Rente änderte sich das Leben. Die Weinzierls gaben ihr Geschäft auf und verbrachten viel Zeit mit ihrer Leidenschaft, dem Wandern, oder mit anderen sportlichen Aktivitäten. "In unserer Familie hat es keine Schlafmützen gegeben", so sagt sie heute und Tochter Jutta nickt. Sie selbst ist Sportlehrerin geworden und hat damit die Tradition der Familie nahtlos fortgeführt. "Dabei habe ich mir immer vorgestellt, dass ich im Alter im Sessel sitze und stricke", erzählt ihre Mutter und muss selbst lachen.
2010 Herzoperation
Die große Wende kam dann nach 2009, als Alfons Weinzierl starb. Sein Tod setzte Johanna so stark zu, dass sie am Herzen operiert werden musste. Zu schwach war sie am Anfang sogar für eine Reha, über die Herzsportgruppe, die unter ständiger Überwachung eines Arztes trainiert, normalisierte sich ihr Zustand aber bald wieder. Heute gehört Johanna Weinzierl zu den Aktivposten der Gruppe, die sich einmal pro Woche über die Volkshochschule trifft.
Viele Amberger kennen Johanna Weinzierl. Fast jeden Tag fährt sie mit dem Bus in die Stadt, bummelt über den Marktplatz, kauft ein oder hält einen kleinen Plausch. Ihren Haushalt versorgt sie noch allein, zusätzlich kümmert sie sich um den Garten, unternimmt Ausflüge mit ihrer Tochter oder geht mit ihren Freundinnen zum Essen. Nur für eines hat Johanna Weinzierl keine Zeit: Für das Jammern über ihr Alter.













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