09.06.2021 - 12:22 Uhr
AmbergOberpfalz

Ein Trio bewirbt sich um das Präsidentenamt der OTH Amberg-Weiden

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Es ist nicht alltäglich, aber demokratisch: Neben Amtsinhaberin Professorin Andrea Klug wollen auch die Professoren Clemens Bulitta sowie Maximilian Kock die OTH als Präsidenten führen. Kommende Woche fällt die Entscheidung.

Die Nacht der Wissenschaft an der OTH Amberg: Die Bewerber wollen die Hochschule ins Licht führen.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Über drei verschiedene Entwürfe für die Zukunft der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden entscheidet der Hochschulrat am 14. Juni. „Die Wahlperiode läuft über zwölf Semester“, teilte Kanzler Ludwig von Stern schriftlich mit. „Die Bewerbungsfrist ist schon abgelaufen. Es stehen eine Kandidatin und zwei Kandidaten zur Wahl.“

Die Amtsinhaberin

Professorin, Vizepräsidentin, Präsidentin seit 1. Oktober 2015: Das sind die Stationen von Professor Dr. Andrea Klug an der OTH Amberg-Weiden. Klug wurde im Oktober 2000 für das Lehrgebiet „Gewerblicher Rechtsschutz und Wirtschaftsprivatrecht“ an die Hochschule berufen. „Sie ist eine loyale, verlässliche Partnerin, eine Vordenkerin und eine gute Netzwerkerin, die Trends erkennt“, hatte sie ihr Vorgänger, Professor Erich Bauer, anlässlich einer Ehrung gelobt. „Dadurch hat sie einen erheblichen Teil zur Erfolgsgeschichte der OTH Amberg-Weiden beigetragen.“

Bevor sie die akademische Laufbahn einschlug, war Klug Staatsanwältin und Richterin an den Landgerichten Regensburg und Erfurt und im Thüringer Ministerium für Justiz und Europaangelegenheiten tätig. Nach ihrer Berufung baute sie den Studiengang Pateningenieurwesen mit auf – ein Alleinstellungsmerkmal in der deutschen Hochschullandschaft. Seit März 2008 war Klug als Vizepräsidentin insbesondere für Lehre und Studium, Umsetzung des Bologna-Prozesses, Akkreditierungen des Studienangebots und für das Qualitätsmanagement zuständig. Einer ihrer Schwerpunkte: Die Förderung von Studentinnen in Mint-Studiengängen. Seit 2012 ist sie zudem Vizepräsidentin des Deutschen Studentenwerks. Am 1. Oktober 2015 trat sie die Nachfolge von Bauer an.

OTH-Präsidentin Prof. Dr. Andrea Klug.

In ihre Amtszeit fiel das 25-jährige OTH-Jubiläum. Sie trug maßgeblich zum Ausbau auf heute über 40 Bachelor- und Masterstudiengänge sowie berufsbegleitende Studiengänge an vier Fakultäten an den beiden Standorten Amberg und Weiden bei. Aktuell werden rund 3594 Studierende von 94 Professoren betreut. Seit dem Wintersemester 2020/2021 bietet die OTH etwa den neuen Bachelorstudiengang Ingenieurpädagogik an: „Mit unserem Kooperationsschulmodell wollen wir mit den Schulen in der Region Hand in Hand zusammenarbeiten“, erklärt Klug.

In Zuge der Hightech-Agenda Bayern wurden erst kürzlich zusätzlich zum laufenden Etat neue Professorenstellen bewilligt. Die Gesamtzahl der Professoren an der OTH steigt somit auf 112. „Wir können jetzt ausschreiben und rechnen uns gute Chancen auf qualifizierte Bewerber aus“, erklärt die Präsidentin. Dabei sollen nicht nur externe Bewerber, sondern auch der eigene akademische Nachwuchs zum Zuge kommen.

Der Harvard-Mediziner

Seinen Hut in den Ring wirft auch Professor Clemens Bulitta. Seine akademische Laufbahn führte ihn im Medizinstudium während eines zweijährigen DFG-geförderten Forschungsaufenthalts an die renommierte Harvard Medical School. Managementkompetenzen erwarb er in verschiedenen internationalen Führungspositionen bei der Siemens AG. Nach seiner Berufung als Professor im Bereich Medizintechnik gründete Bulitta das In-Institut für Medizintechnik an der OTH. „Ich konnte seitdem neue Professuren und Stellen sowie Fördergelder von insgesamt rund 14 Millionen Euro einwerben.“

Der Lohn: Die Aufnahme des Forschungsschwerpunktes für Gesundheitswirtschaft und Medizintechnik auf der HRK-Forschungslandkarte. „Mit dem so geschaffenen Team wurden das Kompetenzzentrum Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum und das Medical Valley Center Weiden an unserer Hochschule etabliert“, erklärt er. „Durch sie sind die regionale Wirtschaft, die Akteure der Gesundheitsversorgung und die politischen Entscheidungsträger in ein eng verzahntes Netzwerk eingebunden.“ Ein Ansatz, das der amtierende Dekan gerne auf die gesamte Hochschule übertragen würde.

