30.06.2021 - 13:29 Uhr
AmbergOberpfalz

Tornado im Landkreis Amberg-Sulzbach?

Das spektakuläre Foto zeigt eine gigantische Luftverwirbelung, daneben ein Haus im Miniaturformat. Geschickt wurde es von einem Leser. Es sei am 29. Juni im Landkreis Amberg-Sulzbach aufgenommen worden. Die Recherche sagt etwas anderes.

Tornado bei Freihung? Nein, das Foto, das auf dem Bildschirm zu sehen ist, entstand in Amerika. Trotzdem wurde es mit dem Hinweis an die Redaktion geschickt, dass die Aufnahme im Landkreis Amberg-Sulzbach entstanden sei.
von Redaktion ONETZProfil

Von Eva Hinterberger und Andrea Mußemann

Auf dem Bild ist ein Tornado wie aus dem Bilderbuch zu sehen. Keilförmig gräbt sich die dunkelgraue Windhose ihren Weg durch die flache Landschaft. Das Haus daneben vermittelt einen Eindruck von der Dimension des gigantischen Naturschauspiels. Es ist nur winzig abgebildet, genauso wie die Bäume. Das Foto erreichte die Redaktion in Amberg mit dem Hinweis, dass es sich dabei um einen am 29. Juni fotografierten Tornado bei Freihung im Landkreis Amberg-Sulzbach handelte. Dem ist aber nicht so.

Eine kurze Recherche im Internet über die Google-Bildersuche hat ergeben, dass exakt dieses Bild in der Vergangenheit schon öfters im Zusammenhang mit der Berichterstattung über Tornados aufgetaucht ist – als Symbolbild zur Illustration. In der Rückwärts-Bildersuche vergleicht Google ein zur Verfügung gestelltes Bild (durch Link oder Hochladen) mit bereits im Internet vorhandenen Bildern. In diesem Fall taucht das Bild des angeblichen Tornados bei Freihung zum Beispiel in Zusammenhang mit der Berichterstattung über einen Tornado in Baden-Württemberg im Jahr 2013 oder in den USA im Jahr 2014 auf. Als Fotograf des Bildes ist jeweils „Chris White“ angegeben, sowie der Hinweis, dass dieser das Tornadobild über die Fotoplattform Fotolia.com zur Verfügung gestellt hat. Bei Chris White handelt es sich laut seinem Twitterprofil um einen so genannten „Storm Chaser“ aus Virgina/USA. Also einen Sturmjäger. Diese beobachten das Wetter, identifizieren Stürme, verfolgen und fotografieren sie.

Andy Neumeier, Wetterexperte von Oberpfalz-Medien, kommentierte das Foto auf Nachfrage mit: "Mich hat die platte Gegend etwas stutzig gemacht, aber ansonsten hätte das auch der Wetterlage nach sein können." Ein Tornado in der Oberpfalz würde sich nicht hinsichtlich der Dimensionen von denen in Amerika unterscheiden. "Ein Tornado ist ein Tornado, ob in den USA oder bei uns." Erst vor wenigen Tagen war das benachbarte Tschechien Schauplatz eines solchen Szenarios. Die verheerende Bilanz des Tornados in Südmähren: Fünf Tote, Dutzende Schwerverletzte, sieben schwer zerstörte Dörfer. Wetterexperten schließen ein Naturphänomen dieser Stärke für Bayern nicht aus. Das Foto, das einen Beweis dafür liefern sollte, hielt jedoch dem Faktencheck nicht stand.

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"Mich hat die platte Gegend etwas stutzig gemacht, aber ansonsten hätte das auch der Wetterlage nach sein können."

Andy Neumeier, Wetterexperte von Oberpfalz-Medien

Info:

Tipps von Meteorologe Andy Neumaier

  • Ein Frühwarnsystem wie in den USA, wo auf allen Kanälen Sturmwarnungen eingeblendet werden, wäre sinnvoll.
  • Am sichersten ist man im Keller, ansonsten sollte man sich unter Tischen weit weg von Fenstern verstecken, weil Glas zerbirst und Splitter durch die Gegend wirbeln.
  • Sollte man im Freien einen Tornado sehen und es nicht mehr in ein Gebäude schaffen, gibt es zwei Möglichkeiten: Da die meisten von Südwest nach Nordost zögen, könne man versuchen, sich Richtung Südost zu entfernen. Wenn das nicht mehr geht: Flach auf den Boden legen und beten.

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