18.11.2020 - 10:54 Uhr
AmbergOberpfalz

Verschwundene Briefe bei der Post: Mitarbeiter überprüft

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Die Berichterstattung über verschwundene Briefe und Glückwunschkarten bei der Deutschen Post hat die Leser bewegt. Der Konzern reagiert mit einer Überprüfung, um den Dieb zu finden. Auch die Onetz-Redaktion hat Testbriefe verschickt.

Welcher Brief kommt an? Die Post wacht "mit Argusaugen", dass die Verarbeitung und Zustellung von Briefen zuverlässig in Amberg klappt.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Glückwunschkarten in knallbunten Umschlägen und mit Aufklebern dekoriert sowie ein Kondolenzbrief sind zwischen Ende September und Mitte Oktober in unterschiedlichen Amberger Briefkästen der Deutschen Post gelandet. Darin war je ein Zettelchen gefaltet, das genau die Größe eines Geldscheins hatte. Nach den vielen Reaktionen auf die Berichterstattung rund um die verschwundenen Kondolenzbriefe einer Witwe aus Amberg und vielen weiteren Postkunden, die vergebens auf Umschläge gewartet hatten, wollte es die die Onetz-Redaktion selbst wissen - und hat es getestet.

Witwe wartet vergeblich auf tröstende Worte

Amberg

Briefe in unterschiedliche Postkästen

Bayreuther Straße, Malteserplatz, am Kaufland und so weiter: Für die vorbereiteten Sendungen wurden unterschiedliche Orte ausgesucht, um sie einzuwerfen. Das Ergebnis: Meist schon am nächsten Tag lag der unbeschädigte Brief beim Empfänger im Kasten. War das "schwarze Schaf" bei der Post durch die Aufregung in der Zeitung gewarnt? Oder gibt es den "Briefschlitzer" womöglich gar nicht?

Viele Reaktionen gehen auf unsere Berichterstattung in der Redaktion ein

Amberg

Die Post habe einiges unternommen, seit die die Onetz-Redaktion in der Sache nachgehakt hat, erklärt deren Sprecher Erwin Nier. Vier Monate lang hat der Konzern im Verteilerzentrum sowie in allen Bereichen, die die Zustellung betreffen, beobachtet und überprüft. "Es gab keine besonderen Vorkommnisse", sagt Nier. Acht Wochen lang wurde sogar mit einer Kamera getestet. Auch hier ohne Ergebnis.

Nier bedauert das einerseits, "denn nun ist es nicht mehr möglich, ein Täterprofil zu erstellen". Also wer, wann, wo unterwegs gewesen sei – und dies wiederum mit Dienstplänen abzugleichen. "Wie ein Ermittler müssten wir den Personenkreis einschränken können." In vielen Fällen gelinge es, auf diese Art ein schwarzes Schaf zu erwischen. "In Amberg leider nicht."

Kein Bargeld im Umschlag

Andererseits ist der Postsprecher froh, dass nun nichts entdeckt wurde. "Jeder Spitzbube konterkariert die vorbildliche Arbeit von 1000 anderen Guten." Das ärgert ihn. Nichtsdestotrotz "werden wir mit Argusaugen beobachten, was in Amberg passiert", versichert Nier. Man sei hoch sensibilisiert.

Zwei Bitten formuliert Nier zusätzlich – gerade in der Adventszeit gelte das: "Jeden Tag befördert unser Massenbetrieb 52 Millionen Briefsendungen, um Weihnachten herum sind es sicherlich noch mehr. Unter keinen Umständen sollte Bargeld im Umschlag landen. Überweisen Sie lieber Geldgeschenke." Außerdem bittet er, dass sich Kunden "zeitnah melden, wenn etwas vermisst wird". Viel zu oft vergehe wertvolle Zeit, wenn sich verärgerte Kunden zu spät melden. Man könne dies tun, indem man zum Beispiel den Zusteller anspricht, der die Beschwerde weitergibt, oder am Kundentelefon. Auch hier sei man sich bewusst, dass der Kundenservice in Bonn bei den geschilderten Fälle nicht immer optimal reagiert habe. "Schlechte Erfahrungen dienen als Negativ-Beispiel für Schulungen", erklärt Nier. Man könne sich für unprofessionelle Reaktionen nur entschuldigen, "aber wir nehmen das mehr als ernst".

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