30.09.2021 - 17:42 Uhr
AmbergOberpfalz

Mit den Strykern von Hohenfels nach Vilseck

Das multinationale Training Saber Junction 21 ist zu Ende, das 2. US-Kavallerieregiment verlegt seine übende Truppe zurück in die Kaserne. Eindrücke aus dem Stryker-Panzer im Militär-Konvoi von Hohenfels nach Vilseck.

Nach der multinationalen Großübung Saber Junction 21 in Hohenfels verlegt das 2. US-Kavallerieregiment aus Vilseck seine übende Truppen zurück in die Rose Barracks.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Über dem Wald knattern drei Transporthelikopter, auf einer riesigen Fläche stehen die Militärfahrzeuge: frisch gewaschen, akkurat aufgereiht, bereit für den Abzug. In weniger als einer halben Stunde startet einer der ersten Konvois vom Truppenübungsplatz Hohenfels zurück nach Vilseck. Das dort beheimatete 2. US-Kavallerieregiment (2nd Cavalry Regiment) verlegt seine übende Truppe, die seit der ersten Septemberwoche in Hohenfels mit multinationalen Verbänden aus 14 Ländern – darunter Briten, Ungarn, Nordmazedonier, Litauer und Italiener – im Groß-Manöver "Saber Junction 21" war, wieder in die Kaserne.

Der Konvoi-Führer trommelt die Verantwortlichen der einzelnen Fahrzeuge zusammen, gibt Anweisungen: wie schnell maximal gefahren wird; was zu tun ist, wenn ein Fahrzeug liegen bleibt; welche Abstände zwischen den Fahrzeugen einzuhalten sind. Und er kommuniziert die Abfahrtszeit: 14 Uhr. Die Soldaten marschieren zu ihren Fahrzeugen zurück. Auf dem Trittbrett der Beifahrerseite eines Transporters sitzt ein Armeeangehöriger und widmet sich seinem Lunch: Hähnchen mit Nudeln und Gemüse in Sauce, aus der Packung "meal ready to eat" (MRE), das Äquivalent zur deutschen Einmannpackung, Genau 15 Minuten hat er dafür noch.

Vier Mann Besatzung im Stryker

Der etwa 19 Tonnen schwere Stryker-Panzer, den ein Team von "Oberpfalz-Medien" begleitet und der etwa in der Mitte des Konvois sein wird, ist mit vier Soldaten besetzt: Fahrer, Panzer-Kommandanten, der die ganze Fahrt bis Vilseck stehen wird und den Fahrer aus der Kommandantenluke beim Navigieren unterstützt, Schütze und "Air Guard", der als Luftbeobachter aus einer hinteren Luke heraus die Umgebung im Blick hat und – speziell auf diesem „Ride“ – acht gibt, dass der Hintermann nicht zu dicht auffährt. Major John Ambelang, Presseoffizier des 2nd Cavalry Regiments, öffnet hinten die zweite Luke. "Damit frische Luft reinkommt", sagt er. Der "Duft" im Stryker ist eigenartig, eine Melange aus Tankstelle und Autowerkstatt. "Parfüm riecht anders", scherzt Ambelang.

Ein Zockeln, ein Ruck – der Stryker rollt los. Um genau 14.01 Uhr, etwa in der Mitte des Konvois. Durch die Luke sieht man den Himmel, mal blau, mal grau. Dann ein paar Wolken. Und immer wieder Bäume. Ein paar Blätter flattern herein, fallen zu Boden. Ein wenig beklemmend, im Bauch eines Panzers zu sein. So fensterlos, so ohne jegliches Gefühl für die aktuelle Geschwindigkeit. Major Ambelang schätzt, dass aktuell etwa 15 mph, umgerechnet knapp 25 km/h, gefahren wird.

Einige wenige Routen für die Kolonne

Die Militärkolonne verlässt bei Emhof den Übungsplatz, passiert Schmidmühlen, dann Rieden und Ensdorf. An der Autobahn-Anschlussstelle Theuern schwenkt der Konvoi, der längst durch überholende Autofahrer zerstückelt ist, um 15.10 Uhr auf die A6 in Richtung Nürnberg ein, beschleunigt auf 45 mph (knapp über 70 km/h) und fährt bei Ursensollen sogleich wieder ab. Auf der B299 geht es nach Amberg, an Ammersricht, Kienlohe und Ursulapoppenricht vorbei zur B14. Die US-Armee biegt auf die Bundesstraße ein und kurz vor Gebenbach wieder auf die B299 nach Freihung ab. Zwischen Hohenfels und Vilseck hat das US-Militär nicht viele Varianten. Ausschlusskriterien sind wegen der Stryker-Antennen und dem militärischen Material auf den Transportern niedrige Unterführungen, aber auch Abschnitte mit Tonnagen-Beschränkungen. "Da bleiben uns nur ein paar wenige Routen."

