02.01.2020 - 10:37 Uhr
AmbergOberpfalz

Vilsabwärts Eisen, vilsaufwärts Salz

Erwähnt wird die Vilsschifffahrt erstmals in einer Urkunde von 1034. Eine Fahrt von Amberg nach Regensburg und zurück dauert eine Woche. Angetrieben werden die Schiffe auch mit Muskelkraft.

Anlässlich der Landesgartenschau 1996 in Amberg wurde ein Vilsschiff nachgebaut.

Heute ist kaum noch vorstellbar, dass auf der Vils von Amberg nach Regensburg Schiffe mit 23 Metern Länge und 3 Metern Breite fuhren. Diese Schifffahrt trug erheblich zum Wohlstand der Stadt und der ganzen Oberpfalz bei. Erwähnt wird die Vilsschifffahrt erstmals in der Schenkungsurkunde von 1034, als Amberg dem Bamberger Bischof überschrieben wurde. Da sie erwähnenswert war, ist davon auszugehen, dass sie einige Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte früher bereits betrieben wurde. Natürlich hatten damals die Schiffe noch nicht die Dimension des 16. Jahrhunderts, doch die Fracht war identisch: Erz, Eisen und Salz, als Rückfracht sicher auch Baierwein.

An der Vils unterhalb Ambergs lagen im Mittelalter wie an einer Perlenkette aufgereiht neun Hammerwerke: Drahthammer, Haselmühl, Theuern, Wolfsbach, Leidersdorf, Vilswörth, Schmidmühlen, Dietldorf, Traidendorf und Pielenhofen an der Naab. Vom Amberger Erzberg schafften Fuhrwerke das Erz zum "Erzhafen" an der Vils, gegenüber dem heutigen Kurfürstenbad.

Hammerwerke an der Vils

Eine Fahrt von Amberg nach Regensburg und zurück dauerte eine Woche. Da, immer wenn ein Schiff kam, die Hammerherren das Wehr öffnen und den Hammerwerksbetrieb stilllegen mussten, fuhr man im Konvoi vorzugsweise am Sonntag ab, was den Schiffsknechten durch Kardinalsdekret erlaubt war.

An den Hammerwerken luden die Schiffsknechte Erz ab und - je nach Ausrichtung der Produktion des Hammerwerkes - Halbfabrikate, sogenannte Schien- oder Zaineisen oder Bleche auf. Entladen wurden die Schiffe in Regensburg an der Eisengrät. Von diesem Stapelplatz ging es mit Donauschiffen weiter donauauf- oder -abwärts und weiter mit Fuhrwerken zu Schmieden, die das Schieneisen unter anderem zu Werkzeugen und Waffen weiterverarbeiteten. Selten verfrachtete man das Erz, umgeladen in Donauschiffe, bis nach Passau. Dabei transportierten diese jedoch über 50 Prozent totes Gestein, so war der Transport von Schieneisen weitaus wirtschaftlicher.

Salz für Nordbayern

Während vilsabwärts etwa 400 (heutige) Zentner Eisen geladen werden konnten, betrug die Rückfracht nur 100 Zentner. Es war überwiegend Salz, das aus dem Raum Berchtesgaden, Hallein über Salzach, Inn, Passau, Regensburg nach Amberg kam. Amberg war Salz-Verteilerstation für den nordbayerischen Raum. Entladen wurde das Salz an der Lände "Schiffsgasse", unmittelbar vor der Martinskirche. Am Salzstadelplatz befanden sich die Stapelhäuser.

Vilsaufwärts treideln

Vilsabwärts trieb die Strömung die Schiffe an, vilsaufwärts musste getreidelt werden. Anfangs hieß dies von Knechten, die damals natürlich viel kleinere Schiffe zogen, ab dem 15. Jahrhundert von Pferden. Klar, dass die Ufer frei von Bäumen und Hecken waren. Auf jedem Schiff befand sich (nach Otto Schmidt "Die Amberger Schifffahrt") ein Steuermann, ein Seßthaler, quasi der Kapitän und für das Geschehen auf dem Schiff verantwortlich, der Panitzer, zuständig für das Zugseil und ein Wechselmann, sozusagen ein Springer.

Der Vorder- und der Hinterrößler, gleich Aufleger, hatten sich um die Pferde und das Geschehen an Land zu kümmern. So musste der Aufleger Hindernisse beseitigen und das Schiff an Anlegestellen festbinden. Als Knechte die Schiffe vilsaufwärts zogen, waren je Schiff 13 Mann Besatzung notwendig, beim Treideln mit Pferden, je nach Schiffsgröße, sechs bis acht Personen.

Werften an der Donau

Spärlich sind die Nachrichten über die "Werften", welche die Schiffe lieferten. Die meisten waren sicher an der Donau gelegen. Konkret wissen wir erst aus dem 18. Jahrhundert von in Amberg gebauten Schiffen. Sicher reparierte man die Schiffe meistens hier, vor allem galt es, die Planken zueinander mit Moos abzudichten. Der Schopper, ein heute noch gebräuchlicher Familienname, war der dafür Verantwortliche.

1826 kam das Ende der Vilsschifffahrt. Es wären nicht vertretbare Summen für die Reparatur der Wehre und Verbesserung der Wassertiefe aufzuwenden gewesen. Wirtschaftlich war die Schifffahrt uninteressant geworden - bei erneuter Ausschreibung fand sich kein Bieter.

Ein Schiff in der „Werft“ zur Reparatur.
Der Drahthammer mit Wehr zum Umleiten des Wassers in den Werkskanal, Fall für die Schifffahrt und Bock für das Umlenken der Zugseile (Quelle: Schwaiger-Relief, Stadtmuseum Amberg).

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