21.08.2020 - 20:17 Uhr
AmbergOberpfalz

Urlaub dahoam: Kanutour auf der Vils von Hahnbach nach Amberg

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Die Vils erleben, mal aus einer anderen Perspektive: vom Wasser aus. Eine Familie aus Röckenricht (Amberg-Sulzbach) hat's ausprobiert - mit einer Kanutour von Hahnbach nach Amberg. Ein Corona-Urlaubstag dahoam.

Ein etwas anderer Ferientag - eine Kanutour auf der Vils eröffnet ganz neue Blickwinkel.
von Heike Unger Kontakt Profil

Mit dem Kanu auf der Vils von Hahnbach nach Amberg

Ein etwas anderer Ferientag - eine Kanutour auf der Vils eröffnet ganz neue Blickwinkel.

Ganz unerfahren sind Matthias und Mirjam Eisner und ihre Kinder Ronja und Tim nicht, wenn es ums Paddeln geht: Die Familie aus Röckenricht (Neukirchen/Kreis Amberg-Sulzbach) hat schon mal eine Kanutour auf der Vils gemacht – damals aber nur im oberen Abschnitt, von Hahnbach bis Altmannshof. Heute wollen sie auch den Bereich weiter unten erkunden: Insbesondere die Fahrt durch Amberg interessiert die vier, sie wollen eine vertraute Ansicht aus einer ganz neuen Perspektive erleben.

Eigentlich wollten die Eisners schon zu Pfingsten nach Italien. Doch dann kam Corona. Und weil die Pandemie immer noch Thema ist, machen die Röckenrichter heuer eben auch Sommerurlaub daheim, mit Ausflügen in der Region. Besonders gern unternimmt die Familie Radtouren. Auch mit überraschenden Erkenntnissen, wie Mirjam lachend erzählt: "Für mich war es krass, dass der Annaberg und der Frohnberg so nah beisammen sind – mit dem Auto fährt man da immer ganz weit außen rum." Den Vilswanderweg kannten die Eisners noch gar nicht. Und das Reinbachtal mit seinen schönen Wegen hat ihnen auch gut gefallen. Weitere Ausflüge führten schon zum Murner See, zum Monte Kaolino. Und an diesem Mittwoch eben zum Paddeln auf der Vils.

Erstmal aufmerksam zuhören

Doch bevor die vier Paddler starten können, bekommen sie erst einmal eine ausführliche Einweisung von Kanu-Verleiher Willy Mühlbauer und Mitarbeiter Olli Hofauer. Ganz so leicht, wie mancher meint, ist das Kanufahren dann doch nicht. Im wahrsten Sinn des Wortes, denn die Boote sind ganz schön schwer. Und müssen auf der Strecke von Hahnbach nach Amberg um zwei Wehre herumgetragen werden. Schwimmwesten sichern die Paddler, Flusskarten erleichtern die Orientierung. Die, weiß Mühlbauer, "verliert man nämlich schnell, wenn man die Vils aus einem ganz anderen Blickwinkel erlebt". Kleine grüne Tafeln mit Zahlen am Ufer zeigen den Kanufahrern, wo sie gerade sind.

Willy stimmt die Eisners ein auf ihre Tour auf dem "Zahmwasser": ein Fachbegriff, der zeigt, dass es eine eher gemütliche Tour wird, weil die Fließgeschwindigkeit nicht schnell ist und es abgesehen von den Wehren keine Herausforderungen gibt. So können die Paddler die Natur genießen. Mühlbauer zählt auf: "Man sieht neue Pflanzen, und, wenn man Glück hat, Biber, Eisvögel, Schwäne, Libellen", dazu Rot- und Schwarzerlen, das rosa blühende drüsentragende Springkraut oder die teilweise noch gelb blühende Teichmummel, aus der Familie der Seerosen.

Die Sache mit der Badewanne

Schon nach den ersten Paddelschlägen auf der Vils ist aber zuerst etwas ganz anderes zu sehen: Was aus der Entfernung noch wie ein großer Stein im Wasser wirkte, entpuppt sich schnell als alte Badewanne. Mühlbauer und seine Kanu-Gäste nehmen Müll, den sie unterwegs sehen, normalerweise mit – ihr Beitrag dazu, die Vils zu schützen. Bei der Badewanne müssen Mühlbauer und Hofauer aber passen: zu schwer für sie. Und auch fürs Kanu. Die Stelle wird am Ufer markiert, die Kanu-Verleiher informieren die Flussmeisterstelle, die sich dann um den Abtransport kümmert. Doch die Kanuten werden bis zum Ende ihrer Tour auch selbst ganz schön viel Müll eingesammelt haben.

Aber sie können auch die Schönheit der Natur genießen. Die Familie entpuppt sich schnell als eingespieltes Team: Mirjam hat als vorn Sitzende den Überblick und deshalb auch das Kommando. Ihr Mann ganz hinten steuert mit seinem Paddel, das in diesem Fall zum "Ruder" wird: So heißt das Teil hinten an jedem Schiff, mit dem man "lenkt", haben die Eisners gelernt. Manchmal freilich ist das gar nicht so einfach mit dem Lenken, auch wenn Mirjam mit Nachdruck "links, links, links" ruft. Aber so ein kleiner, ungewollter Abstecher Richtung Ufer ist dann auch wieder einen Lacher wert. Und Spaß gehört ja auch dazu zu so einem Familien-Ausflug.