Annähernd zwei Stunden sind seit der Abfahrt vergangen. Längst hat sich das eigene Gesäß bemerkbar gemacht. Panzersitze zählen nicht zu den bequemsten Sitzen. Definitiv nicht. Auf der gegenüberliegenden Seite stapeln sich die Rucksäcke, das Gepäck der Soldaten. Jeder 30 Kilo schwer. Seit Anfang September haben sie allabendlich ihre Zelte aufgeschlagen. Nur der Fahrer nicht. "Er schläft im Stryker", erklärt Ambelang deutet auf zwei, diagonal an der Decke angebrachte Haken. Da wird die Hängematte eingehängt.

Vorfreude auf das eigene Bett

Um 16.20 Uhr biegt die Kolonne bei Tanzfleck in den Truppenübungsplatz Grafenwöhr ein. Fast geschafft. Erneuter Halt, diesmal am Gate des Vilsecker Südlagers. Aus dem Bluetooth-Lautsprecher, den der Panzerkommandant vor sich auf dem Stryker-Dach platziert hat, tönt "Here I go again". Mit dem Fuß wippt der Soldat zum Whitesnake-Hit der 80er, klatscht gut gelaunt im Takt mit der rechten Hand auf den Oberschenkel. Die Stimmung im Stryker auf den letzten Metern ist prächtig – kein Wunder, in greifbare Nähe rückt die Aussicht auf eine heiße Dusche, Essen jenseits von MRE und Feldküche und Bett statt Zelt. Selbst Presseoffizier Ambelang verhehlt nicht, dass dies genau die drei Dinge sind, nach denen er sich nach Wochen im Feld am meisten sehnt. Ein letzter kurzer Stopp, der Stryker-Fahrer wartet, bis ihm seine Parkposition zugewiesen wird. Um 16.45 Uhr geht per Knopfdruck die Rampe des Radpanzers auf. Geschafft!

"Alles ist wunderbar verlaufen", freut sich Oberstleutnant Benjamin Nagy, Kommandeur der zweiten Schwadron des 2nd Cavalry Regiments, dass der Konvoi reibungslos geklappt hat. Vor allem aber lobt er den Zustand der deutschen Straßen. In der Oberpfalz fühlt er sich nach eigenem Bekunden wohl. "Bayern ist sehr schön", sagt er über seine Heimat auf Zeit.

Der letzte Konvoi des Tages

Etwa ein bis vier Stunden brauchen die Soldaten nach der Rückkehr, um aus- und aufzuräumen und ihre Waffen samt Munition abzugeben. Während diejenigen, die auf dem zweiten Konvoi, dies tun, rollt die dritte und und für diesen Tag letzte Kolonne noch gen Vilseck. Mit dabei: die Feldküche der Stryker-Brigade. Gut zu tun haben wird in nächster Zeit auch der Friseur im Vilsecker Südlager. So mancher Soldat sehnt sich nämlich neben heißer Dusche, gewohnter Kost und eigenem Bett auch nach einem Haarschnitt.

Saber Junction 21: 14 Nationen übten im September in Hohenfels

Hohenfels
Info:

Das 2. US-Kavallerieregiment

  • Das 2. US-Kavallerieregiment ist das traditionsreichste und älteste des amerikanischen Militärs. Seit 1836 existiert es ununterbrochen. Sein Hauptquartier hat es heute in den Rose Barracks in Vilseck.
  • Das 2nd Cavalry Regiment besteht aus sieben Squadrons (Schwadrone): drei Infanterieeinheiten und je ein Aufklärungs-, Artillerie-, Pionier- und Unterstützungseinheit.
  • Jede Schwadron hat nach Angaben des Presseoffiziers, Major John Ambelang, rund 600 Soldaten, die Brigade also insgesamt 4200 Soldaten. Sechs der sieben Schwadrone nahmen an "Saber Junction 21" in Hohenfels teil. Die siebte Schwadron ist aktuell auf dem Luftwaffenstützpunkt in Ramstein und in Spanien in Einsatz und hilft bei der Betreuung von Evakuierten aus Afghanistan.
  • Herzstück des 2nd Cavalry Regiments sind Radpanzer vom Typ Stryker. Die Stryker Combat Teams können nach Angaben der US-Armee innerhalb von 96 Stunden an jeden Ort der Welt verlegt werden.

 

 

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