28.06.2020 - 15:16 Uhr
AmbergOberpfalz

St. Katharina hat wieder Töne

Die Gründung der Kirche geht zurück bis ins 14. Jahrhundert. Benachbart sind im Osten das einstige Leprosen- und dann Armenhaus, im Westen das Spital und der Katharinen-Friedhof. Sie selbst ist eine Institution Ambergs: St. Katharina.

von Peter K. DonhauserProfil

Im Jahr 2012 fielen Putzbrocken aus dem Stuck im Kirchenschiff von St. Katharina, die Kirche musste gesperrt werden. Mit viel - auch ökumenischer - Initiative konnte die Restaurierung des ehrwürdigen Gotteshauses geschultert werden. 2019 war die Wiedereröffnung, doch fehlten noch die Töne. Auch die Orgel kam in den Genuss einer Sanierung, die am 17. Juni dieses Jahres vollendet wurde. Anlass, die Geschichte des Instruments und des Amberger Orgelbaus im 18. Jahrhundert zu beleuchten.

Künstler und Könner Funtsch

Das Orgelgehäuse, der "Prospekt", stammt möglicherweise aus dem Jahr 1753, damals war Johann Konrad Funtsch der vor Ort beheimatete und privilegierte Orgelbauer. Er lieferte Instrumente in die mittlere Oberpfalz, erhalten sind Orgeln in Stettkirchen (1760), Hirschau (1764), Zant (1778), Mitterauerbach (1782), Hohenburg (1785) und die größte, am besten erhaltene auf dem Habsberg bei Velburg (1767). Auch Orgelprospekte haben noch überlebt, in Amberg auf dem Mariahilfberg (1733), in der Schulkirche 1760) und in St. Georg (1767). Typisch auch in St. Katharina das "Markendesign" von Funtsch: Ein hoher Mittelturm, von dem je zwei Harfenfelder nach außen abfallen, geschwungene Zierbalken, die diagonal nach vorn schwingen und von Putten-Köpfen gekrönt sind. Die 45 Zinnpfeifen des Principal 4' sind sichtbar im Prospekt. Der Manualumfang mit "kurzer Oktave" entspricht den 45 Tönen CDEFGA-c3, exakt passend für die damals gespielte Literatur.

Akustik: Zahlen zählen

Die Pfeifen sind nicht mehr original, bei der Restaurierung durch Hartmann 1990 war der vorgefundene Pfeifenbestand aus drei Jahrhunderten so gut wie zerstört. 1840 überliefert durch den Amberger Orgelbauer Friedrich Specht war jedoch die Disposition der Register (Tonlage, Bauweise, Dimension, Material), sie wurde 1990 weitgehend rekonstruiert. Die sieben Register (405 Pfeifen) für das Manual haben Platz im Gehäuse, die zwei (36 Pfeifen) für das Pedal stehen hinter jenem an der Kirchenwand. Es sind der Subbass 16' und das Zungenregister Fagott 8', das übrigens eine singuläre Erscheinung im Schaffen von Funtsch darstellt. Die Klangbasis bilden die Register Copel 8' (dezent) und Gamba 8' (streichend), eine Oktav höher spielen Prinzipal 4' (tragend) und Flöte 4' (lieblich), es folgen Quinte 2 2/3' (färbend), Oktave 2' (leuchtend) und als Krönung die Mixtur 1 1/3' (silbrig strahlend).

Doch nicht nur das Gehäuse ist original, sondern auch die Windlade für das Manual. Das ist der Holzkasten, auf dem die Pfeifen stehen und von diesem durch Ventile mit "Wind" versorgt wird. Ebenso die mechanische Betätigung der Register, die Funtsch typischerweise nicht als hölzerne Zugstangen, sondern als waagrecht zu schiebende "Schwerter" aus Schmiedeeisen konstruierte. Die rein mechanische Spieltraktur ( einarmige Tasten-Hebel mit direkter Verbindung von Taste zum Ventil) wurde nach Vorbildern von Funtsch rekonstruiert.

Unesco-Kulturerbe Orgelbau

Orgelbauer Rainer Kilbert (Hönighausen bei Regensburg) hatte schon 1990 bei Hartmann gearbeitet. Bei der Sanierung 2020 haben er und sein Mitarbeiter Stefan Himmelstoß das gesamte Werk einschließlich der Pfeifen gereinigt und von Schimmel befreit, die beweglichen Teile der Mechanik leichtgängig gemacht und einreguliert. Mit zwei Extras näherte sich Kilbert dem Funtsch-Klang noch mehr an: Wie auf dem Habsberg hat er das Register "Quinte" kräftig intoniert, das gibt dem Werk die typische Farbe. Wie im 18. Jahrhundert üblich hat er eine ungleichstufige Stimmung aufgelegt, dadurch klingen die häufig gebrauchten Tonarten im Umfeld von C-Dur sauberer und strahlender. Amberg darf sich freuen: Dieses Orgelwerk mit seiner historischen Substanz kann nun wieder die Gläubigen auf ihrem letzten Lebensweg in Würde begleiten. In der Dreifaltigkeits-Friedhofskapelle befindet sich übrigens das so gut wie original erhaltene Werk (1858) des schon erwähnten Amberger Orgelbauers Friedrich Specht (1808-1865), das sehnlich auf eine Restaurierung wartet.

Der Orgelbauer und Organist Rainer Kilbert (geboren 1964) hat bei Georg Jann gelernt und betreibt seit 2004 eine eigene Werkstatt. Er darf als Experte für den historischen Oberpfälzer Orgelbau gelten. Er veröffentlichte Forschungen in überregionalen Zeitschriften, zum Beispiel 1984 "Friedrich Specht". 1991 "Die Orgeln der Stadt Amberg". 1991 "Zur Orgelgeschichte der Pfarrei Pursruck". Spenden zur Sanierung der Orgel sind der zuständigen Pfarrgemeinde St. Georg willkommen.

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