09.07.2021 - 20:07 Uhr
AmbergOberpfalz

Vier-Tage-Woche? Das kann auch in Deutschland funktionieren

Für Arbeitnehmer ein Traum: Weniger Arbeiten bei gleichem Gehalt. Ein Feldexperiment in Island zeigt – das funktioniert. Ist das auch in der Oberpfalz denkbar?

Vier Tage Woche in Deutschland. Kann das funktionieren?
von Wiebke Elges Kontakt Profil

Ein viel diskutiertes Thema im Netz ist in den letzten Tagen die Vier-Tage-Woche. Island hat dazu ein Feldexperiment durchgeführt und gezeigt, dass es funktioniert: weniger arbeiten, gleich viel verdienen. Immer mehr Stimmen fordern auch in Deutschland eine Verkürzung der Arbeitszeit. Darunter Udo Fechtner von der IG Metall in Amberg. „Das ist ein altes Geheimnis, dass bei einer Reduzierung der Arbeitszeit die Produktivität gleich bleibt.“ Auch in Deutschland hält Fechtner das für möglich. Weniger zu Arbeiten habe viele Vorteile für Arbeitnehmer. So bleibe die Produktivität gleich und die Beschäftigten hätten mehr Freizeit. Fechtner sieht in einer Vier Tage Woche eine „Win-Win-Situation für Arbeitnehmer und Arbeitgeber“. Auch sei die Beschäftigungssicherung durch verkürzte Arbeitszeiten leichter zu ermöglichen. Das bedeutet, dass Kündigungen vermieden und Einkommen gesichert sind, erklärt Fechtner.

Zu dem Ergebnis kommt auch das isländische Vier-Tage-Experiment. „Die Produktivität und die Erbrachte Leistung bleiben gleich oder verbesserten sich sogar bei den meisten Versuchsarbeitsplätzen.“ Laut den Forschern waren die Teilnehmer der Studie weniger gestresst und fühlten sich weniger Burn-out gefährdet.

Es geht generell um Arbeitszeitverkürzung

Bereits Anfang des Jahres gab es Tarifverhandlungen zum Thema Arbeitszeitverkürzung, sagt Fechtner. Dabei gehe es nicht nur um eine Vier Tage Woche. Es gehe generell darum, eine Arbeitszeitverkürzung möglich zu machen. „Die Vier-Tage-Woche sehe ich nicht als Dogma. Man muss auch nach Alternativen schauen.“ Die vier Tage Woche sei zwar schon Thema, aber nicht alleine. So gehe es auch um ein Recht auf Teilzeitarbeit oder den Anspruch auf Home-Office.

„Rotes Tuch für viele Unternehmen“

Fechtner kann sich ein Experiment wie in Island gut in Deutschland vorstellen und würde das befürworten. „Allerdings sehen viele Unternehmen in Deutschland eine Arbeitszeitverkürzung als rotes Tuch.“ Grund: Die Unternehmen sehen die Tradition und die unternehmerische Freiheit als gefährdet, sagt Fechtner. Um diese Einstellung ändern zu können „muss noch hart gearbeitet werden.“ Fechtner wünscht sich, dass viele Arbeitgeber von dem Experiment in Island mitbekommen haben und anfangen umzudenken.

Flexible Arbeitszeiten

Martin Dilling, Obermeister der Bildhauer- und Steinmetzinnung Nordoberpfalz ist „Freund von flexiblen Arbeitszeiten.“ Der Steinmetz aus Eschenbach in der Oberpfalz ermöglicht seinen Mitarbeitern bereits Flexibilität bei der Arbeit. „Ein Mitarbeiter von mir arbeitet 35 Stunden die Woche, ein anderer 30.“ Dilling sagt, wenn mehr Arbeitnehmer keine 40 Stunden arbeiten müssen, wäre die Work-Life-Balance besser. Nicht nur für die Arbeitnehmer, auch für die Arbeitgeber sieht er Vorteile. Dilling stimmt Fechtner zu, dass die Produktivität der Mitarbeiter gleich bleibt. Zusätzlich könne Leerlauf während der Arbeitszeit vermieden werden. „Man sollte den Betrieben und den Beschäftigten selbst die Entscheidung überlassen, ob sie kürzere Arbeitszeiten zulassen wollen. Je nachdem, wo es möglich ist.“ Seiner Meinung nach muss insgesamt in Deutschland ein Umdenken stattfinden.

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Hintergrund:

Vier Tage Woche in Island

  • Bei dem Feldexperiment in Island wechselten zwischen 2015 und 2019 einige Arbeitnehmer in die Vier Tage Woche.
  • 2500 Menschen aus Island nahmen Teil. Das ist etwa ein Prozent der Bevölkerung.
  • Anstatt 40 Stunden pro Woche, reduzierten die Mitarbeitenden auf 35 oder 36 Stunden.
  • Außerdem gab es Optimierungen von Routinen. So wurden Meetings verkürzt oder durch E-Mails ersetzt.
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Kommentare

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Tanja Härtl

Gerade in der Oberpfalz erlebe ich oft, dass man von einer 40-Stunden-Woche weit entfernt ist, teilweise auch von einer 5-Tage-Woche. Eine Viertagewoche bei gleichem Gehalt halte ich daher für sehr unrealistisch, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Die Devise lautet doch viel eher, wenn Du den Job nicht machst, macht ihn halt ein anderer. Oder der Kollege übernimmt deine Arbeit auch noch mit. Und erlaube dir nur nicht, krank zu werden!

12.07.2021