25.03.2021 - 08:49 Uhr
AmbergOberpfalz

Hier steht Ambergs größtes Holzhaus

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Bauen mit Holz wird immer attraktiver. Jetzt steht am Stadtrand von Amberg eines der größten Holzhäuser in der Region. Hier wurde Energieeffizienz auf die Spitze getrieben.

Das Hybrid-Haus in Witzlhof im „Rohbau“: Innen der Beton-Kern, außen die Holzwände.
von Gerd SpiesProfil

„Ich sehe darin die Zukunft.“ Michael Kohl, der jüngste Spross des Holzbau-Unternehmens Kohl in Edelsfeld, ist überzeugt, dass die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit den Bausektor revolutionieren werden. Nachhaltigem, energieeffizientem Bauen gehört die Zukunft. An einem Beispiel, wie modernes Wohnen, CO2-neutral und sehr energiesparend, aussehen kann, hat er entscheidend mitgewirkt. Das erst kürzlich fertiggestellte Gebäude der Zukunft steht in Amberg.

Michael Kohl (29) hat sich auf Holzhäuser spezialisiert. Zunächst lernte er das Zimmerer-Handwerk, studierte dann Bauingenieur und Betriebswirt. Der Jungunternehmer im Drei-Generationen-Betrieb in Edelsfeld bringt das Rüstzeug mit, seine Ideen umzusetzen. Schon allein aus ökologischen Gründen sieht er in der Holzbauweise die Zukunft im Bausektor, nicht nur bei den Einfamilienhäusern, sondern auch bei Mehrfamilienhäusern. Sein neuestes Projekt beweist, dass sich hochmoderne Gebäude, gefertigt aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz, auch außerhalb der Ballungsräume zunehmend auf dem Markt positionieren können.

Dass sich Holzhäuser durch ein gutes Wohlfühlklima auszeichnen, in Sachen Wärmedämmung beste Noten erzielen, inzwischen auch beim Preis mit vergleichbaren Massivhäusern konkurrieren können, all das ist längst bekannt. „Das Haus steht in drei Monaten. Vier Wochen Planung, vier Wochen Fertigung in der Halle, vier Wochen Aufbau, fertig“, rechnet Kohl einen weiteren Vorteil gegenüber Häusern in Massiv-Bauweise vor. Mit der Klimaschutz-Diskussion rückt aber jetzt auch noch ein wichtiger ökologischer Faktor in den Fokus: Holzbau ist CO2-neutral, Holz wächst nach. Längst sind deswegen in den Ballungsräumen die Planungsbüros auch bei größeren Wohnkomplexen auf den Zug nachhaltigen Bauens aufgesprungen und haben außergewöhnliche Architekturen geschaffen.

Im Prinz-Eugen-Park in München steht das größte zusammenhängende Holzbau-Projekt in Deutschland mit fast 600 Wohnungen. Die Süddeutsche Zeitung widmete dem Projekt im Oktober vergangenen Jahres einen großen Bericht. Die Mustersiedlung besteht aus acht Gebäuden – alle aus Holz. Die Stadt München bezuschusste das Projekt mit mehr als 13 Millionen Euro. In Zukunft sollen noch mehr Kinder in München in Holzhäusern aufwachsen. Bei der Vergabe städtischer Grundstücke werden künftig die Hälfte der Gebäude in Holzbauweise entstehen. Das beschloss der Stadtrat Anfang 2020.

Jetzt steht so ein Vorzeigeprojekt, ein Mehrfamilienhaus aus Holz, auch in Amberg, genau genommen in Witzlhof, mit der Amberger Privaten Familien-Vermögensverwaltungsgesellschaft als Bauträger. Die Holzbauweise versteckt sich hinter dem weißen Außenputz. Als Besonderheit dieses Baukörpers gilt die sogenannte Hybrid-Bauweise. Die weiche Außenhülle aus Holzrahmenbauwänden formt sich nämlich um einen stabilen Kern aus Beton.

„Einmalig in Amberg, zumindest in dieser Größenordnung.“ So bezeichnet der zuständige Energieberater Ludwig Meier aus Ensdorf das Energiekonzept dieses Gebäudes. Mit der Photovoltaikanlage auf dem Dach, einem Energiespeicher mit Akku und einer Flächenheizung im ganzen Haus erfüllt das Gebäude den höchsten Standard für energiesparende Gebäude, den KfW-Effizienzhausstandard 40 Plus. Dieser erhält auch die höchste staatliche Förderung. „Der Clou aber ist, dass man bei dem Flächenheizsystem mit Luft-Wasser-Wärmepumpe im Sommer kühles Wasser durch den Heizungskreislauf schicken und dadurch die Räume kühlen kann“, erklärt der Energieberater. Die zehn Wohnungen in dem Haus sind alle bereits vermietet.

Vielleicht entwickelt sich ja in Edelsfeld dank Michael Kohl ein Hotspot, von dem aus sich die Idee architektonisch ansprechender Mehrfamilienhäuser in Holzbauweise mit hoher Energieeffizienz über die Region hinaus verbreitet. Im Amberger Stadtrat wurde das Thema Holz als Baustoff schon bei vielen Bauvorhaben diskutiert, meist aber nicht zugunsten dieser Bauweise – noch nicht.

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