"Wir sind nur Gäste auf dem Wasser"

Der ist in Zeiten von Corona und Urlaub dahoam noch ein bisschen beliebter geworden, berichtet Mühlbauer: "Das merkt man", sagt er. Mancherorts in Deutschland wird es im Corona-Sommer 2020 schon ein bisschen zu voll auf den Flüssen. Bei der Vils sei das glücklicherweise nicht der Fall, betont Mühlbauer. Er hat gerade Gäste betreut, die eine Drei-Tage-Kanutour gemacht haben – "die haben in der ganzen Zeit nur einen anderen Paddler auf der Vils gesehen". Auch wenn Mühlbauer Kanus vermietet, will er den Fluss nicht strapazieren. Und er legt auch "Wert darauf, den Leuten zu vermitteln, dass der Fluss kein Partybereich ist, sondern ein Bereich, der geschützt werden muss. Und den man deshalb auch entsprechend behandeln muss". Mühlbauer propagiert den "naturnahen, sanften Tourismus", auch auf der Vils. Sein Credo lautet: "Wir sind nur Gäste auf dem Wasser."

Mühlbauers Gäste absolvieren an diesem Tag eine Paddelstrecke von rund 16 Flusskilometern. Dafür braucht man zwischen 4 und fünf Stunden. "Den Rekord halten ein paar alte Damen", berichtet Mühlbauer: Sie waren nach dreieinhalb Stunden am Ziel. "Wie sie das gemacht haben, weiß ich bis heute nicht." Nicht schwierig ist so eine Kanutour auf einem ruhigen Fluss wie der Vils, aber für Ungeübte schon eine Herausforderung an die eigene Fitness. Nicht nur, wenn das Kanu ums Wehr getragen werden muss. Aber für die Schweißperlen (und den Muskelkater in den Schultern am Tag danach) entschädigt die wild-romantische Natur im oberen Vilsabschnitt, wo der Fluss sich schlängelt. Der Biber lässt sich heute nicht blicken, aber viele Libellen und auch mehrere Schwäne.

Blinder Passagier: Ein Flusskrebs

Bei einer Brotzeit-Pause bei Traßlberg bekommen die Paddler dann noch einen unerwarteten Gast zu Gesicht: An einem Stück Bauschaum, das sie als Müll aus dem Fluss gefischt und ins Boot gelegt hatten, saß der blinde Passagier – ein Flusskrebs. Den können sich die Eisners jetzt ganz aus der Nähe anschauen, bevor er zurück ins Wasser darf.

Die kleine "Stromschnelle" bei der Luitpoldhütte haben die vier Paddler gut gemeistert: Wer hier nicht aufpasst, den dreht der unerwartete Wasserstrom schnell und ungeplante Richtungen. Jetzt freuen sich alle auf die Fahrt durch Amberg. Die Altstadt kennen die Eisners gut – aber vom Fluss aus sieht alles doch ganz anders aus. Auf jeden Fall ein Höhepunkt der Tour. Und durch den zweiten Bogen der Stadtbrille kommt man sonst auch nicht. Dafür heißt es ein paar Meter weiter: "Alle Mann ins Boot legen" – die Fußgänger-Zugbrücke über der Vils ist unten, das Kanu passt gerade so durch – wenn man sich ganz tief hineinduckt. Auf Höhe des Spielplatzes am Schießstätteweg ist Endstation, hier werden die Eisners und ihr Kanu vom Verleiher mit dem Kleinbus abgeholt. Und der Müll, den die Kanuten unterwegs gesammelt haben: etliche Flaschen und Dosen, eine Taucherflosse, ein Flipflop und ein Damenstiefel, aber auch ein Autoreifen und ein verkokeltes Zelt. Mühlbauer bringt es später zur Flussmeisterstelle, die diese Funde entsorgt.

"Das war echt cool"

Und, wie war er, dieser Corona-Urlaubstag dahoam auf der Vils? "Das war wirklich klasse", lautet Mirjams Fazit: "Total abwechslungsreich. Am Anfang war ja nur Wildnis pur und dann in der Stadt, mit dem Kirchturm und durch die Stadtbrille, das war auch echt cool." Die Kinder fanden's "auch cool" und Papa Matthias hat's "super gefallen". Aber "auch anstrengend", wie Mirjam gesteht. Tim fand die geduckte Fahrt unter der Zugbrücke durch "besonders lustig". Jetzt haben sich auf jeden Fall alle vier erst einmal ein Eis verdient. "Das werden wir auf jeden Fall nochmal machen", kündigt Mirjam an. "Und zwar ziemlich bald", fügt Tim hinzu.

Kurz notiert:

Die Projektwerkstatt von Willy Mühlbauer in Freudenberg organisiert Kanutouren auf der Vils. Infos unter 09621/9609677 oder www.die-projektwerkstatt.de

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