Bewerber Professor Clemens Bulitta.

„Als Dekan gelang es mir, die Kolleginnen und Kollegen für eine Reform und Neuausrichtung der Studienangebote unserer Fakultät zu gewinnen.“ Neue Bachelorstudiengänge wie „Physician Assistance“ und „Digital Healthcare Management“ im Wintersemester 2019/2020, ein Masterstudiengang im Wirtschaftsingenieurwesen zum aktuellen Sommersemester seien hier entstanden. Ein englischsprachiger Studiengang „Digital Technology and Management“ startet im Wintersemester 2021/2022.

Als stellvertretender Vorsitzender des Verbandes der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer in Bayern e.V. (vhb) sei er mit den Herausforderungen in der Hochschullandschaft vertraut. „Die Digitale Lehre und der Ausbau des Technologietransfers sowie der angewandten Forschung eröffnen vielfältige Chancen und Gestaltungsmöglichkeiten für unseren Hochschultyp, auch in der Profilierung gegenüber den Universitäten.“ Chancen und Risiken erkennt er im aktuellen Gesetzgebungsverfahren für ein Hochschulinnovationsgesetz: „Wir brauchen flache Hierarchien und motivierte Professoren und Mitarbeiter“, verspricht er eine transparente Hochschulpolitik zum Mitmachen.

Der mediale Reformer

Neuen Schwung in einer sich dramatisch verändernden Hochschullandschaft wünscht sich Professor Dr. Dipl.-Ing. Maximilian Kock, Professor an der Fakultät Elektrotechnik, Medien und Informatik (EMI). Ein „Weiter so“ könne es in einer von der Corona-Pandemie getriebenen Zeit, bei einem gleichzeitigen demografischen Rückgang der Studierendenzahlen besonders in der Oberpfalz, der fortlaufenden Akademisierung in immer mehr Lebens- und Berufsbereichen, einer elementaren Notwendigkeit der fortwährenden Weiterbildung, und einer dynamischen Globalisierung der auch digitalen Lehre und Forschung nicht geben.

Der zunehmende internationale Konkurrenzdruck zwinge zur kontinuierlichen Anpassung: „Ein in die Zukunft schauendes Führungsgremium einer Hochschule sollte daher eine visionäre Strategie entwickeln und auch umsetzen.“ Als langjähriger Studiengangsleiter und Reformer der Medienstudiengänge – der Bachelor MT ist zurzeit einer der zwei erfolgreichsten Studiengänge an der OTH – als Prodekan und Dekan der Fakultät EMI, als gestaltendes Mitglied der erweiterten Hochschulleitung (EHL), als Kooperationspartner für Schulen und Firmen sowie als Projektverantwortlicher für Campusfeste, Weihnachtskonzerte, die Nacht der Wissenschaft, sowie Alumni-Treffen und Expertenvorträge sei er geübt darin, neue Ideen auch intern gegen Widerstände durchzusetzen.

Prof. Dr. Dipl.-Ing. Maximilian Kock wünscht sich neuen Schwung.

Konkret fordert Kock flachere Hierarchien in der Hochschulorganisation, um aktuelle Trends in Lehre und Technik schneller in neue Studienangebote umzusetzen. Nötig sei auch ein neuer Zuschnitt der Fakultäten: „Die Studiengänge Informatik, Elektrotechnik und Maschinenbau könnte in einer Organisationseinheit zusammengefasst werden, wodurch sich die Hochschule den technischen Entwicklungen in der Elektromobilität, dem automatisierten Fahren und der Künstlichen Intelligenz anpasst.“

Dazu gehöre auch eine schlagkräftigere Öffentlichkeitsarbeit, „die auf den in unseren Medien- und Wirtschaftsstudiengängen gelehrten Prinzipien einer guten und effektiven Kommunikation, sowie eines transparenten und fairen Umgangs miteinander gründet“. Die erfolgreiche Kommunikationskampagne zum 25-jährigen Jubiläum der OTH habe gezeigt, dass dieses Konzept aufgehen kann. „Die OTH kann unter neuer Leitung ein richtiger Leuchtturm in der Oberpfalz werden – ein Leuchtturm des Wissens, der digitalen Lehre und des fairen Umgangs miteinander.“

Hightech-Agenda Bayern: 18 neue Professoren für die OTH Amberg-Weiden

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Die OTH Amberg-Weiden in Zahlen

  • Zahl der Studierenden insgesamt: 3594
  • Standort Amberg: 1481
  • Standort Weiden: 2091
  • Orientierungsstudium: 22
  • Ausländische Studierende: 659
  • Professoren: 94
  • Beschäftigte: 413
  • Fakultäten: 4
  • Studienprogramme: 49
  • Partnerhochschulen in 36 Ländern: 81

 

 

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