31.01.2021 - 11:30 Uhr
AmbergOberpfalz

Stadtbibliothek Amberg ganz neu möbliert

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Die knallroten Seitenteile der Bücherregale waren fast eine Art Markenzeichen der Stadtbibliothek Amberg. Jetzt, nach fast 40 Jahren, haben sie ausgedient. Zumindest hier. Denn sie landen nicht auf dem Müll.

Weiß statt Rot: Die neuen Regale sind schon alle aufgestellt in der Stadtbibliothek.
von Heike Unger Kontakt Profil

Die hellbraunen Holzböden zwischen den roten Metall-Seitenteilen sind verschwunden, die neuen Regale der Amberger Stadtbibliothek sind weiß. Vor allem aber sind sie vielseitiger in der Handhabung, wie Bibliotheksleiterin Bettina Weisheit betont. "Unser altes Regalsystem war von 1983", sagt sie und lacht: "Das war schon fast museumsreif."

Ins Museum gekommen sind die alten Möbel aber nicht: Die Regale der Kinder-Bibliothek sind komplett in der Albert-Schweitzer-Schule gelandet. Auch zwei, drei kleinere Bibliotheken aus der Region hatten Interesse an ausgemusterten Regalen. Die meisten davon waren trotz ihres Alters noch erstaunlich stabil. "Uns ist noch keins zusammengebrochen", berichtet Weisheit, betont aber auch, dass es höchste Zeit für einen Austausch gewesen sei.

Keine Ersatzteile mehr

Längst gab es keine Ersatzteile mehr, wenn doch mal eine der Halterungen, die die Böden in den Seitenteilen fixierten, kaputt ging. Und wenn einmal etwas umgebaut werden musste, ging das nicht ohne Werkzeug. Vielleicht das größte Manko: Die Regalböden ließen sich nicht schräg stellen. Dadurch gab es keine Möglichkeit, einzelne Bücher besonders zu präsentieren. Das können die Bibliotheks-Leiterin und ihre Mitarbeiter mit den neuen Regalen jetzt tun. Hier lassen sich die Böden ohne Werkzeug einfach ein bisschen aufrichten. "Eine schöne Gestaltungsmöglichkeit", wie Weisheit betont – damit sehe es nicht so leer aus, wenn in einem Bereich einmal viele Bücher ausgeliehen sind. Und man könne so auch einmal einzelne Bücher besonders in den Blick der Besucher rücken.

"Rücken" ist ein gutes Stichwort: Weil die neuen Regale aus schmäleren Einheiten bestehen und auch alle mit Rollen ausgestattet sind, lassen sie sich gut verrücken und problemlos neu arrangieren. Das ist unter anderem sehr hilfreich, wenn die Bibliothek eine Ausstellung zusammenstellt oder andere Aktionen veranstaltet, weil sich dann die Regale schnell wegschieben oder auch vorübergehend neu kombinieren lassen.

30.000 Medien sind "umgezogen"

Auch im Alltags-Betrieb ändert sich mit der neuen Einrichtung einiges, manche Bücher sind nun an anderer Stelle zu finden. Damit das mit dem Finden auch klappt, hat das Team eine entsprechende Beschriftung angebracht. Aufgebaut und bestückt sind die neuen Regale schon: Dafür mussten alle gut 30.000 Medien im Bestand der Bibliothek mindestens einmal in die Hand genommen werden.

Dass die Stadtbibliothek gerade jetzt, im Corona-Lockdown, neu eingerichtet wird, ist übrigens Zufall. Tatsächlich seien die neuen Regale schon länger auf der Wunschliste der Einrichtung gestanden, erzählt Bettina Weisheit. Zunächst bekam die Bibliothek aber vor fünf Jahren einen neuen Teppich, einen Anstrich und neue Thekenarbeitsplätze für die Mitarbeiter. Seit etwa zwei Jahren habe sich dann auch die Planung für die neuen Regale konkretisiert. Nachdem jetzt endlich Geld dafür da war, wurde sie umgesetzt, auch mit einer Förderung des Freistaats. Rund 70.000 Euro werden in die neuen Regale investiert.

Auch neu: Gemütliche Sitzgruppen

Zur Freude von Bettina Weisheit gab es sogar noch 20.000 Euro extra für kleine Sitzgruppen. Solche "gemütlichen Sitzgelegenheiten" hatte sie sich schon länger gewünscht. Hier können die Nutzer künftig einfach mal da bleiben und ganz bequem schmökern, wenn dies aufgrund der Corona-Situation wieder erlaubt ist. Dann könne man die neuen Sessel auch bei Veranstaltungen der Bibliothek nutzen, freut sich die Leiterin schon mal auf künftige Events.

Wann die wieder möglich sind, ist derzeit nicht absehbar. Auch nicht, wann die Bibliothek überhaupt wieder öffnen darf. Bettina Weisheit fürchtet mit Blick auf eine Lockdown-Verlängerung, dass das vielleicht nicht vor Mitte Februar der Fall sein könnte – doch das sei „nur ein Bauchgefühl“. Zumindest die Mitte Dezember schon kurz erfolgreich eingeführte, dann aber wegen Corona wieder verbotene kontaktlose Ausleihe durchs Fenster der Bücherei ist jetzt wieder erlaubt. Und der Lieferdienst im Stadtgebiet läuft auch weiter.

Lieferdienst der Stadtbibliothek kommt gut an

Amberg

Vor dem Lockdown: Buch-Ausleihe durchs Fenster der Stadtbibliothek Amberg

Amberg
Kommentar:

Vorfreude ist erlaubt

Die Stadtbibliothek ist noch in Corona-Zwangspause, die Zeitung durfte aber trotzdem schon mal reinschauen. Und erlebte ihr blaues Wunder. Also eigentlich war’s ja ein weißes. Auf jeden Fall erstaunlich, was so ein Farbwechsel ausmacht.

Wer mit den feuerroten Regal-Seitenteilen gealtert ist, fühlt vielleicht auch ein bisschen Wehmut. Aber die weicht schnell einem guten Gefühl von Vorfreude darauf, wenn auch hier wieder die Türen offen stehen.

Eine schöne Vorstellung: Wenn man in der Stadtbibliothek endlich wieder selbst Bücher durchblättern und ausleihen kann, aber auch zu kulturellen Veranstaltungen kommen und auf neuen Sitzgruppen gemütlich Platz nehmen darf.

Heike Unger

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