05.01.2021 - 10:25 Uhr
AmbergOberpfalz

Das vergessene Thema: Geflüchtete in Amberg-Sulzbach

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Flucht und Migration sind Themen, die von der Pandemie an den Rand gedrängt wurden. Das Ausländeramt des Landkreises Amberg-Sulzbach hat aber mit Migranten immer noch viel zu tun. Ein Blick auf die Daten der Landkreis-Verwaltung.

Während des großen Ansturms 2015 erhielten Geflüchtete zuerst häufig Turnhallen als Notunterkünfte zugewiesen. Diese Zeiten sind lange vorbei, doch die Wohnungssituation ist immer noch ein großes Problem. Das Foto entstand im Sommer 2015 in einer Schulturnhalle in Amberg.
von Markus Müller Kontakt Profil

2015, 2016 und 2017 dominierte in der Berichterstattung der Medien - auch der Oberpfalz-Medien - das Thema Migration und Flucht. Wie gehen Kommunen mit der Herausforderung um, eine ständig wechselnde Zahl von Menschen kurzfristig unterzubringen und zu versorgen? Wie verhalten sich die Einheimischen gegenüber den Geflüchteten? Und wie geht es den Geflüchteten selbst? Das waren Aspekte, die in den vergangenen Jahren immer wieder beleuchtet wurden. Die Corona-Pandemie hat diese Berichterstattung 2020 völlig überlagert. Deswegen haben wir versucht, für den Landkreis Amberg-Sulzbach einen Überblick über den aktuellen Stand der Dinge zu geben.

Wie viele Geflüchtete leben noch im Landkreis?

  • 837 ohne Familiennachzug; 976 mit Familiennachzug. Dabei sind alle Personen erfasst, die ein Asylverfahren betrieben haben, also die Personen mit Schutzstatus (Asylberechtigte, anerkannte Flüchtlinge, subsidiär Schutzberechtigte, Personen mit Abschiebehindernissen) sowie abgelehnte Asylbewerber (Geduldete) und Asylbewerber im Verfahren (mit Gestattung). Nicht enthalten sind in diesen Zahlen die Flüchtlinge, die dem Landkreis zugewiesen wurden, ihn während oder nach dem Asylverfahren aber wieder verlassen haben.

Wie viele leben in Gemeinschaftsunterkünften?

  • 113, und zwar 41 in der Gemeinschaftsunterkunft in Sulzbach-Rosenberg, 72 in Vilseck/Schlicht.  

Wie viele leben in dezentralen Unterkünften?

  • 353, und zwar in folgenden Gemeinden: Ammerthal, Auerbach, Birgland, Edelsfeld, Ensdorf, Freihung, Gebenbach, Hirschau, Hohenburg, Kastl, Königstein, Kümmersbruck, Poppenricht, Rieden, Schnaittenbach, Sulzbach-Rosenberg, Vilseck und Weigendorf. Keine Flüchtlinge in solchen Unterkünften gibt es demnach in Ebermannsdorf, Etzelwang, Freudenberg, Hahnbach, Hirschbach, Illschwang, Neukirchen, Schmidmühlen und Ursensollen.

Wie viele Geflüchtete sind 2020 neu in den Landkreis gekommen?

  • 26.

Wie viele davon waren unbegleitete Minderjährige?

  • Einer.

Wie viele wurden anerkannt?

  • Von denen, die im vergangenen Jahr gekommen sind, wurden fünf anerkannt. Insgesamt sind es 659 mit Schutzstatus (siehe oben).

Gibt es noch Fehlbeleger, also anerkannte Asylbewerber oder solche mit Bleiberecht, die sich selbst eine Wohnung suchen müssten, aber nichts bekommen?

  • Ja, 129.

Was ist derzeit das größte Problem der Geflüchteten, die der Landkreis betreut?

  • Aus der Sicht des Sozialamts die Wohnungssuche sowie die Mobilität, also die Erreichbarkeit des Ausbildungs- oder Arbeitsplatzes.
    Aus der Sicht des Ausländeramtes die starke Belastung wegen des eingeschränkten Familiennachzugs. „Neben den einschränkenden Regelungen für subsidiär Schutzberechtigte führen die Coronaregeln zu weiteren Einschränkungen.“
    Aus der Sicht des Jugendamtes (in der Arbeit mit Flüchtlingsfamilien) die Sorgen um Angehörige im Heimatland oder in anderen Ländern; außerdem finanzielle Sorgen, das Zurechtfinden im deutschen System und teils soziale Isolation, die durch die Corona-Beschränkungen bei schlecht integrierten Flüchtlingen noch verschärft wird.

Sind in Amberg-Sulzbach auch Flüchtlinge von Corona betroffen?

  • Das Sozialamt kennt einen Infektionsfall.

Zum Vergleich die Zahlen zu den Flüchtlingen in Amberg und Amberg-Sulzbach im Jahr 2019

Amberg

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