26.03.2020 - 16:44 Uhr
AmbergOberpfalz

Väter dürfen noch mit in Kreißsaal

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Werdende Väter dürfen wegen des Coronavirus in einer Coburger Klinik nicht mehr in den Kreißsaal. Eine drastische Maßnahme, die auch künftigen Müttern in der Oberpfalz Angst macht. Noch ist es aber nicht so weit.

Verängstigt wegen des Coronavirus sind die Schwangeren in der Region nicht, sagen zwei Hebammen aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach. Allerdings entfallen für sie erst einmal die Vorbereitungskurse.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

„Eine Geburt lässt sich halt nicht aufhalten“, sagt Annegret Renner-Mühlhaus und lacht. Seit 30 Jahren hilft die Hebamme aus Sulzbach-Rosenberg Babys auf die Welt. Das Coronavirus zwingt den Erdball zum Stillstand, doch die Natur scheint davon ungerührt. Sechs Schwangere betreue sie zurzeit, die demnächst vor der Entbindung stehen. „Die werdenden Eltern sehen in dem Coronavirus keine wirkliche Gefahr“, sagt Renner-Mühlhaus. „Ihre“ Mütter seien recht entspannt, obwohl sie wüssten, dass sie demnächst ins Krankenhaus kommen.

Mit Schutzanzug in den Kreißsaal

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Keine Kurse mehr

In den vergangenen Tagen mussten die werdenden Eltern aber auf Kurse aller Art der Hebammen in der Region verzichten. Babymassage, Vorbereitung: Alles wurde abgesagt in den Praxen. „Das tritt alles in den Hintergrund. Die Fragen vieler Frauen lassen sich am Telefon klären.“ Wie man zum ersten Mal gebärt, könne man ja eh nicht richtig lernen, sagt Renner-Mühlhaus.

Kliniken in der Region: Krankenbesuche nicht mehr möglich

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Beruhigend wirkt auf die Mütter auch, dass Babys gerade in den ersten Wochen von Natur aus extrem gut vor Krankheiten geschützt seien. „Stillen ist ein Thema in diesen Tagen.“ Denn durch das Stillen bekommen die Kleinkinder einen zusätzlichen Schutz über die Muttermilch. „Wenn Mütter das machen wollen, bestärken wir sie.“

Die Frauen quält laut Renner-Mühlhaus aber eine andere Sorge: Dass die Väter zur Geburt nicht mit in den Kreißsaal dürfen. In einer Coburger Klinik gilt genau das seit Donnerstagmorgen.

Dank an 50 fleißige Näherinnen

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Das Klinikum in Amberg teilte am Mittwoch mit: „Väter dürfen bei der Geburt im Klinikum dabei sein. Das gilt auch bei der Entlassung. Sie dürfen dazu auf die Geburtsstation kommen und Frau und Kind abholen.“ Väter sollen aber nur kommen, wenn sie gesund sind. Zudem sollen sie sich an der Information am Eingang anmelden. Besuche von Verwandten und Freunden auf der Geburtsstation seien weiterhin nicht möglich. Auf Nachfrage bestätigte die Pressestelle am Donnerstag das Vorgehen noch einmal — aber auch mit dem Hinweis, dass sich in diesen Tagen sehr schnell etwas ändern könne.

Sprechstunde:

Seit den Einschränkungen vonseiten der Krankenhäuser in Bayern bieten die Hebammen in der Region eine Sprechstunde außerhalb der Klinik an. Frauen im Wochenbett, die keine Hebamme gefunden haben, aber trotzdem Fragen beziehungsweise Probleme haben, können sich an diese Telefonnummer wenden: 0170/5993661. Bei einer Hebamme im Dienst kann dann ein Termin vereinbart werden.

Diese Befürchtungen werdender Mamas kennt auch Hebamme Ulrike Zimmek aus Vilseck. „Ich hätte wirklich mit mehr Müttern gerechnet, die sich melden und Bedenken haben.“ Es halte sich in Grenzen. „Meine Mütter gehen recht gelassen damit um.“

Im April wird sie zehn Frauen begleiten, ihr Kind auf die Welt zu bringen. Erst am Dienstag sei eine frisch gebackene Mama aus der Klinik entlassen worden. „Natürlich war sie froh, dass sie heim durfte“, sagt Zimmek.

Kein Mundschutz mehr bestellen

Insgesamt sei es etwas komisch, bei wichtigen Besuchen Mundschutz und Handschuhe zu tragen, sagt Zimmek, die in 38 Jahren noch „nichts Vergleichbares erlebt hat“. Auch sei es schwierig, an Schutzkleidung zu kommen. „Man kann nichts mehr bestellen. Apotheken sind leer gekauft.“ Direkte Kontakte versucht sie auf ein Minimum zu reduzieren. Sie überlegt jetzt auch, Kurse via Skype anzubieten.

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