16.01.2020 - 10:32 Uhr
AmbergOberpfalz

Von Salz und verliebten Schiffsknechten

Nach dem Landshuter Erbfolgekrieg gehört Sulzbach zur Jungen Pfalz und gilt als Ausland. Das bringt Probleme bei der Vilsschifffahrt.

Der Esel beim „Eselsbeck“ in Amberg erinnert an eine Anekdote um einen verliebten Schiffsknecht.

Wasserwege, so auch die Vils, waren bis in die Neuzeit die wirtschaftlichsten und sichersten Transportwege. Die Stadt Amberg hatte auf Vils und Naab Hoheitsrechte. Zumindest bis zum Landshuter Erbfolgekrieg, also bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts, durften die Sulzbacher ihr Erz (meist) in Amberg zu Wasser bringen. Dahingestellt ist, ob sie dies in eigener Regie taten oder ob sie das Erz an die Amberger verkauften.

Mit Schaffung der Jungen Pfalz infolge des Landshuter Erbfolgekrieges war Sulzbach im Ausland gelegen, damit endeten auch die Benutzungsrechte. Nun mussten die Sulzbacher ihr Erz auf dem Landweg nach Schmidmühlen, das ja ebenfalls zur Jungen Pfalz gehörte, transportieren und dort an der Lände an der Lauterach zu Schiff bringen. Die Schmidmühlener hatten das Recht, mit einem Schiff auf der Vils zu fahren, die Amberger hatten dagegen sechs Schiffe. Da das letzte Schiff immer das schlechteste Wasser hatte, mussten die Schmidmühlener, sicher aus reiner Gehässigkeit, immer als siebtes Schiff fahren. Wiederholt beschwerten sich diese beim Kurfürsten, bis dieser anordnete, dass nun die Lauterachtaler als sechstes Schiff zu fahren haben. Was taten die Amberger? Sie schafften ein Schiff ab - die Schmidmühlener waren wieder die Letzten.

"Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt" - der böse Nachbar war in diesem Fall die Junge Pfalz. Ob nun die Pest ein Vorwand war oder ob man an die eigenen Vorteile dachte, sei dahingestellt. Jedenfalls hat man während der Pestzeiten wiederholt die Vils mit Ketten und Fallbäumen versperrt und den Schiffsknechten das Nächtigen auf dem Gebiet der Jungen Pfalz verboten. Ärgerlich war es, wenn die Schiffsknechte, am Fall des Hammerwerkes ankommend, diesen ohne Rücksprache mit dem Hammermeister öffneten. Das Wasser im Werkkanal blieb aus, das Wasserrad konnte den Blasebalg für die Frischluftzufuhr am Rennofen nicht mehr antreiben, das Eisen im Rennherd war verdorben. "Des einen Freud, des anderen Leid", dies galt vor allem bei den nicht gerade seltenen Schiffsunglücken. Für die Fracht von Erz, Eisen und Salz waren Vils und Naab kurpfälzische Hoheitsgewässer. Nun pochten beim Untergang eines Schiffes die Anlieger meist auf die ihnen nach ihrer Meinung zustehende Grundruhr, also auf das Recht der Aneignung des untergegangenen Frachtgutes. Ein Streit, der im Regelfall zugunsten des Frachtführers entschieden wurde. Salz war weißes Gold und entsprechend teuer. Wie damals üblich, trugen die Schröter die in Fässern verpackten Salzscheiben vom Schiff zum Stapelhaus. Gerne hätten sich Schiffsknechte oder Schröter Salzscheiben angeeignet, was bei Strafe verboten war. Auch der Transport auf eigene Rechnung war ihnen nicht gestattet.

Schließlich eine von mehreren Geschichten um den "Eselsbeck". Das Gasthaus "Goldene Krone", unmittelbar hinter der Martinskirche und damit neben den Stapelhäusern für das Salz, heute ältestes, im 16. Jahrhundert erstmals erwähntes Wirtshaus in Amberg, war sicher eines der Stammlokale der Schiffsknechte. Gegenüber der "Goldenen Krone" befand sich eine Bäckerei. Die Fenster, die zur "Goldenen Krone" zeigten, gehörten zum Schlafzimmer der hübschen Bäckerstochter und zum Stall des Esels. Spät, an einem warmen Sommerabend, verließ nach einigen Mass Bier ein in die Bäckerstochter verliebter Schiffsknecht das Wirtshaus. Siehe da, das Fenster der Angebeteten stand offen, glaubte er, und wollte sich mit einem Kuss von ihr verabschieden. Voll des guten Bieres steuerte er jedoch das dem Esel gehörende Fenster an. An das nun folgende Geschehen erinnert der versteinerte Esel beim "Eselsbeck". (ddö)

In Regensburg befindet sich rechts der Steinernen Brücke der Amberger Salzstadel, daneben die Eisengrät als Stapelplatz für das Schieneisen (Quelle: „Salz macht Geschichte“, Aufsatzband 29/95 des Hauses der Bayerischen Geschichte)

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