22.09.2021 - 20:35 Uhr
AmbergOberpfalz

Die Versiegelung des Bürgerspitalgeländes als Rechenexempel

Wird durch die Bebauung des Bürgerspitalareals nun eine Fläche von 4000 oder von 5000 Quadratmetern versiegelt? Bei der AZ-Podiumsdiskussion warfen sich die beiden Seiten hier Unwahrheiten vor. Wer hat recht?

Mit unterschiedlichen Plänen für die Bebauung des Bürgerspital-Areals operieren die IG Menschengerechte Stadt (rechts) und die Initiatoren des Ratsbegehrens (links). Deshalb kam zuletzt auch Streit über die Frage auf, wie viel Fläche durch die Bebauung überhaupt versiegelt wird.
von Markus Müller Kontakt Profil

Wo es um konkrete Zahlen geht, nicht mehr um Meinungen, da müsste sich doch schnell rausfinden lassen, wo die Wahrheit liegt. Stimmt, aber in Sachen der auf dem Bürgerspitalareal entstehenden Bebauung ist die Sache dann doch wieder nicht ganz so einfach.

Mit dem Ten-Brinke-Bauprojekt am Spitalgraben werden 5000 Quadratmeter Fläche versiegelt, so lautet die Aussage der IG Menschengerechte Stadt. Kann gar nicht sein, weil das Gesamtgelände nur 4000 Quadratmeter groß ist, hält CSU-Fraktionsvorsitzender Matthias Schöberl dagegen.

Die AZ hat nachgefragt: Wie kommt die IG zu ihren Zahlen? Laut Wolfgang Schimmel durch die Broschüre zum Realisierungswettbewerb von 2015. Nach dieser setzt sich das fragliche Grundstück aus vier Teilflächen zusammen, die zusammen 5259 Quadratmeter umfassen. „Diese gesamte Fläche wird vom Vorhaben nicht vollständig genutzt, aber nach der Realisierung des Vorhabens sind eben in dem Stadtteil rund 5000 Quadratmeter komplett versiegelt“, hat Schimmel errechnet. Wobei ein Teil davon schon jetzt versiegelt sei.

Alles aus offiziellen Unterlagen

Der Geltungsbereich des Bebauungsplans wird laut Schimmel in der Begründung dazu mit "ca. 0,47 ha" (4700 qm) angegeben. Insofern komme man sehr wohl auf rund 5000 Quadratmeter, wenn man sich an den von der Stadt offiziell bekanntgemachten Unterlagen orientiere. „Sollten diese unrichtig sein, läge der Fehler bei der Stadt. Es ist nicht in Ordnung, wenn uns deswegen vorgeworfen wird, die Unwahrheit zu sagen“, findet der IG-Vertreter.

Wie kommt nun Matthias Schöberl zu seiner Angabe von 4000 Quadratmetern für das Gesamtgelände? Er beruft sich auf einen ganz aktuellen Plan – datiert auf den 13. September 2021 – des Regensburger Architekturbüros Eixenberger, das auch für Ten Brinke tätig ist. Hier ist die Grundstücksfläche insgesamt mit 3986 Quadratmetern angegeben. Schöberl sagt, dieser Plan sei auf seine Initiative hin erstellt worden, „damit man sehr einfach ersehen kann, wie sich das Gelände aufteilt“. Diese Unterlage habe zwar keinen offiziellen Charakter, sei aber „korrekt, verlässlich und auch den Plänen entsprechend“. Laut Schöberl findet die jetzt geringere Gesamtfläche darin eine Erklärung, dass zum Schluss das verkaufte Gelände kleiner war als ursprünglich vorgesehen.

Vorwurf: Mangelnde Transparenz

Dass der CSU-Fraktionschef jetzt mit einem anderen Plan operiert, wertet Schimmel als „wieder ein Beispiel für mangelnde Transparenz im Planungsverfahren – aber kein Beleg dafür, dass Bürger, die sich auf die offiziellen Unterlagen berufen, die Unwahrheit sagen“.

Was Schöberl beim Thema Versiegelung noch wichtig ist: Die gesamte Verkehrsfläche auf dem Areal sei natürlich versiegelt – genau wie bei allen anderen bisherigen Bebauungsplan-Vorschlägen seit 20 Jahren. Auch das Gebäude zähle zur Versiegelung. „Aber mit dem Innenhof und dem Gründach wird schon anders Wasser zurückgehalten, gespeichert und abgegeben, was das Mikroklima da durchaus verändert.“

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"Sollten diese unrichtig sein, läge der Fehler bei der Stadt."

Wolfgang Schimmel über die offiziellen Unterlagen

 

 

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