01.10.2018 - 10:42 Uhr
AmbergOberpfalz

Stark in Menschlichkeit

Wenn es schon am vergangenen Wochenende eine Gegenveranstaltung zur bevorstehenden AfD-Versammlung im ACC gegeben hätte - diese Feierstunde hätte den Nagel auf den Kopf getroffen.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Das Fest zum 25-jährigen Bestehen des Arbeitskreises Flüchtlingshilfe der Caritas Amberg-Sulzbach war eine Demonstration der Stärke all derer in Amberg und Umgebung, die sich für Menschlichkeit, Solidarität und Weltoffenheit einsetzen. Sie wurden getragen von der kompletten Stadtspitze, alle drei Bürgermeister - Michael Cerny, Martin Preuß und Brigitte Netta - fanden sich im Musikomm ein, um ihre Verbundenheit zum Ausdruck zu bringen.

"Wir möchten eine solidarische Stadtgesellschaft", betonte Oberbürgermeister Cerny vor rund 100 Gästen und Ehrenamtlichen, die sich über all die Jahre erfolgreich für die Integration von Geflüchteten eingesetzt haben. "Wir stehen an Eurer Seite." Amberg stehe für ein gesellschaftliches Miteinander, für soziales Engagement und für Weltoffenheit. Das werde auch in Zukunft so bleiben.

Cerny verhehlte nicht, dass es Ängste in der Bevölkerung gebe. "Wie gehen wir mit diesen Ängsten um?", fragte er selbstkritisch in die Runde. Angst sei eine völlig normale Reaktion, sie müsse ernstgenommen und könne überwunden werden, wenn alle zusammenhelfen. "Aber Angst darf nicht dazu genutzt werden, bestimmte Gruppen von Menschen auszugrenzen oder Hass zu schüren. Dann sind wir gefordert", machte der Rathauschef deutlich.

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Caritas-Kreisverbandes, Wolfgang Schmalzbauer. Seit 2015 gebe es in der politischen Debatte wieder eine Tendenz "Wir gegen die". "Dem halten wir das Engagement für eine Gesellschaft der Vielfalt entgegen", erklärte der ehemalige Landgerichtspräsident. Menschlichkeit erfordere den Einsatz für Schwache. Und Hilfen seien zu gewähren ohne Unterscheidung von Hautfarbe, Herkunft oder Glaube.

Der Rückblick durfte beim 25-Jährigen des Arbeitskreises natürlich nicht fehlen. Dabei stand eine Person - ob sie wollte oder nicht - im Mittelpunkt. Caritas-Mitarbeiterin Anne Kuchler hat die Arbeit über all die Jahre immer wieder neu initiiert und koordiniert. Aktuell zählen 30 Ehrenamtliche zu ihrem Umfeld. Sie organisieren Deutschkurse, Hausaufgabenhilfe, eine Kinderguppe, ärztliche Sprechstunden, Formularhilfe, ein Frauencafe, eine Kunstgruppe und sogar einen Fahrradtreff.

Kuchler fasste zusammen, was die Basis ihrer Arbeit ist und was das Bundesverfassungsgericht im Juli 2012 noch einmal klargestellt hat: "Menschenwürde ist migrationspolitisch nicht relativierbar." Mit sehr persönlichen Worten dankte sie ihren Unterstützern: "Manchmal ist es gar nicht so leicht, gegen den Strom zu schwimmen. Dann ist es gut zu wissen, dass man nicht alleine dasteht." Der Abend im Musikomm bewies, dass Kuchler alles andere als alleine ist. Musiker Thiemo Lacher (Johnny Gold) gratulierte mit einigen Songs, Schriftsteller Friedrich Brandl steuerte einige seiner Gedichte bei. Und viele ehemals geflüchtete und mittlerweile gut integrierte Amberger sind gekommen. Nazli Alizada (15) zum Beispiel, die am Max-Reger-Gymnasium gute Noten schreibt und später einmal Ärztin werden will. Oder Ahmed Hasan (24), Student an der OTH Regensburg.

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